08:56 14 August 2018
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    Gaspipeline von Gazprom (Archiv)

    Warum Europa weiterhin russisches Gas braucht

    © Sputnik / Witali Ankow
    Politik
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    Russland hat nach offiziellen Angaben im Jahr 2017 insgesamt 193,9 Milliarden Kubikmeter Gas – eine Rekordmenge seit 1990 – nach Europa geliefert. Die russischen Gasexporte nehmen sichtlich weiter zu – trotz der von der EU angestrebten Diversifizierung der Energiequellen.

    Wie der Chefredakteur des slowakischen Portals datel.sk Peter Toth im Gespräch mit Sputnik sagte, vertreten Politiker und Journalisten oft die These, dass Russland seine Gaslieferungen als außenpolitisches Instrument nutze.

    Der Journalist stimmte dem nur teilweise zu.

    „Das mag uns nicht gefallen und kann vielen Ländern unangenehm sein, aber die Naturschätze, vor allem Gas, sind ein wirtschaftlicher und geopolitischer Vorteil Russlands“, so Toth.

    Er räumte zugleich ein, dass dieser Vorteil eingeschränkt sei. „In den USA wird zunehmend Erdöl und Schiefergas gefördert. All das führt zu einem Absinken der Preise für Energieträger auf den Weltmärkten, was sich auf den russischen Staatshaushalt negativ auswirkt.“

    Toth ist überzeugt, dass die EU in nächster Zeit ihre Angewiesenheit auf russisches Gas nicht mindern könne. In einem anderen Fall „hätte Deutschland nicht damit begonnen, gemeinsam mit Russland die Nord-Stream-Pipeline zu bauen. Die Deutschen hätten sich auf die Lieferung von norwegischem Gas verständigen können. Die geographische Realität sieht aber so aus, dass Ost- und Zentraleuropa sowie der größte Teil von Südeuropa gezwungen sind, mit Russland zusammenzuarbeiten“, so Toth.

    Nach Meinung des Journalisten ist die Einstellung der Gaslieferungen aus Russland nach Europa wenig wahrscheinlich. Dies wäre nur möglich, wenn ein bewaffneter Konflikt zwischen der EU und Russland beginnen sollte oder die russische Wirtschaft nicht mehr von den Gaslieferungen abhängen sollte und wenn China, die Türkei und andere Länder die Gaslieferungen aus Russland für Europa ersetzen könnten. All das sei in kurzfristiger Perspektive unmöglich, so Toth.

    Er merkte an, dass der russische Präsident Wladimir Putin die Situation im Land stabilisiert habe. Sein Hauptfehler bestehe jedoch darin, dass die russische Wirtschaft nicht diversifiziert sei, so Toth.

    Wie er ferner sagte, ist die Festigung der russisch-deutschen Beziehungen für kleinere europäische Länder günstig. „…Die Stabilität im Norden Eurasiens hängt von den guten Beziehungen zwischen Deutschland und Russland ab. (…) Stabile deutsch-russische Beziehungen in Handel und Politik sind von Schlüsselbedeutung für den Frieden in Europa“, betonte Toth.

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