22:22 23 Oktober 2018
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    Treasury Building, Standort des US-Finanzministeriums in Washington‎ (Archivbild)

    Neue Anti-Russlands-Sanktionen: US-Finanzministerium warnt vor globalen Turbulenzen

    CC BY-SA 3.0 / Karen Nutini / Own work
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    Das Verhängen von Sanktionen gegen den Markt der russischen Staatsschulden ist laut dem US-Finanzministerium für die globale Wirtschaft und die Interessen der USA gefährlich und kann globale finanzielle Turbulenzen verursachen. Dies berichtete die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ unter Verweis auf einen Bericht, der dem US-Kongress vorgelegt wurde.

    In dem Bericht des US-Finanzministeriums, der auch der Nachrichtenagentur „Bloomberg" vorliegt, heißt es, dass die Ausweitung der Sanktionen auf neue russische Staatsschulden und Derivate die Märkte destabilisieren und negative Auswirkungen außerhalb Russlands verursachen könne, unter anderem auf die globalen Finanzmärkte und Unternehmen.

    Ein Verbot des Verkaufs russischer Staatsanleihen könnte sich negativ auf das russische Wirtschaftswachstum auswirken, die Belastung des Bankensektors erhöhen und Gegenmaßnahmen von Seiten Russlands hervorrufen, die den Interessen der USA widersprechen würden.

    Zudem könnte die Ausweitung der Sanktionen sich negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der großen US-Vermögensverwalter auswirken.

    Deshalb gebe das Finanzministerium zu verstehen, dass die Regierung Trump gegenüber der möglichen Einleitung von Einschränkungsmaßnahmen gegen russische Staatsanleihen skeptisch sei, so die Nachrichtenagentur.

    Laut Bloomberg hätten die Investoren die Erkenntnisse in dem Bericht in dem Sinne bewertet, dass die USA mögliche Einschränkungen des Marktes der Staatsanleihen vom Tisch gewischt hätten — trotz des Drucks des Kongresses, der zusätzliche Sanktionen gegen Russland wegen dessen angeblichen Einmischung in die US-Präsidentschaftswahlen 2016 fordere. Deshalb seien die russischen Vermögenswerte in dieser Woche „gestiegen".

    „Der Anleihenmarkt ist zu folgendem Schluss gekommen: Da Einschränkungen die amerikanischen und europäischen Investoren beeinträchtigen würden, werden die Sanktionen auch nicht eingesetzt", zitiert die Nachrichtenagentur den Chef der Abteilung für Anleihenhandel der „ Asian Pacific Bank" in Moskau, Maxim Tscherenow.

    In der vergangenen Woche hatte die internationale Rating-Agentur Moody's den Rating-Ausblick für Russland von „stabil" auf „positiv" geändert

    Entsprechend einem im August 2017 verabschiedeten Gesetz hatte der US-Kongress das Finanzministerium damit beauftragt, einen Bericht über die Auswirkungen möglicher Sanktionen auf die russische Staatsverschuldung zu verfassen. Am Montag wurde der Bericht dem Kongress vorgelegt, allerdings wurden seine Ergebnisse bislang nicht veröffentlicht.

    Der Bericht sei ein weiterer Fall, in dem die Administration Trump offenbar ihre Haltung gegenüber Russland dämpfe, schreibt die Nachrichtenagentur und verweist darauf, dass die US-Regierung sich geweigert habe, neue Sanktionen gegen die russische Rüstungsindustrie zu verhängen, und eine Liste von „Oligarchen" veröffentlicht habe, die „weniger durchdacht" sei, als erwartet.

    Laut der Nachrichtenagentur gehört mehr als ein Drittel der russischen Staatsanleihen, in Rubel sowie in ausländischer Währung, Investoren im Ausland. Die drei größten Inhaber von russischen Rubel-Staatsanleihen seien „Black Rock Inc.", „Stone Harbor Investment Partners" und „JPMorgan Chase & Co.", deren Gesamtinvestitionen 4,9 Milliarden US-Dollar ausmachen würden.

    Der Bericht zu möglichen Sanktionen gegen die russische Staatsverschuldung soll laut Gesetz zwar offen zugänglich sein, könne jedoch einen geheimen Anhang haben. Der Nachrichtenagentur „Bloomberg" liegt lediglich der nicht-geheime Teil des Berichts vor. Ein Sprecher des Finanzministeriums wollte nicht kommentieren, warum das Ministerium den Bericht nicht veröffentlicht hatte.

    Allerdings schließe das US-Finanzministerium Sanktionen gegen die russische Staatsverschuldung noch nicht aus, teilte der stellvertretende Finanzminister für internationale Angelegenheiten, David Malpass, der Agentur „Bloomberg" mit: Das Ministerium werde „alle Optionen in Betracht ziehen", schrieb er in seiner E-Mail-Antwort. Der Bericht sei eine Analyse möglicher Auswirkungen und keineswegs eine Road-Map. Das Ministerium „telegrafiere" seine zukünftigen Handlungen nicht.

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    Tags:
    Staatsanleihen, Sanktionen, US-Finanzministerium, Bloomberg, Russland, USA