08:54 25 April 2018
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    Britische „Anti-Fake-Behörde“: Im Kalten Krieg mehr Schaden als Nutzen - Independent

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    Die neue britische Behörde für nationale Sicherheit in der Kommunikationssphäre zur Bekämpfung von so genannten Fake-News aus Russland stellt laut der Zeitung „The Independent“ nichts Neues dar. Eine ähnliche Behörde habe seinerzeit mit Propaganda und Unterstützung von Nichtregierungsorganisationen (NGO) die „sowjetische Lüge“ bekämpft.

    Wie der Journalist Dan Lomas in seinem Artikel für die „The Independent“ schreibt, hat etwas Ähnliches wie die neue Behörde National Security Communications Unit in den Zeiten des Kalten Krieges mit „wechselndem Erfolg“ funktioniert.  Die neue Behörde solle sich damit befassen, die „Desinformation seitens der Staaten, aber ebenso anderer Subjekte“ zu bekämpfen.

    „Wir leben in einer Epoche der Fake-News und konkurrierender Versionen in der Beleuchtung von Ereignissen. Die Regierung reagiert darauf mit einer intensiveren und besseren Nutzung der nationalen Kommunikationen in der Sicherheitssphäre zur Bekämpfung dieser miteinander verbundenen, komplizierten Bedrohungen“, erklärte die Premierministerin Theresa May.

    Ihr zufolge beschäftige sich gegenwärtig der Parlamentsausschuss für digitale Technologien, Medien, Kultur und Sport über soziale Netzwerke und andere Kanäle mit einer Untersuchung von Fake-News. Das erfolge vor dem Hintergrund der Beschuldigungen, dass Russland „Hunderte Fake-Sites“ auf Twitter für Publikationen über Brexit genutzt haben soll, heißt es im Artikel.

    Während des Kalten Krieges, im Jahr 1948, sei beim britischen Außenministerium ein Information Research Department (IRD) gebildet worden, erinnert der Autor, um der „sowjetischen Propaganda“ zu widerstehen. Diese geheime Behörde habe zu diesem Zweck mit Politikern, Journalisten und ausländischen Regierungen mittels Propaganda und vertraulichen Beratungen zu „kommunistischen Themen“ gearbeitet.

    Als Beispiel nennt der Autor Berichte über den sowjetischen GULAG und die Verbreitung von antikommunistischer Literatur. Zudem sei in großem Umfang für das Schaffen von George Orwell geworben worden. In den 1950er Jahren habe sich die Behörde sogar in die britische Innenpolitik eingemischt und versucht, gegen den Kommunismus in der Industrie anzukämpfen. Auch habe sie eine wichtige Rolle beim Sturz des indonesischen Präsidenten Sukarno in den 1960er Jahren gespielt, ebenso bei der Unterstützung westlicher NGOs.

    Wie der britische Journalist ferner schreibt, habe im Jahr 1996 der IRD-Mitarbeiter Norman Reddaway von „langfristigen Kampagnen“ erzählt, darunter von Fernseh-Englischkursen („English by TV“), die in den Ländern am Persischen Golf, im Sudan, in Äthiopien und China ausgestrahlt wurden, sowie von BBC-Sendungen wie „Follow Me“ und „Follow Me to Science“, deren Auditorium z. B. in China 100 Millionen Menschen erreicht habe. Die Behörde sei Reddaway zufolge ebenso in solche „umstrittenen“ Kampagnen involviert gewesen, wie es die Verbreitung anti-irischer Propaganda während des Konflikts in Nordirland gewesen sei. Sie habe auch die Kontrolle Großbritanniens über Gibraltar und den Kampf gegen die Bewegung „Black Power“ in der Karibik unterstützt.

    Letztendlich sei das Information Research Department wegen der Opposition im Außenministerium aufgelöst worden, fährt der Journalist fort, räumt dabei aber ein, dass die Geschichte des IRB für künftige Erörterungen der Strategie im Kampf gegen Fake-News wichtig sei. In vielen Fällen habe die Arbeit dieser Behörde die antisowjetischen Ansichten mancher Leute verstärken und auch die öffentliche Meinung beeinflussen können. Im Jahr 1976 habe das Außenministerium aber zugeben müssen, dass die Tätigkeit des IRD „mehr Schaden als Nutzen bei der Stärkung unserer Opposition“ gebracht habe und „sehr teuer“ gewesen sei, wobei die „Effektivität praktisch unmöglich eingeschätzt werden konnte“.

    Die schnelle Expansion der Tätigkeit dieser Behörde habe gezeigt, so der britische Journalist weiter, wie schwierig es sei, Informationskampagnen zu steuern. Das, was zur Bekämpfung von „Fake-News“ organisiert worden sei, könne schnell außer Kontrolle geraten, besonders angesichts des breiter werdenden Gegenüberstehens im Cyberraum. Die Errechnung der Geldmittel in der britischen Regierung könne scheitern — wegen der umfangreichen Ressourcen, über die Russland verfüge. „Die Tätigkeit des Information Research Departments hat gezeigt, dass die informationelle Arbeit keine schnelle Sache ist. Die britischen Behörden können vieles erfahren, indem sie die Vergangenheit studieren“, schließt der Autor des Artikels in „The Independent“.

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    Tags:
    Behörden, Fake-News, Kalter Krieg, Theresa May, UdSSR, Russland, Großbritannien
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