06:52 18 August 2018
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    SPD-Chef Martin Schulz (Archiv)

    Geschwätz von gestern? Der Schlingerkurs des Martin Schulz

    © AFP 2018 / THOMAS KIENZLE
    Politik
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    Die SPD steht kurz vor einer neuen Regierungsbeteiligung. Doch soweit ist es noch nicht. Zuerst muss die SPD-Basis über einen möglichen Koalitionsvertrag abstimmen. Parteichef Martin Schulz wirbt vehement für Vertrauen. Doch er hat ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Ein Blick auf die Fakten zeigt, wie häufig er seinen Standpunkt geändert hat.

    Martin Schulz ist seit März 2017 Vorsitzender der SPD.

    Wirklich neue Ideen waren seitdem nicht von ihm zu hören. Doch trotz dieser politischen Inhaltsleere war er mit hundert Prozent Zustimmung zum Parteichef gewählt worden.

    Die Begeisterung kannte keine Grenzen. Das ist viele Monate her. Mittlerweile gilt Schulz als angeschlagen. Das liegt auch an seinem häufigen Richtungswechsel, der Genossen und Wählern alles andere als Vertrauen einflößt. Sputnik hat einige Zitate des SPD-Chefs gesammelt, die seinen widersprüchlichen Kurs belegen.

    25. Juni 2017 (auf dem Parteitag in Dortmund, nach verlorener Landtagswahl im Saarland)

    „Ein Gegentor heißt noch nicht, dass das Spiel entschieden ist“

    13. August 2017 (in der ZDF-Sendung „Berlin Direkt“)

    „Ich werde Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.“

    24. September 2017 (am Abend der Bundestagswahl im Willy-Brandt-Haus)

    „Es ist völlig klar, dass der Wählerauftrag an uns der der Opposition ist. Mit dem heutigen Abend endet die Zusammenarbeit mit CDU und CSU.“

    19. November 2017 (auf der SPD-Regionalkonferenz in Nürnberg)

    „Der Wähler hat die große Koalition abgewählt.“

    24. November 2017 (nach Gesprächen mit Bundespräsident Steinmeier)

    „Wir waren uns einig, dass ich einer Einladung des Bundespräsidenten zu Gesprächen mit anderen Parteivorsitzenden selbstverständlich folgen werde.“

    07. Dezember 2017 (Parteitag in Berlin)

    „Wir müssen nicht um jeden Preis regieren. Aber wir dürfen auch nicht um jeden Preis nicht regieren wollen.“

    12. Januar 2018 (nach dem Ende der Sondierungen mit der Union)

    „Ich glaube, dass wir hervorragende Ergebnisse erzielt haben.“

    21. Januar 2018 (auf dem Parteitag in Bonn, Schulz wiederholt ein Zitat von Johannes Rau)

    „Ein Prozent von etwas ist besser als 100 Prozent von nichts.“

    Sollte die SPD erneut in eine große Koalition mit der Union eintreten, stellt sich auch die Personalfrage um Martin Schulz. Er hatte im Wahlkampf und auch danach wiederholt verkündet, er wolle kein Minister in einem Kabinett Merkel sein. Dies könnte sich nun ändern. Sollte Schulz der Verlockung erliegen, einen Ministerposten und damit wohl auch den Stuhl des Vizekanzlers zu besetzen, wäre seine letzte Glaubwürdigkeit erloschen. Womöglich möchte sich die SPD bisher noch nicht eingestehen, dass ihr einstiger 100-Prozent-Kandidat seinen Rubikon überschritten hat. Die kommenden Wochen werden es zeigen.

    Marcel Joppa 

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    Tags:
    Parteitag, GroKo, Regierung, Sondierungsgespräche, CDU/CSU, SPD, Martin Schulz, Deutschland
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