09:25 22 Oktober 2018
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    Michail Saakaschwili bei einer Protestaktion in Kiew, Dezember 2017

    Ukraine schiebt georgischen Ex-Präsidenten Saakaschwili gewaltsam nach Polen ab

    © Sputnik / Stringer
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    Der ukrainische Grenzschutz hat den früheren georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili, der am Montag in Kiew festgenommen wurde, nach eigenen Angaben nach Polen abgeschoben. Saakaschwili hatte in den letzten Monaten den ukrainischen Staatschef Poroschenko wegen Korruption kritisiert und ihm mit Amtsenthebung gedroht.

    Der Sprecher des Grenzschutzes, Oleg Slobodjan, teilte mit, dass  Saakaschwili am Montag in Kiew „unter Anwendung von Gewalt“ festgenommen worden sei. Die Abschiebung begründete er damit, dass sich Saakaschwili illegal in der Ukraine aufgehalten habe. Dem 50-Jährigen war im Juli die ukrainische Staatsbürgerschaft entzogen worden.

    Der polnische Grenzschutz teilte seinerseits mit, Saakaschwili sei auf einen ukrainischen Rücknahme-Antrag hin in Polen aufgenommen worden. Dem Antrag der ukrainischen Migrationsbehörde sei stattgegeben worden, weil Saakaschwili mit einer EU-Bürgerin verheiratet sei, hieß es.

    Der staatenlose Politiker hatte am 10. September widerrechtlich die polnisch-ukrainische Grenze überquert und war auf ukrainisches Territorium gelangt, nachdem seine Anhänger die Grenzsperre durchbrochen hatten.

    Der georgische Ex-Staatschef und frühere Gouverneur von Odessa Michail Saakaschwili war am Montagnachmittag aus einem Restaurant in Kiew von Unbekannten verschleppt worden. Der Verbleib des Politikers, der den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko als seinen Feind bezeichnet, war stundenlang nicht öffentlich bekannt. Seine Vertrauten sprachen von einer Entführung.

    Saakaschwili war von 2004 bis 2013 Staatspräsident Georgiens. Nach Ende seiner Amtszeit floh er wegen Vorwürfen des Amtsmissbrauchs und der Unterschlagung zuerst in die USA und dann in die Ukraine. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko gewährte Saakaschwili die ukrainische Staatsbürgerschaft und ernannte ihn 2015 zum Gouverneur der Schwarzmeerregion Odessa.

    Doch schon ein Jahr später trat Saakaschwili zurück und ging auf Konfrontationskurs zu Poroschenko, den er zu seinem Feind erklärte. Daraufhin wurde dem Politiker auch die ukrainische Staatsbürgerschaft entzogen. Sein Heimatland Georgien hatte Saakaschwli bereits 2015 ausgebürgert und ihn zur Fahndung ausgeschrieben.

    Im Januar verurteilte ein Gericht in Tiflis den Ex-Präsidenten in Abwesenheit zu drei Jahren Haft. Es befand den Politiker des Amtsmissbrauchs im Falle der Ermordung des Bankbeamten Sandro Girgwliani im Januar 2006 schuldig. 

    In der Ukraine ist Saakaschwili indes zum führenden Kopf der Protestbewegung geworden. Der ukrainische Geheimdienst SBU hatte im Dezember vergeblich versucht, Saakaschwili wegen Verdachts auf „Beihilfe für eine kriminelle Vereinigung“ festzunehmen. 

    Saakaschwili: Ukraine erreicht erst 2035 wieder das Niveau wie unter Janukowitsch>>

    Der 49-jährige Politiker floh zuerst auf das Dach seines Hauses. Dort drohte er Medienberichten zufolge damit, sich umzubringen. Die Polizisten zerrten Saakaschwili vom Dach und brachten ihn in ihren Gefangenenbus. Doch Hunderte Anhänger blockierten die Straße, zerstachen die Reifen des Busses und warfen die Windschutzscheibe ein (VIDEO>>). Nach rund drei Stunden zogen die Demonstranten den 49-Jährigen aus dem Fahrzeug heraus.

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    Tags:
    Michail Saakaschwili, Petro Poroschenko, Georgien, Ukraine