08:45 22 Juli 2018
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    US-Präsident Donald Trump (Archiv)

    Kann Trump sich eine Annäherung an Russland leisten?

    © AP Photo / Evan Vucci
    Politik
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    Ernüchternd fällt die Bilanz des ersten Trump-Jahres im Hinblick auf die amerikanisch-russischen Beziehungen aus. Trotz anfänglich positiver Signale sei keine echte Russland-Strategie gefolgt, und das Verhältnis habe sich merklich verschlechtert, sagt der Experte Prof. Gerhard Mangott.

    Im Präsidentschaftswahlkampf galt Donald Trump vielen Beobachtern als der favorisierte Kandidat Russlands. Bis heute laufen in den USA Sonderermittlungen zu angeblichen Russland-Beziehungen seines Teams. Doch sucht Trump wirklich die Nähe Moskaus?

    Professor Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck resümiert Trumps erstes Jahr im Amt im Hinblick auf das Verhältnis zu Russland als „enttäuschend“. Den positiven verbalen Signalen, die Trump zu Beginn seiner Amtszeit in Richtung Russland gesendet hat, seien keine entsprechenden Taten gefolgt. Das Verhältnis zwischen den beiden Staaten habe sich verschlechtert.

    „Zum einen lag den positiven Äußerungen Trumps keine Russland-Strategie zugrunde. Er hatte kein ausgehandeltes Konzept, wie und auf welchen Wegen er mit Russland zu einem besseren Verhältnis kommen will. Zweitens: Die Untersuchungen, die gegen Donald Trump und seine engsten Mitarbeiter laufen wegen der angeblichen oder tatsächlichen Zusammenarbeit mit russischen Stellen, verbieten es ihm geradezu, irgendwelche Gesten gegenüber Russland zu zeigen. Denn damit würden die Stimmen noch lauter werden, die sagen: Russland hat Donald Trump gekauft, es kann ihn unter Druck setzen, und jetzt ist er gezwungen, Russland gegenüber diese Gesten zu zeigen. Trump kann sich so etwas nicht leisten“, erklärt der Experte für Internationale Beziehungen im Sputnik-Interview.

    Der dritte wesentliche Grund sei, dass es im politischen System der Vereinigten Staaten große Veto-Akteure gebe, die nicht an einer Verbesserung der Beziehungen zu Russland interessiert seien.

    „Das sind das Foreign Policy Establishment, die nationale Bürokratie, vor allem aber der Kongress. Beide Häuser des Kongresses sind gegen eine Verbesserung der Russland-Beziehungen. Und auch die mediale Situation steht dem nicht positiv gegenüber. Das heißt, diese Veto-Akteure verhindern auch eine Annäherung zwischen den USA und Russland.“

    An dem persönlichen Verhältnis der beiden Präsidenten liege es hingegen nicht, dass eine Annäherung bisher nicht möglich war. Zwar hätten sie nur einmal die Gelegenheit gehabt, sich zu einem ausführlichen Gespräch persönlich zu treffen. Unsympathisch seien sie sich jedoch grundsätzlich nicht, so Mangott.

    „Ich denke, Wladimir Putin hat schon erkannt, wie er Donald Trump für sich gewinnen kann. Trump ist sehr empfänglich für Lob, für Zuspruch, für Pomp und Zeremonie. Das zu inszenieren hilft immer, Trump wohlzustimmen. Putin als erfahrener Staatsmann weiß das zu nutzen.“

    Umgekehrt imponiere es dem amerikanischen Präsidenten, wenn sein Gegenpart im eigenen Land über eine gewisse Macht verfüge. 

    „Würde es nur um das persönliche Verhältnis zwischen diesen beiden gehen, könnten sicherlich wesentliche Fortschritte erreicht werden.“

    Mangott vermutet, dass dies auch ein Grund dafür gewesen ist, warum es zu keinem Gespräch zwischen Donald Trump und Wladimir Putin am Rande des Wirtschaftstreffens in Vietnam gekommen ist. Die amerikanische Seite habe befürchtet, dass die russische Seite ein solches Treffen nutzen würde, um von Donald Trump im bilateralen Gespräch der beiden Präsidenten Zugeständnisse zu bekommen, die er zuhause nicht umsetzen können würde. „Man immunisiert Donald Trump gewissermaßen, man hält ihn im Zaum.“

    In seinem Artikel „Trump und Russland: Eine anämische Liebe“ resümiert Gerhard Mangott seine Beobachtungen: „Die Beziehungen zwischen Russland und den USA sind jetzt schon zerrüttet. Aber sie sind noch nicht an einem Punkt, wo sie sich nicht noch weiter verschlechtern könnten.“

    Ilona Pfeffer

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Analyse, Strategie, Beziehungen, Diplomatie, Donald Trump, Wladimir Putin, Russland, USA
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