11:15 19 Februar 2018
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    Präsident der Türkei Recep Tayyip Erdogan während des G20-Gipfels in Hamburg (Archivbild)

    Türkei wird auf eigene Raketenabwehrsysteme setzen – Erdogan

    © REUTERS/ Wolfgang Rattay
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    Die Türkei ist seit längerer Zeit um ihr Raketenabwehrpotential besorgt, nicht zuletzt weil weder Russland noch die USA ihre Raketenabwehrsysteme bedingungslos an Ankara liefern wollen. In einem Interview für die Zeitung „la Stampa“ hat nun der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Entwicklung eigener Raketenabwehrsysteme bestätigt.

    Laut dem türkischen Präsidenten plant die Türkei die Entwicklung und die Produktion eigener Raketen- und Luftabwehrsysteme, um sie nicht im Ausland kaufen zu müssen.

    Die Türkei lege viel Wert auf den Erhalt der entsprechenden Technologien und habe hierzu beispielsweise auch mit Russland Verhandlungen geführt, als der S-400-Deal mit Moskau ausgehandelt worden sei.

    „Neben dem Kauf der S-400 setzen wir auch auf die Herstellung von (eigenen) Raketenabwehrsystemen. Genau damit hängt auch die kürzlich getroffene Vereinbarung zwischen den türkischen Unternehmen Aselsan und Roketsan und dem europäischen Verteidigungskonzern Eurosam zusammen“, erklärte der türkische Staatschef.

    Im September 2017 hatten Moskau und Ankara eine Übereinkunft über die Lieferung russischer S-400-Raketensysteme an die Türkei erzielt.

    Wie das türkische Verteidigungsministerium damals mitteilte, sollten zwei Batterien der S-400 an die Türkei geliefert werden. Diese sollten von türkischem Personal bedient werden. Auch sei eine Kooperation im technologischen Bereich angepeilt worden, um türkische Entwicklungen in diesem Waffensegment zu unterstützen.

    Gleichzeitig lehnte Moskau ein Begehren aus Ankara ab, die elektronischen Kontrollcodes für die Systeme mitzuliefern.

    Man werde keine „Passwörter und Kontrollcodes“ übergeben. Damit werde die Türkei beispielsweise keinen Zugriff auf das russische Freund-Feind-Erkennungsradarsystem haben, mit dem jede S-400 ausgestattet sei, so die Antwort Moskaus damals.

    Außerdem stimmte Russland dem Vertrag nur unter der Bedingung zu, dass die Wartung der Systeme von russischen Spezialisten durchgeführt wird.

    Eine Batterie von S-400 (Archivbild)
    © Sputnik/ Sergej Malhawko
    Eine Batterie von S-400 (Archivbild)

    Anfang Januar unterschrieb die Türkei schließlich auch einen Vertrag mit dem französisch-italienischen Konzern Eurosam, um gemeinsame Entwicklungen eines Luftabwehrsystems vorzunehmen.

    Laut Erdogan war dies ein wichtiger Schritt der Türkei zur Herstellung eigener Raketenabwehrsysteme.

    Das russische S-400 gilt als eines der besten Raketen- und Luftabwehrsysteme der Welt.

    Es ist mit einer Reichweite von 400 Kilometern gegen alle Typen von fliegenden Objekten wirksam und kann gegen Flugzeuge aller Generationen, Drohnen, Marschflugkörper und ballistische Raketen eingesetzt werden.

    Selbst die Stealth-Tarnkappentechnologie garantiert keine Sicherheit gegenüber den S-400-Abfangraketen.

    /NG/GS

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    Passwörter und Kontrollcodes, Raketenabwehrsysteme, Raketenabwehrpotential, Technologien, Kampfjets, Waffenexporte, ballistische Rakete, Marschflugkörper, Stealth, Kooperation, Raketenabwehr, Luftabwehrkräfte, Flugabwehrraketensystem Patriot, S-400, Aselsan, Das türkische Verteidigungsministerium, Konsortium Eurosam, La Stampa, Roketsan, NATO, Recep Tayyip Erdogan, Ankara, Türkei, Italien, USA, Frankreich, Washington, Moskau, Russland
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