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    US-Soldaten (im Hintergrund) und kurdische YPG-Einheiten in der nordsyrischen Stadt Derik (Archivbild)

    Kurden als „Bevollmächtigte“ der USA: „Dies machte die Türkei von Anfang an wütend“

    © AFP 2018 / Delil Souleiman
    Politik
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    Die USA rudern zurück: Sie wollen, wie es nun heißt, keine Grenzsicherheits-Kräfte in Syrien aufstellen. Die Nachricht über eine solche Aufstellung hatte kurz zuvor die Türkei aufgebracht. Kein Wunder: In Syrien setzen die USA aktiv auf die Kurden. Der Streit beunruhigt auch Moskau, wie ein russischer Experte erläutert.

    Die USA dementieren Pläne für die Aufstellung neuer Grenzsicherheits-Truppen in Syrien. „Die ganze Situation wurde falsch dargestellt, falsch geschildert. Einige Personen haben sich versprochen. Wir beschäftigen uns nicht damit, ‚Grenzsicherheits-Kräfte‘ aufzustellen. Es ist sehr schade, dass Kommentare mancher Personen diesen Eindruck hinterließen“, sagte US-Außenminister Rex Tillerson nach Angaben der Zeitung „Daily Sabah“. Auch das Pentagon teilte unterdessen mit, es gehe weder um eine neue Armee noch um Grenzschutztruppen.

    Dass eine neue „Border Security Force“ in Syrien entstehen soll, hatte kürzlich Oberst Thomas Veale, Sprecher der US-geführten Koalition, angekündigt. Die „Defense Post“ zitierte ihn mit den Worten, die Koalition arbeite daran gemeinsam mit den Demokratischen Kräften Syriens (SDF).

    Den Kern der SDF machen kurdische YPG-Milizen aus. Deshalb stieß jene Ankündigung von Veale auf eine äußerst negative Reaktion der Türkei. Recep Tayyip Erdogan sagte, die von den USA geplante „Armee“ müsse noch vor ihrer Entstehung „abgedrosselt“ werden, und drohte einen Militäreinsatz gegen die Kurdenmiliz im Norden Syriens an. Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin bezeichnete die YPG-Miliz als terroristisch und warnte die USA vor „Schritten zur Legitimierung“ dieser Organisation.

    Der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow schreibt nun in einem Gastbeitrag für die „Rossijskaja Gaseta“, das US-Militär habe bei seinem Einsatz gegen die Terrorgruppe IS gerade auf die syrischen Kurden gesetzt: „Die Kurdenmilizen wurden zu ‚Bevollmächtigten‘ der USA, um statt ihrer die Arbeit vor Ort zu erledigen. Dies machte die Türkei von Anfang an wütend.“

    „In Ankara ist man davon überzeugt, dass die Amerikaner bewusst und gezielt die lebenswichtigen Interessen der Türkei beeinträchtigen. Die wegen der Ereignisse im Irak und in Syrien zugespitzte Kurden-Frage wird von der türkischen Führung als existenzielle Bedrohung wahrgenommen“, so Lukjanow. „Ob Erdogan tatsächlich einen Krieg gegen die ‚Bevollmächtigten‘ seines formell zentralen Verbündeten starten wird, ist eine offene Frage. Vorerst ähneln Erdogans Handlungen eher einem Bluff, der den USA demonstrieren soll, wie hoch der Grad der Ablehnung ihrer Politik ist“, schreibt Lukjanow weiter.

    Er stellt außerdem fest: „Russland hält sich abseits, obwohl es natürlich äußerst besorgt ist: Die von den USA geschürte türkisch-kurdische Konfrontation gefährdet den ganzen Prozess der nationalen Versöhnung in Syrien, der für Moskau von zentraler Wichtigkeit ist.“

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    Tags:
    Grenzgebiet, Streit, Truppenkonzentration, Konflikt, Kurden, Demokratische Kräfte Syriens (SDF), kurdische Selbstverteidigungskräfte YPG, US-Außenministerium, Rex Tillerson, Recep Tayyip Erdogan, Fjodor Lukjanow, Türkei, Syrien, USA
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