04:05 23 Juli 2018
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    Patrouille an der griechisch-mazedonischen Grenze (Archivbild)

    „Russlands Handlungsspielraum wird schmaler“: Motive der Nato im Fall Mazedonien

    © Sputnik / Dmitrij Winogradow
    Politik
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    Die Bemühungen, den Streit zwischen Griechenland und Mazedonien zu regeln und dadurch Mazedoniens Nato-Beitritt zu ermöglichen, werden intensiviert. Russische Experten klären auf, wofür die Nato das neue Mitglied bräuchte – und welche Auswirkungen für Russland möglich wären.

    Die russische Balkan-Expertin Maria Tretjakowa sagte der Onlinezeitung „vz.ru“: „Mazedonien hat alle existierenden Kriterien für einen Nato-Beitritt eingehalten. Mehr noch: Es nahm an Nato-Friedensmissionen teil, ohne dieser Organisation anzugehören. Das Land steht längst an der Schwelle zum Nato-Beitritt.“

    Wie die Onlinezeitung erläutert, hatte der ursprüngliche Plan vorgesehen, dass Mazedonien zeitgleich mit Kroatien und Albanien Nato-Mitglied werden soll. Dies wurde jedoch von Griechenland blockiert. Die Regierung in Athen fordert einen anderen Staatsnamen für Mazedonien, um den Unterschied zur gleichnamigen griechischen Region zu unterstreichen. Nun wird versucht, den Streit zwischen Athen und Skopje endlich zu regeln: Für die laufende Woche wurden entsprechende Verhandlungen in New York angesetzt.

    Die russische Agentur RIA Novosti hatte zuvor unter Berufung auf diplomatische Kreise in Athen gemeldet, seitens der USA und der Nato werde ein starker Druck auf die Regierung in Skopje ausgeübt, um diese zu Zugeständnissen zu bewegen und einen Nato-Beitritt Mazedoniens möglichst schnell zu erzielen.

    Georgi Engelgardt, Forscher des russischen Instituts für Slawenkunde, kommentierte nun für „vz.ru“: „Mazedonien ist von strategischer Bedeutung für die USA und die Nato – vor allem wegen des Vardar-Tals.“ Bei dieser Region handelt es sich, wie Engelgardt erläuterte, um einen historisch etablierten Süd-Nord-Transportkorridor.

    Doch das zentrale Motiv der Nato im Fall Mazedoniens ist laut Engelgardt ein anderes:

    „In der Nato ist man der Meinung: Wenn ein Territorium offiziell nicht der Allianz angehört, besteht eine Chance, dass Russland dort irgendwie hineinkriechen könnte. Sie halten es für nötig, dieses Territorium offiziell aufzunehmen, obwohl sie es längst real kontrollieren, seit Mazedonien vor 25 Jahren unabhängig wurde. Das ist ein Land mit einer begrenzten Souveränität.“

    Engelgardt sagte weiter, die mazedonische Bevölkerung befürworte auch einen Nato-Beitritt – ebenso wie die dortigen Parteien einschließlich der Opposition. Dadurch unterscheide sich Mazedonien von Montenegro, das im vergangenen Jahr wider den Willen seiner Bevölkerung in die Nato aufgenommen worden sei.

    Mazedoniens Nato-Beitritt wird nach Ansicht des Experten einen Rückschlag für Russlands Autorität auf dem Balkan bedeuten. „Russlands Handlungsspielraum in der Region wird schmaler“, so Engelgardt.

    Auch für Russlands wichtigen Balkan-Partner Serbien werde sich die Situation verkomplizieren. Nach dem Erfolg mit Mazedonien werde Washington die serbische Elite stärker ins Visier nehmen. Die US-Regierung fordere zwar keinen sofortigen Nato-Beitritt Serbiens, wolle aber die wirtschaftliche, politische und Medienpräsenz Russlands in diesem Land auf ein Minimum reduzieren, meinte Engelgardt.

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    Tags:
    Rückgang, Einfluss, Bedeutung, Perspektiven, NATO-Beitritt, NATO, Balkan, Griechenland, Mazedonien, Russland
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