02:45 23 Oktober 2018
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    Trauer und Gedenken an Oberstleutnant Oleg Peschkow, einer der beiden Piloten des russischen Su-24 Bombers: Blumen am Denkmal für Piloten im russischen Lipezk, wo Peschkow seinen Militärdienst  verrichtete.

    „Helden Russlands“ posthum – Wie fünf russische Offiziere für Syrien starben

    © Sputnik / Yuri Sorokin
    Politik
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    Russischer Su-25-Kampfjet in Idlib abgeschossen (17)
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    Am 8. Februar gab Russland dem Piloten der über Syrien abgeschossenen Su-25 die letzten Ehren. Er wurde insgesamt zum 41. gefallenen russischen Soldaten in diesem Krieg und zum Fünften, dem posthum der höchste russische Orden verliehen wurde. Das russische Online-Portal „Gazeta.ru“ hat die Geschichten der „Helden Russlands“ erzählt.


    Roman Filipow

    Major Roman Filipow, der fünfte russische Offizier, der für seinen Kampf gegen den Terror in Syrien posthum zum Helden Russlands geehrt wurde
    © Sputnik / Ewgenij Epantschizew
    Major Roman Filipow, der fünfte russische Offizier, der für seinen Kampf gegen den Terror in Syrien posthum zum "Helden Russlands" geehrt wurde

    Am 3. Februar 2018 wurde über der nordsyrischen Provinz Idlib bei einem Routinepatrouillenflug ein russischer Su-25-Kampfjet abgeschossen. Das Flugzeug wurde von einer Boden-Luft-Rakete aus einem tragbaren Flugabwehrraketensystem unbekannter Herkunft getroffen – abgeschossen von Terroristen der Terrorgruppe Dschabhat an-Nusra.

    Der Pilot des Flugzeugs, Major Roman Filipow, versuchte bis zuletzt, die Maschine zu stabilisieren. Nachdem jedoch beide Triebwerke ausgefallen waren, musste er den Schleudersitz betätigen.

    Der Pilot konnte mit seinem Fallschirm sicher landen, wurde jedoch am Boden von Terroristen umzingelt und nahm seinen letzten Kampf auf.

    Mit einer Stetschkin-Pistole und einer Handgranate bewaffnet, kämpfte Filipow bis zum Schluss.

    Nachdem er schließlich schwerverletzt von Terroristen umzingelt wurde, rief er: „Das ist für die Jungs!“ und zündete die Handgranate am Körper, um noch möglichst viele Dschihadisten „mitzunehmen“.

    Auf Fotos der Dienstwaffe von Filipow, die später veröffentlicht wurden, ist eindeutig zu sehen, dass der Pilot bei seinem letzten Kampf ein komplettes Magazin und zwei weitere zur Hälfte verschießen konnte. Ein „Stetschkin“-Magazin hat 20 Patronen – 40 Kugeln hatte Filipow somit für die Terroristen noch vor seinem Tod „parat“.

    Fotos der Dienstwaffe von Oberst Roman Filipow:

    ​Verschiedenen Berichten zu Folge hat der Pilot am Boden so noch mindesten zwei Islamisten töten können.

    Kurz nach dem letzten Gefecht von Filipow flog die russische Luftwaffe schwere Vergeltungsangriffe in dem Gebiet und konnte mindestens 30 Terroristen, die für den Abschuss verantwortlich waren, töten.

    Am 8. Februar wurde Roman Filipow schließlich mit allen militärischen Ehren in der russischen Stadt Woronesh beigesetzt. Der Pilot erhielt posthum den höchsten Ehrentitel des Landes: „Held der Russischen Föderation“.

    „Major Filipov hat seine militärische Pflicht ehrenvoll erfüllt, ist dem Eid treu geblieben, hat sich dem Kampf gegen den Feind geopfert und sich damit in die erste Reihe der Verteidiger des Vaterlandes gestellt", sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Nikolai Pankow bei der Bestattungszeremonie.


