14:52 19 Februar 2018
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    US-Präsident Donald Trump (Archiv)

    „Egoismus“ vs. Globalisierung: „Eine beim ersten Anblick unmerkliche Wende“

    © AFP 2018/ Brendan Smialowski
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    Zunächst sind die Leitsätze von Donald Trump als etwas Vergängliches wahrgenommen worden, doch inzwischen sind sie Teil des globalen Bildes. Trump als „Egoismus-Medium“ scheint ein Instrument der Geschichte zu sein, wie der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow meint.

    „Ein Jahr nach seiner Vereidigungsrede, bei der das ‚America First‘-Prinzip als offizielles Kredo verkündet worden war, hat der US-Präsident demonstriert: Die Turbulenzen der letzten zwölf Monate haben seine Weltanschauung und seine Zielbestimmung keineswegs ins Wanken gebracht. Die wichtigste Botschaft, die nun in Davos besonders deutlich artikuliert wurde, ist wie folgt: Was für Amerika gut ist, ist auch für die Welt gut; wollt ihr Frieden und Prosperität, so investiert in Amerika“, schreibt Lukjanow in einem Kommentar, der auf der Webseite des Expertenforums Waldai veröffentlicht wurde.

    Der US-Präsident tritt überall als ‚Vertriebsbeauftragter‘ seines Landes auf und schämt sich nicht für seine Funktion als Egoismus-Medium (ob man diesen Egoismus als gesund oder ungesund bezeichnet, ist Geschmacksache)“, postuliert Lukjanow.

    Trumps Lieblingstätigkeit sei der Handel im weiteren Sinne des Wortes. Das Feilschen um bessere Bedingungen sei als richtiges und würdiges Verhalten legitimiert: „Trumps Hochrufe für Merkantilismus stoßen praktisch überall auf Einwände. Gegen den Egoismus und den damit zusammenhängenden Protektionismus sprachen sich in Davos (und nicht nur dort) alle aus – Staats- und Regierungschefs von Indien, Frankreich und Deutschland, Vertreter von China, Russland und so weiter. Es vollzog sich aber eine beim ersten Anblick unmerkliche psychologische Wende.“

    Lukjanow erläutert: „Zum Auftakt der politischen Karriere von Trump hatten dessen Mottos Lachen, Konsternation, Empörung ausgelöst; man war zuversichtlich, dass sich das Verwirrende bald auflösen wird. Doch mittlerweile werden jene Mottos (genauer gesagt, die damit verbundene Philosophie der Weltordnung) zu einer Norm, zu einem natürlichen Bestandteil des globalen Bildes.“

    „Trump ist der Operator des US-Übergangs von Extra- zu Introversion. Zwar ist der Isolationismus von einst im 21. Jahrhundert nicht mehr möglich, doch der von Trump betonte Verzicht auf den Wunsch, allen Lebens- und Verhaltensregeln zu diktieren, ist eine Inkarnation der isolationistischen Idee – geeignet für einen Erdball, der von irreversiblen Wechselbeziehungen gekennzeichnet ist“, heißt es im Kommentar.

    Der interessanteste Vorgang der letzten Zeit sei das Nachlassen der Einwände gegen Trumps konzeptuelle Einstellungen im politischen Milieu der USA. Seine Persönlichkeit sorge weiter für Ärger, doch dies betreffe eher seinen Stil und seine Manieren, die für einen US-Präsidenten tatsächlich unkonventionell seien. Seine Konzentration auf die nationalen Interessen stoße dabei auf immer weniger Ablehnung.

    „Früher oder später wird Trump das Weiße Haus verlassen. Dies bedeutet aber nicht, dass die USA dann fähig bzw. bestrebt sein werden, ihren früheren Kurs wieder aufzunehmen. Eine andere Epoche ist gekommen – und Trump ist eher ein Instrument der Geschichte als deren Motor“, so Lukjanow weiter.

    Zum Schluss prognostiziert er: „Europäische Spitzenvertreter und selbst China können endlos wiederholen, dass sie keine Infragestellung von Globalisierung und Aufgeschlossenheit zulassen würden, was auch immer die Vereinigten Staaten tun. So wird es aber nicht klappen. Die USA mit ihrer Mächtigkeit und Vielzahl an Möglichkeiten, mit ihrem Einfluss und Anteil an der Weltwirtschaft erklären sich selbst für ‚first‘ – und geben damit den Ton an. Das heißt, alle werden ihnen folgen müssen und ebenfalls ‚first‘ werden. Darauf sollte man sich kaum freuen, aber jedenfalls vorbereiten.“

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    Tags:
    Macht, Egoismus, Weltordnung, Amtszeit, Donald Trump, Deutschland, Russland, China, USA
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