08:53 25 April 2018
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    NATO-Soldaten nehmen Selfie mit Frauen auf, Litauen (Archiv)

    Russische Honigfallen: Die süßeste Versuchung für Nato-Soldaten

    © AP Photo / Mindaugas Kulbis
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    Wenn du aussiehst wie eine Niete, aber ein Topmodel sich an dich ranschmeißt, dann muss an der Sache was faul sein. Diesen Spruch hören dänische Soldaten jetzt öfter, wenn sie nach Estland kommen, um das dortige Nato-Kontingent zu verstärken. Der Korrespondent Konstantin Sewastjanow berichtet für Sputniknews.

    Sie lauern überall, diese russischen Spione. In ganz Estland, Lettland und Litauen sind sie unterwegs, den Nato-Geheimnissen hinterher. Manche geben sich als Studenten aus, andere als Bahnmitarbeiter – die gefährlichsten aber sind die unwiderstehlichsten, schönsten, süßesten …

    Man nennt sie Honigfallen: atemberaubende Frauen, die die Nato-Soldaten im Auftrag des russischen Geheimdienstes betören, um ihnen Geheimnisse zu entlocken. „Bewahrt einen klaren Kopf, Männer“, warnen deshalb die Nato-Kommandeure ihre Jungs bei der Ankunft in Estland.

    Dort werden jetzt turnusmäßig 200 dänische Soldaten stationiert – ein gefundenes Fressen für die russischen Schönheiten mit dem heißen Draht nach Moskau. Der dänische Verteidigungsminister Claus Hjort Frederiksen persönlich sagt laut dem Korrespondenten: „Solche Sorgen sind nicht unbegründet.“

    Als wäre das nicht genug, warten die russischen Agenten auch in den Bars und Kneipen von Tallinn und Tartus, sagte laut Sewastjanow auch der Chef der estnischen Spionageabwehr, Mikk Marran.

    Er weiß: Da sind auch männliche Spione dabei. Sie sollen die Nato-Soldaten provozieren, sie zu Schlägereien anstacheln und so in den Augen der einheimischen Bevölkerung diskreditieren, sagte Marran letztes Jahr im Interview mit britischen Medien.

    Aber eigentlich haben die Nato-Soldaten doch nichts zu befürchten: „Man hat uns bestens eingewiesen. Wir sind sehr gut vorbereitet und wissen, was uns erwartet. Diese Honigfallen, davor hat man uns auch gewarnt. Es ist uns erlaubt, mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen. Aber wir haben Normen, an die wir uns halten müssen“, sagte ein dänischer Unteroffizier, der seinen Namen aus naheliegenden Gründen nicht nennen möchte, dem Korrespondenten.

    Derweil geht die Jagd nach russischen Spionen im Baltikum weiter. Erst im November letzten Jahres ist der russische IT-Student Alexej Wassiljew in Estland verhaftet worden. Er soll „vom FSB“ Anweisungen bekommen haben, „was er in Estland tun und welche Objekte er erkunden soll“, teilte die Polizei mit. Der junge Mann hat angeblich sein Studium dafür nutzen sollen, Schwachstellen in der Informationstechnologie estnischer Behörden aufzuspüren.

    Nato-Technik, die auf Bahnwaggons transportiert wird, Litauen (Archiv)
    © AP Photo / Mindaugas Kulbis
    Nato-Technik, die auf Bahnwaggons transportiert wird, Litauen (Archiv)

    Und in Lettland ist vor rund eineinhalb Jahren ein Ermittlungsverfahren gegen den Bahnmitarbeiter Alexander Krasnoperow eröffnet worden. Ihm wird vorgeworfen, Nato-Technik, die auf Bahnwaggons transportiert wurde, fotografiert und die Bilder nach Russland verschickt zu haben.

    Sein Anwalt: „In dieser Sache gibt es viele offene Fragen. Ist denn die Technik, die die Nato auf Bahnwagen transportiert, eine Geheimsache? Ich denke nicht, denn die Nato selbst gibt das regelmäßig in Presseerklärungen bekannt. Oder haben wir es hier mit Waffen zu tun, von denen die Öffentlichkeit nichts weiß? Flugabwehrsysteme zum Beispiel.“

    Auch in Litauen wurden „russische Agenten“ verhaftet: ganze drei. Sie sollen Fotos militärischer Objekte nach Russland gesendet haben. Paradox, aber wahr: Der Chef des litauischen Nachrichtendienstes, Remigius Baltrenas, sagte laut dem Korrespondenten, die Verhafteten hätten keinerlei geheime Informationen übermittelt. Aber „die Gefahr der Spionage und die Bedrohung für die Sicherheit des Staates“ werde dadurch nicht kleiner.

    *Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Provokationen, Soldaten, Frauen, Spione, Geheimnisse, NATO, Estland, Litauen, Baltikum, Russland
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