04:09 26 April 2018
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    Junge geht nach Schule (Archivbild)

    Folge der Migrationskrise? Drei Viertel Berliner Drittklässler unter „Regelstandard“

    © AP Photo / Michael Probst
    Politik
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    Die jüngsten Ergebnisse der Vergleichsarbeiten der Berliner Drittklässler (Vera 3) zeigen große Defizite bei Deutsch- und Mathematikkenntnissen. Das könnte darauf zurückzuführen sein, dass viele Flüchtlingskinder die Willkommensklassen verlassen haben und nun den Regelschulunterricht besuchen, schreibt „Der Tagesspiegel“.

    Obwohl die Berliner Bildungsbehörde die Ergebnisse geheim halten wollte, ist es dem SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck aus Neuköln gelungen, das Berliner Abgeordnetenhaus dazu zu bewegen, sie kommende Woche zu veröffentlichen. Dabei hat Langenbrinck mit einem aktuellen Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Auskunftsrechten von Abgeordneten argumentiert. Dem Tagesspiegel liegen die Ergebnisse bereits vor.     

    2017 waren etwa 24.000 Drittklässler in Deutsch und Mathematik geprüft worden. Knapp die Hälfte der Schüler schafft es nicht einmal, die Minimalanforderungen bei der Rechtschreibung zu erreichen, was der untersten aus fünf Kompetenzstufen entspricht. Ein weiteres Viertel erreicht nur den „Mindeststandard“. Drei Viertel der Schüler bleiben somit unter dem „Regelstandard “ der Kultusministerkonferenz (KMK), der bis zum Ende der vierjährigen Grundschulzeit festgelegt ist. In der Mathematik schafft mehr als ein Drittel der Schüler nicht die einfachsten Aufgaben zum Thema „Größen und Messen“, wobei es bei den nicht deutschsprachigen Kindern sogar die Hälfte ist. 

    Wie der Tagesspiegel berichtet, könnte die Tatsache, dass die Gesamtergebnisse eher schlechter als besser geworden sind, damit zusammenhängen, dass inzwischen viele Flüchtlingskinder die Willkommensklassen verlassen haben und in den Regelklassen beschult werden, wo sie an den Vergleichsarbeiten teilnehmen.  

    Laut dem Tagesspiegel haben die Kinder nichtdeutscher Herkunftssprachen schlechte Chancen, innerhalb des einen verbleibenden Jahres die KMK-Standards zu erreichen, weil ihnen die Basiskenntnisse fehlen. 

    Die Frage von Langenbrinck nach solchen Ergebnissen und ihren Ursachen beantwortend verweist der Bildungs-Staatssekretär der Berliner Senatsverwaltung Mark Rackles darauf, die Konzeption von Vera lasse keine Zeitreihen anlegen, an denen eine Entwicklung der Ergebnisse der Drittklässler ablesbar wäre.                  

    Die anderen Bundesländer veröffentlichen die Ergebnisse der Vera-Studie nicht, weil die Vera-Ergebnisse nur für die schulinterne Analyse taugen würden.  In Berlin war zuvor die Veröffentlichung der Vera-Ergebnisse für Klasse 3 und 8 eingeführt worden, im Oktober 2017 wurde aber verkündet, dass auch Berlin nun keine Vera-Ergebnisse veröffentlichen werde. Deshalb sollten sie unter Verschluss bleiben, mit dem Karlsruher Urteil hatte es aber Langenbrinck schaffen können, dass der Senat die aktuelle Studie doch veröffentlicht hat.

    Wenn aber die KMK 2018 neue Vera-Richtlinien beschließen sollte, würden die Daten „gegebenenfalls perspektivisch in der bisherigen Form gar nicht mehr vorliegen“, hieß es aus der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.

     

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    Tags:
    Konzept, Studie, Jugend, Verwaltungsorgane, Kinder, Bildung, Ergebnisse, Mathematik, Deutsch, Schule, Migration, Senat, Tagesspiegel, SPD, Berlin, Deutschland