    Rjafagat Habibullin

    Ein Kampfhubschrauber der russischen Streitkräfte, der nach dem Helden Russlands Rjafagat Habibullin benannt wurde. Der Name des Helden steht groß auf dem Mi-8MTS
    Ein Kampfhubschrauber der russischen Streitkräfte, der nach dem "Helden Russlands" Rjafagat Habibullin benannt wurde. Der Name des Helden steht groß auf dem Mi-8MTS

    Am 8. Juli 2016 starben der 51-jährige Oberst Rjafagat Habibullin und der 24-jährige Leutnant Jewgeni Dolgin in dem Gebiet rund um die syrische Stadt Palmyra. Die beiden Kampfhubschrauber-Piloten absolvierten eigentlich einen Testflug eines syrischen Kampfhubschraubers Mi-25 als ein größerer Terrorverband die Stellungen der syrischen Armee in der Nähe von Palmyra angriff und diese zu überrennen drohte.

    Die syrischen Verbände hatten keine Reserven parat, die den Angriff hätten stoppen können – die Dschihadisten standen kurz vor der Eroberung strategischer Höhen.

    Oberst Habibullin, der Kommandeur des Kampfhubschraubers, entschied sich, den Terrorverband ohne Unterstützung weiterer verbündeter Kräfte anzugreifen. Durch den entschiedenen Einsatz konnten die beiden russischen Piloten den Vorstoß der Terroristen stoppen.

    Nachdem die Mi-25 ihre komplette Munition jedoch verschossen hatte, konnten die Dschihadisten den Kampfhubschrauber abschießen. Bei der Bruchlandung starben beide Piloten.

    Oberst Habibullin wurde posthum mit dem Orden „Held Russlands“ geehrt. Leutnant Dolgin bekam ebenfalls posthum den „Orden für Tapferkeit“ verliehen.

    Wie Dienstkameraden von Habibullin später erzählten, war er einer der erfahrensten Kampfpiloten Russlands: Er nahm an verschiedenen Konflikten teil, darunter am Krieg in Tschetschenien und am Krieg in Georgien im Jahr 2008. Als Ausbilder hat er dutzende russische Kampfpiloten ausgebildet, die auch jetzt noch ihren Dienst leisten.

     

    Marat Achmetschin

    Russische Flagge über Palmyra - trotz Opfer vom IS befreit
    © Foto : Press service of the Russian Defense Ministry
    Russische Flagge über Palmyra - trotz Opfer vom IS befreit

    Im Juni 2016 fiel in der syrischen Stadt Palmyra der russische Artillerieoffizier Marat Achmetschin.

    Die genauen Umstände des Todes von Achmetschin sind bislang nicht komplett veröffentlicht – es ist bekannt, dass er alleine den Kampf gegen einen IS-Großverband aufnehmen musste.

    Wie die „Rossijskaja Gazeta“ berichtete, musste Achmetschin aus ungeklärten Gründen alleine den Angriff von nahezu 200 Terroristen abwehren, die unter anderem mit Kampf- und Schützenpanzern vordrangen.

    Wie das Blatt schrieb, hatte der russische Offizier dabei nur sein Sturmgewehr, Granaten und drei Panzerbrechende Geschütze zur Verfügung. Es war ein ungleicher Kampf – doch Achmetschin konnte seine Position verteidigen.

    Als verbündete syrische Kämpfer das Schlachtfeld endlich erreichten, war der Angriff der 200 Terroristen abgewehrt, mehrere feindliche Fahrzeuge waren zerstört und die Dschihadisten hatten sich zurückgezogen. Die syrischen Soldaten fanden Achmetschin auf seiner Position vor – schwerverletzt aber unbesiegt. Den Meldungen zu Folge hatte der russische Offizier drei tödliche Verletzungen erlitten, sodass die Ärzte sein Leben nicht mehr haben retten können.

    Für seine Tapferkeit und den bedingungslosen Kampf bei der Erfüllung seiner Dienstpflicht wurde Achmetschin posthum der Ehrentitel „Held Russlands“ verliehen.

     

    Alexander Prochorenko

    Soldaten des russischen Ehrenbataillons bei der Bestattung vom Helden Russlands, Alexander Prochorenko
    © Sputnik / Nikolaj Chizhnjak
    Soldaten des russischen Ehrenbataillons bei der Bestattung vom "Helden Russlands", Alexander Prochorenko

    Im März 2016 fiel der Offizier einer Spezialeinheit Alexander Prochorenko bei Kämpfen um die Stadt Palmyra.

