17:52 19 Juni 2019
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    Proteste gegen Umbenennung von Mazedonien, Griechenland (Archiv)

    Streit um „Mazedonien“: Nato-Beitritt auf der Kippe?

    © REUTERS / Alexandros Avramidis
    Politik
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    Dass ihr kleiner Nachbar im Norden „Mazedonien“ heißt, passt vielen Griechen nicht. Rund 100.000 Menschen haben am vergangenen Sonntag in Thessaloniki dagegen protestiert. Warum der Namensstreit brandgefährlich ist, erklärt ein Experte im Gespräch mit Sputnik.

    Konservative Politiker, Gewerkschaftsfunktionäre, Soldaten im Ruhestand und sogar Kirchenvertreter haben sich zu der Kundgebung in der nordgriechischen Stadt versammelt. Die Namensführung des Nachbarlandes betreffe Griechenlands nationale Interessen, sagen die Protestteilnehmer.

    Griechenlands Regierung vertritt in dieser Frage eher eine gemäßigte Position: Man müsse die Gunst der Stunde nutzen, um diesen Streit beizulegen, sagte der griechische Premierminister Alexis Tsipras. Man werde die Sorgen der griechischen Bevölkerung unbedingt berücksichtigen, versprach er. Nun verhandeln Athen und Skopje im Namensstreit.

    Die Proteste in Thessaloniki zeigen vor allem, dass es keine einfachen Lösungen in dieser Frage geben werde, sagt der mazedonische Politologe Aleksandar Dastevski im Sputnik-Interview: „Die Situation wird immer vertrackter. Was man wirklich bräuchte, sind zwei Volksentscheide zu diesem Thema, einen in Griechenland und einen in Mazedonien. Denn im Sommer wird in Griechenland gewählt. Und wenn die Rechten gewinnen, könnten alle Vereinbarungen mit Mazedonien für null und nichtig erklärt werden.“

    Doch Skopje sei in einer noch schwierigeren Lage: „Die mazedonische Regierung erwartet, dass ihr Land auf dem Nato-Gipfel im kommenden Juni in die Allianz eingeladen wird. Das ist aber ausgeschlossen, wenn es im Namensstreit bis dahin keinen Kompromiss gegeben haben wird. Wenn Mazedonien nicht in die Nato aufgenommen wird, dann wird das Ansehen der neuen Regierung ramponiert. Und das könnte dazu führen, dass Neuwahlen gefordert werden“, erklärt der Experte.

    Ein zusätzliches Problem sei es, dass es in Mazedonien keinen nennenswerten politischen Dialog gebe: „Es könnte das eintreten, wovor Russland gewarnt hat – dass nämlich der Westen versuchen wird, dieses Problem mit allen möglichen Mitteln zu lösen, um Mazedonien so schnell wie möglich in die Nato aufnehmen zu können. Also wird noch mehr Druck auf unser Land ausgeübt.“

    Die Situation sei sehr gefährlich, warnt der Politologe: „Es könnte nicht nur dazu kommen, dass die Bezeichnung unseres Landes geändert, sondern dass ein neuer Staat gebildet wird. Das Volk wird natürlich nicht gefragt. Entscheiden würde das die internationale Gemeinschaft.“

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    Proteste, Namen, Beitritt, Position, Streit, NATO, Griechenland, Russland, Mazedonien