15:28 17 Oktober 2018
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    Strafe für Begriff „polnische Todeslager“: Woran’s in Gesetzentwurf hapert

    © AFP 2018 / ATTILA KISBENEDEK
    Politik
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    Ein Gesetzentwurf sorgt in Polen aktuell für hitzige Diskussionen. Jeder, der den Begriff „polnische Todeslager“ gebraucht, muss laut dem Dokument mit einer Geld- oder Haftstrafe bis zu drei Jahren rechnen. Leslaw Piszewski, Präsident der Vereinigung jüdischer Gemeinden in Polen, äußert sich dazu im Gespräch mit Sputnik.

    „Allen ist bekannt, dass sich im Zweiten Weltkrieg auf polnischem Territorium Konzentrationslager befanden, aber zu der Zeit gab es bereits keinen polnischen Staat mehr, da das Land vom Dritten Reich besetzt war“, erläutert Piszewski.

    Ihm zufolge gibt es in dem Dokument jedoch mehrere ungenaue oder inkorrekte Formulierungen, die korrigiert werden müssten, wie beispielsweise die Passage, dass jeder strafrechtlich verfolgt werde, der das polnische Volk bzw. den polnischen Staat beschuldige, am Holocaust beteiligt gewesen zu sein.

    KZ Auschwitz, Polen (Archivbild)
    © Sputnik / Alexej Witwitskj
    Laut Piszewski ist es eine „historische Tatsache“, dass es auch polnische Bürger gegeben habe, die Juden ermordet hätten. „In Polen gibt es Menschen, die diese Tatsachen infrage stellen wollen. Es gibt aber Beweise und Dokumente, die bestätigen, was sich in Jedwabne und Szczuczyn abspielte, als Polen ihre jüdischen Nachbarn ermordet haben, um an ihre Häuser, ihr Vieh etc. zu gelangen. Und nach der Annahme der Änderungen zu diesem Gesetzentwurf werden die Menschen, die darüber schreiben wollen, höchstwahrscheinlich der Gefahr einer Strafe ausgesetzt.“

    Genau aus diesem Grund sei er mit dem Dokument nicht komplett einverstanden. „Nicht alle in Polen wollen die Wahrheit wissen oder hören, einige unserer Mitbürger nehmen nur die Heldentaten ihrer Vorfahren mit Begeisterung wahr, sie wollen nichts von ihren niederträchtigen Taten hören.“
    Piszewski zufolge sollte man sich lieber der Erziehung sowie der Bildung zuwenden und den Menschen von Jung auf die Geschichte wahrheitsgetreu beibringen. Denn jegliche Strafen seien eine ineffiziente Erziehungsmethode, die keine Früchte trage.

    Vor dem Hintergrund des Gesetzentwurfes hat das israelische Außenministerium Warschau mittlerweile aufgefordert, die historische Wahrheit nicht zu misshandeln.

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    Tags:
    Wahrheit, Antisemitismus, Holocaust, strafrechtliche Haftung, Gesetzentwurf, Nationales Gedenken, polnischer Sejm, Außenministerium Israels, Vereinigung der jüdischen Gemeinden Polens, Lesław Piszewski, Jedwabny, Deutschland, Israel, Polen