    Prochorenko agierte verdeckt zwischen den Stellungen der IS-Terroristen und übermittelte wochenlang punktgenaue Koordinaten der Dschihadisten an die russische Luftwaffe.

    Bei einem seiner Einsätze wurde er von IS-Terroristen entdeckt und umzingelt. Um nicht gefangengenommen zu werden und noch sein letztes „Wort“ den Terroristen zu übermitteln, forderte er bei seinem letzten Funkspruch einen schweren Luftschlag auf seine eigene Position an.

    Der heldenhafte Tod von Prochorenko rief in Russland sowie in der gesamten Welt breite Aufmerksamkeit hervor. Zahlreiche westliche Medien schrieben über den russischen Offizier, der bis zuletzt gekämpft und sich geweigert hatte, seine Gefangennahme hinzunehmen.

    Prochorenko wurde vom russischen Präsidenten Wladimir Putin posthum mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, darunter mit dem Orden „Held Russlands“.

    In Italien wurde für den russischen Offizier ein Helden-Denkmal eingeweiht.

     

    Oleg Peschkow

    Beerdigung des russischen Piloten Oleg Peschkow
    © Sputnik / Uljana Solowjewa
    Beerdigung des russischen Piloten Oleg Peschkow

    Am 24. November 2015 wurde ein russischer Bomber vom Typ Su-24M über der syrischen Provinz Latakia von einem türkischen F-16-Jet abgeschossen. Laut Ankara hatte der russische Bomber für wenige Sekunden den türkischen Luftraum verletzt, Moskau dementierte dies konsequent: Zu keinem Zeitpunkt habe sich die Su-24M im türkischen Luftraum befunden.

    Beide Piloten des russischen Kampfjets konnten sich zunächst mit dem Schleudersitz retten. Der Co-Pilot Konstantin Murachtin landete sicher auf der Erde und entkam fast einen Tag lang den terroristischen Verbänden, die nach ihm suchten.

    Am Ende wurde er von einer syrischen Spezialeinheit gerettet und auf die russische Basis Hmeimim gebracht.

    Peschkow, der Kommandeur der abgeschossenen Su-24M, wurde dagegen von Terroristen vom Boden aus erschossen, während er sich mit seinem Fallschirm langsam der Erde näherte.

    Am 25. November 2015 wurde Peschkow posthum mit dem Titel „Held Russlands“ geehrt.

    Der IS ist geschlagen – Der Kampf gegen den Terror geht weiter

    Der russische Militäreinsatz in Syrien hat die entscheidende Wende in dem Konflikt gebracht. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ konnte auf dem Territorium Syriens zerschlagen werden, die syrische Regierung und die syrische Staatlichkeit wurden vor einem Kollaps gerettet.

    Dennoch geht der Kampf gegen den Terror weiter. Gerade in der Deeskalationszone „Idlib“, wo der Kampfjet von Roman Filipow abgeschossen wurde, sind noch zahlreiche terroristische Gruppierungen aktiv, gegen die syrische Spezialkräfte mit Unterstützung durch die russische Luftwaffe und russische Spezialisten vorgehen.

    Gleichzeitig bemüht sich Russland um eine dauerhafte politische Lösung des Konfliktes, um kompromissbereite Gruppen zu einem Dialog zu bringen und eine Friedenslösung für Syrien zu erreichen.

    /NG/GS

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    Gefallen, Russische Soldaten, Held der Russischen Föderation, Boden-Luft-Rakete, Held Russland, Deeskalationszonen, Schützenpanzer, Handgranate, Luftschlag, Fallschirm, Kampfhubschrauber, Piloten, Terroristen, Dschihadisten, IS-Terroristen, Mi-25, Su-24M, Su-25, Dschabhat an-Nusra, Russische Luftwaffe, IS, Marat Achmetschin, Leutnant Jewgeni Dolgin, Rjafagat Habibullin, stellvertretender Verteidigungsminister Nikolai Pankow, Major Roman Filipow, Alexander Prochorenko, Oleg Peschkow, Woronesh, Hmeimim, Idlib, Ankara, Palmyra, Tschetschenien, Türkei, Georgien, Syrien, Russland