23:52 20 Oktober 2018
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    Linken-Abgeordneter Hahn: „Sportgerichtshof soll missbräuchliche Sperren verhindern“

    © REUTERS / Christinne Muschi
    Politik
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    Ilona Pfeffer
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    Der Linken-Abgeordnete im Bundestag André Hahn ist für sauberen Sport. Jedoch findet er das Vorgehen des IOC im Fall der nicht eingeladenen russischen Olympioniken befremdlich. Er fordert: Es müssen klare Beweise her. Dass die paralympischen Athleten nicht komplett gesperrt wurden wie noch in Rio 2016, sei aber positiv.

    Der Bundestagsabgeordnete André Hahn, für die Linke im Sportausschuss tätig, wertet die Zulassung eines Teils der russischen Sportler zu den Olympischen und Paralympischen Spielen in Pyeongchang zwar als eine bessere Entscheidung gegenüber einem kompletten Ausschluss Russlands. Er erwartet jedoch nachvollziehbare Beweise vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in den Fällen der nicht eingeladenen Athleten.

    „Was mich tatsächlich befremdet, ist, dass man bei einigen Athleten bisher keine nachvollziehbare Begründung geliefert hat. Es ist auch schwer vermittelbar, dass bestimmte Sportler bei Weltcup-Wettbewerben startberechtigt sind, beispielsweise beim Biathlon oder beim Langlauf, in Pyeongchang aber nicht antreten sollen. Das ist erklärungsbedürftig. Und da verstehe ich auch, dass die Betroffenen die Gründe erfahren wollen, um notfalls auch rechtliche Schritte über den Sportgerichtshof einzuleiten. Da muss das IOC liefern. Ansonsten kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass möglicherweise unliebsame Konkurrenten nicht zu den Spielen zugelassen werden. Das wäre natürlich fatal!“

    Es könne auch nicht sein, dass mit Beweislastumkehr gearbeitet werde, so Hahn. Dass also ein Sportler beschuldigt werde und dann beweisen müsse, dass er unschuldig ist. Aus vielerlei Gründen sei das gar nicht möglich.

    Sollten die betroffenen Athleten den Weg vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) wählen, so sei die Zeit zwar knapp, jedoch könne der Sportgerichtshof durchaus auch Eilentscheidungen treffen.

    „Die Sportgerichtsbarkeit soll für die Sportler da sein und auch ihre Interessen vertreten. Sie soll verhindern, dass missbräuchlich Sperren ausgesprochen werden. Das ist der einzige legale Weg. Aber angesichts der wenigen Tage, die bis zum Beginn der Olympischen Winterspiele bleiben, ist es bestimmt schwierig, noch ordnungsgemäße Verfahren hinzukriegen.“

    Im Fall der über 40 vom IOC Ende letzten Jahres gesperrten russischen Wintersportler, über deren Einsprüche das CAS derzeit befindet, soll spätestens am 2. Februar eine Entscheidung fallen. André Hahn äußert die Hoffnung, dass dem Gericht alle Unterlagen vorliegen, um eine sachgerechte Entscheidung treffen zu können. Jedoch: „Selbst wenn einige Sportler wenige Tage vor den Olympischen Spielen noch eine Startberechtigung bekämen, muss man bezweifeln, inwieweit sie nach alledem in der Lage wären, noch ordentliche Wettkämpfe abzuliefern.“

    Grundsätzlich trete er dafür ein, dass Sportler, die erwiesenermaßen gedopt haben, gesperrt werden, und dass eine gründliche Aufarbeitung von Sotschi stattfindet. Diejenigen, denen keine Dopingvergehen nachgewiesen werden konnten, sollen jedoch nach Ansicht des Abgeordneten starten dürfen, und zwar mit Flagge und Nationalhymne.

    Das komplette Interview mit André Hahn (Linkspartei) zum Nachhören:

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    Tags:
    Sperrung, Doping, Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang, IOC, André Hahn, Deutschland, Russland