18:54 05 April 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    Von
    51143
    Abonnieren

    Im Jemen-Krieg scheint ein alter Konflikt neu zu entfachen. Separatisten kämpfen im Jemen für einen unabhängigen Staat im Süden. Die Vereinigten Arabischen Emirate stellen sich auf ihre Seite. Der Jemen ist damit „nächster Kandidat für einen Failed State", sagt der Nahost-Experte Fritz Edlinger und spricht von der Gefahr einer neuen Erdölkrise.

    Die Wiedervereinigung Süd- und Nordjemens liegt fast 28 Jahre zurück. Doch nun droht der Staat wieder auseinanderzubrechen. Separatisten des „Southern Transitional Council“ (STC, deutsch: „Südlicher Übergangsrat“) haben sich heftige Kämpfe mit den Truppen von Präsident Abd Rabbuh Mansur Hadi geliefert, der als Verbündeter Saudi-Arabiens gilt.

    Der Südliche Übergangsrat wurde von den Separatisten geschaffen und wird „ganz offensichtlich auch von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützt und finanziert“, erklärt der Nahostexperte Fritz Edlinger im Sputnik-Interview. Der Generalsekretär der Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen (GÖAB) hält die jüngsten Entwicklungen für alarmierend, „da sie eine zusätzliche Frontlinie im nunmehr bereits drei Jahre andauernden Krieg eröffnen und zudem auch Bruchlinien innerhalb der von Saudi-Arabien geführten Kriegsallianz offenbaren.“

    Eine Spaltung der saudischen Militärallianz?

    Während Saudi-Arabien ganz offensichtlich nach wie vor Präsident Hadi unterstützte, würden die Vereinigten Arabischen Emirate mehr und mehr auf die Karte der südjemenitischen Sezessionisten setzen, betont Edlinger: „Im Unterschied zu Saudi-Arabien, dessen primäre Interessen im Norden des Jemen liegen, dürften die VAE ganz offensichtlich ein neues Kriegsziel haben, nämlich die Kontrolle über Aden, den Süd-Jemen, die Meerenge von Bab al-Mandeb und damit den Eingang zum Roten Meer.“ Hier werde ganz offensichtlich, dass die Emirate eine Politik verfolgen, mit der sie einen Teil des Süd-Jemens „einkassieren wollen“, unterstreicht der Experte.

    Eine politische Lösung des Konflikts würden die Ziele der amerikanischen Administration im Nahen Osten verhindern, macht Edlinger deutlich. Diese Ziele seien der „Schutz Israels“ und die „Unterstützung der saudi-geführten Eindämmung des Iran“. Edlinger sehe inzwischen kaum noch eine politische Lösung, die die Einheit des Jemen aufrechterhalten könne. „Wir haben ein Mosaik von ähnlich gelagerten Dingen, wo wir in Wirklichkeit relativ einfach erläutern können, wie es dorthin gekommen ist. Aber der Rückweg ist sehr schwierig, weil sich natürlich auch die internationale Lage dramatisch verändert hat“, so Edlinger. Die Metastasen der Failed States seien unterwegs, warnt er.

    Droht eine Erdölkrise in Europa?

    Eine Eskalation der Konflikte zwischen den Separatisten und der Hadi-Regierung könne zu einem Kriegszustand der wichtigsten Erdöl- und Gasförderländer Saudi-Arabien und VAE führen. Dieser Zustand würde eine enorme Erdölkrise für Europa bedeuten, bestätigt Edlinger. Eine Revolution im Iran würde die Krise noch verschlimmern. „Das ist ein Szenario, das ich mir gar nicht vorstellen möchte“, sagt der GAÖB-Generalsekretär.

    Deutschland bezeichnet der Experte als einen der Hauptschuldigen an der humanitären Katastrophe im Jemen. „Die Waffen, die dort eingesetzt werden, werden nicht nur von den USA, sondern auch von den europäischen Großmächten geliefert. Wissend, dass sie an Kriegsparteien liefern“, sagt Edlinger. Auch die fehlende Dialogbereitschaft der UNO mit den Huthi-Rebellen sei der falsche Weg, so der Generalsekretär. „Die nach wie vor gängige UNO-Resolution setzt voraus, dass die Huthi nachgeben, sich zurückziehen und die Hadi-Regierung anerkennen werden.“ Aber das seien eigentlich die Kriegsziele von Saudi-Arabien, kritisiert Edlinger.

    Separatismus und Elend in Jemen

    Eine Frist der Separatisten für die Umbildung der Regierung, die sie als korrupt und inkompetent bezeichnen, war am Sonntag vor einer Woche ausgelaufen. Teile Adens und Regierungsgebäude wurden durch die STC-Truppen erobert, und der Präsidentenpalast, in dem die Regierung des Landes sitzt, wurde belagert. Durch die Vermittlung der saudisch geführten Militärkoalition haben sich die Separatisten vorerst wieder zurückgezogen. Das Ziel der Separatisten sei es, den Süd-Jemen, der schon von 1967 bis 1990 unabhängig war, wieder vom Norden abzuspalten.

    Als „schlimmste humanitäre Katastrophe der Gegenwart“, bezeichneten die Vereinten Nationen den Zustand im Jemen. Knapp drei Jahre nach der Eskalation des Konflikts, bei dem ein von Saudi-Arabien geführtes Bündnis die jemenitischen Regierungstruppen mit Luftangriffen unterstützt, sind die Bedingungen vor allem für die Zivilbevölkerung verheerend.

    Das komplette Interview mit Fritz Edlinger (GÖAB) zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Huthi-Angriff in Jemen: Sputnik-Korrespondent und 40 andere Geiseln freigelassen
    Huthi-Angriff im Jemen: Vier als Geisel genommene Journalisten sind tot
    Jemen als Schauplatz der Konfrontation – Russland zieht Diplomaten zurück
    Tags:
    Krise, Erdöl, Folgen, Krieg, Huthi-Rebellen, Fritz Edlinger, Donald Trump, Naher Osten, USA, Saudi-Arabien, Jemen