12:53 25 September 2018
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    Ukraine: Chefredakteur regierungskritischer Webseite beantragt Asyl in Österreich

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    Der Chefredakteur des ukrainischen regierungskritischen Nachrichtenportals Strana.ua Igor Guschwa hat sich nach Österreich abgesetzt und dort Asyl beantragt. Dies teilt das Portal in einem Schreiben an Präsident Petro Poroschenko mit.

    „Igor Guschwa ist nach Wien gefahren und hat bei den österreichischen Behörden gemäß dem üblichen Verfahren Asyl beantragt“, heißt es in dem Schreiben.

    Das Internetportal habe in den zwei Jahren seiner Arbeit ständig eine „erhöhte Aufmerksamkeit“ seitens des Präsidenten und der Sicherheitsdienste gespürt. Dies habe den Chefredakteur dazu gezwungen, das Land zu verlassen.

    Guschwa war im Juni vergangenen Jahres wegen Verdachts auf Erpressung festgenommen worden. Man warf ihm vor, Geld für die Nichtveröffentlichung kompromittierender Informationen über einen ukrainischen Politiker gefordert zu haben. Das Gericht erließ einen Haftbefehl gegen den Journalisten. Er wurde aber später gegen eine Kaution in Höhe von 544.000 Griwna (umgerechnet etwa 15.700 Euro) freigelassen. Guschwa weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet das Ganze als Provokation.

    Zuvor hatte sich die Redaktion von Strana.ua an die Botschafter der G7-Länder und an die EU-Vertretung in der Ukraine mit der Bitte gewandt, das Portal vor dem hohen Druck der ukrainischen Behörden zu schützen.

    Guschwa hat nach eigenen Angaben zudem jüngst Morddrohungen erhalten.

    „Ganz abgesehen von den ständigen Androhungen physischer Gewalt, die ich persönlich und die Journalisten unserer Redaktion erhalten“, so Guschwa in dem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben an seine Leser.

    Die Redaktion habe sich deswegen mehrmals an die ukrainischen Justizbehörden gewandt, doch es habe keine Reaktion von ihrer Seite gegeben. „Eine letzte Morddrohung habe ich gerade am vergangenen Wochenende erhalten.“

    Er verfüge außerdem über Informationen, wonach die ukrainischen Richter direkt angewiesen worden seien, ihn in allen Strafverfahren schuldig zu sprechen. „Darunter auch im völlig fingierten Erpressungsverfahren. Da gab es die Anweisung: sieben Jahre Gefängnis.“

    Auf dem ukrainischen Territorium könne er deshalb nicht mit einem gerechten Gerichtsverfahren rechnen.

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    Journalist, Asyl, Pressefreiheit, Strana.ua, Österreich, Ukraine