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    Soldaten einer Spezialeinheit der Kosovos Armee (Archivbild)

    Serbiens Verteidigungsminister nimmt Einmarsch-Drohungen aus Kosovo ernst

    © AFP 2018 / Armend Nimani
    Politik
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    Wer einen Serben im Norden des Kosovo tötet, setzt damit ein Zeichen: Für Serben gebe es keinen Platz in der Teilrepublik, sagt Aleksandar Vulin. Im Sputnik-Interview kommentiert der serbische Verteidigungsminister die Drohungen aus Pristina, die Albaner würden in Südserbien einmarschieren.

    Die internationale Gemeinschaft habe die Verantwortung dafür übernommen, dass im Kosovo nach dem Nato-Angriff auf Jugoslawien 1999 Frieden, Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit herrschen, erinnert der Verteidigungsminister im Sputnik-Interview.

    „Seitdem sind dort über 1.000 Serben getötet worden, wofür sich bis heute niemand verantworten musste“, sagt der Minister. „So kann es nicht weitergehen. Der Mord an Ivanovic [dem sozialdemokratischen Serbenführer – A.d.R.] muss aufgeklärt werden. Wir müssen wissen, wer die Drahtzieher sind und wer den Abzug gedrückt hat.“

    Es könne keine Rede davon sein, dass im Kosovo Frieden herrsche, wenn ein Attentat auf so einen bedeutenden Politiker verübt werde: „Die kosovarischen Serben sind natürlich beunruhigt“, so der Verteidigungsminister.

    Er betont: „Die serbische Armee respektiert die UN-Resolution 1244 und hält sich dort auf, wo sie sich aufhalten muss“ – und zwar auf serbischem Boden. Doch: „Wir beobachten die Lage sehr aufmerksam und werden es nicht zulassen, dass die Sicherheit der Serben im Kosovo gefährdet wird.“

    Heißt das, es ist jetzt an der Zeit, serbische Truppen in den Norden des Kosovo zu verlegen? Die besagte UN-Resolution sieht so eine Möglichkeit vor… „Das hängt vom Willen der führenden Mächte ab“, sagt der Verteidigungsminister. „Was mich sehr viel mehr beunruhigt, ist die Gefahr, dass das Attentat auf Ivanovic dafür benutzt werden könnte, albanische Truppen in den Norden des Kosovo zu verlegen. Das wäre ein sehr großes Problem.“

    Belgrad wache jedoch darüber, dass niemand den Mord am serbischen Politiker dafür benutzt, die Kontrolle über den Norden des Kosovo zu erlangen: „Kosovarische Truppen dürfen in den Norden Kosovos nicht verlegt werden. Im Brüsseler Abkommen ist klar geregelt, dass dies unzulässig ist. Serbiens Präsident Vucic hat als Unterhändler von der Nato die Zusage bekommen, dass es keine kosovarischen Sicherheitskräfte im Norden der Teilrepublik geben werde.“ Solange sich nichts ändere, sei die KFOR-Truppe der Nato die einzige, mit der Serbien im Kosovo zusammenarbeite.

    Die jüngste Drohung des kosovarischen Parlamentschefs Kadri Veseli, die Albaner würden in den Süden Serbiens bis zur Stadt Nis vorrücken, sollte Belgrad den Versuch unternehmen, nach Kosovo zurückzukehren, nehme Serbien sehr ernst.

    „Die führenden Länder raten uns oft, derlei Erklärungen nicht zu beachten. Aber das können wir nicht tun.“ Denn Veseli „ist ein Terrorist und den denkt nur daran, wie er sein Verbrechen wiederholen könnte“, sagte Minister Vulin im Interview. „Belgrad nimmt solche Drohungen sehr ernst. Jeder muss wissen, dass wir eine Armee, eine Polizei und einen Staat haben, die es nicht zulassen, dass solche Drohungen wahrgemacht werden.“

    Am Ort des Attentats auf Oliver Ivanovic
    © AFP 2018 / Armend Nimani
    Man stelle sich nur vor, ein serbischer Politiker hätte angedroht, Pristina einzunehmen: „Es nur Minuten dauern, bis er festgenommen und Sanktionen gegen uns verhängt worden wären“, sagt der Minister. „Veseli ruft zu einem Krieg auf – und das auch noch im Namen der Albaner. Wir müssen ihm und der ganzen Welt klarmachen, dass das kein Spiel ist. Auf dem Balkan fallen erst Wörter, dann Schüsse und dann steht die Region in Flammen.“

    A.d.R.: Kadri Veseli hatte während des Kosovo-Krieges die Spionageabwehr der UCK geleitet. Nach dem Krieg war er bis 2008 Chef des Untergrund-Geheimdienstes SHIK. Veseli wird zusammen mit dem amtierenden kosovarischen Präsidenten Hashim Thaci im Zusammenhang mit dem Organhandel im Kosovo erwähnt – zum Beispiel im Bericht des Schweizer Politikers Dick Marty. Demnach hat eine von Veseli kontrollierte Gruppe Organ- und Drogenhandel sowie mehrere Heroinfabriken im Kosovo betrieben. In einem EU-Bericht wird Veseli als „Schatzmeister“ des Terrors bezeichnet.

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    Tags:
    Interview, Drohungen, Einmarsch, Minister, UN, NATO, Aleksandar Vulin, Albanien, Jugoslawien, Kosovo, Serbien
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