14:53 20 April 2018
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    Stadt Simferopol, Krim (Archiv)

    AfD-Politiker Roger Beckamp: „Die Krim ist kein besetztes Land“

    © Sputnik / Alexej Malgawko
    Politik
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    Armin Siebert
    1420210

    Die Privatreise von AfD-Parlamentariern auf die Krim sorgt für großen Wirbel. Kiews Botschafter in Deutschland Andrij Melnyk hat die Reise als „Verbrechen“ bezeichnet und den Abgeordneten mit acht Jahren Haft gedroht. Der AfD-Landtagsabgeordnete Roger Beckamp reagiert im Sputnik-Interview gelassen auf die Drohungen der Ukraine.

    Herr Beckamp, wie war Ihre Reise auf die Krim?

    Es war eine ganz besondere Reise – wie wir empfangen wurden, was wir erlebt haben, wen wir getroffen haben. Der Zweck des Ganzen war, die Russland-Sanktionen zu thematisieren. Dass das dann in der Presse vor Ort, aber auch hier in Deutschland, so hohe Wellen geschlagen hat, das haben wir nicht erwartet.

    Wen haben Sie auf der Krim getroffen?

    Wir haben unter anderem verschiedene Bürgermeister getroffen und den Ministerpräsidenten der Krim. Wir haben aber auch mit Leuten auf der Straße gesprochen, mit den Kellnern und sogar mit einem Sauna-Betreiber – also ganz verschiedene Leute. Es war eine sehr dichte, eine sehr intensive Woche.

    AfD-Delegation auf der Krim
    © Sputnik / Alexej Malgawko
    AfD-Delegation auf der Krim

    Wie war Ihr Eindruck, fühlen sich die Menschen auf der Krim unterdrückt und „zu Ihrem Glück gezwungen“, um es mal salopp auszudrücken?

    Unser Eindruck war, dass dies kein „besetztes“ Land ist. Es ist nicht so, dass die Menschen mit Angst umherlaufen und in einem Polizeistaat leben. Unser grundlegender Eindruck war, dass ganz viele Leute sehr froh sind, diese Wahl gehabt zu haben – und das ist ja das Besondere, dass sie selbst darüber abstimmen konnten und dass das so ausgegangen ist für Russland.

    AfD-Delegation auf der Krim
    © Foto : Roger Beckamp
    AfD-Delegation auf der Krim

    Allerdings ist den Krimbewohnern durch die internationalen Sanktionen das Leben schon erschwert worden. Haben Sie davon etwas gespürt?

    Das war stets und ständig Thema. Die Vorstellung, dass Sanktionen nur die Regierung eines Landes treffen würden, ist natürlich völlig fehlgeleitet. Diese Sanktionen treffen die Menschen vor Ort. Sie haben Probleme bei Bankgeschäften, sie können nicht so frei reisen, und Touristen können nicht so leicht zu ihnen kommen. Und es fehlt an bestimmten Produkten oder Ersatzteilen. Das sind also konkrete Probleme, die die Menschen vor Ort durch die Sanktionen haben.

    In Deutschland hat Ihre Reise für einigen Wirbel gesorgt. Der ukrainische Botschafter hat Ihre Fraktionskollegen in Nordrhein-Westfalen zu einer Nachhilfestunde zitiert. Haben Sie schon von Ihren Parteikollegen Feedback dazu bekommen?

    Ja, haben wir. Ich habe auch mitbekommen, was der ukrainische Botschafter in seinem deutschen Tweet geschrieben hat, wo er sich für das Verständnis der AfD-Fraktion bedankt und uns in die Ukraine einlädt. Und in dem ukrainischen Tweet zum selben Thema, dem Besuch bei unserer Fraktion in Düsseldorf, hat er wohl geschrieben, dass er unseren Leuten eine kalte Dusche verpasst und den Kopf zurechtgerückt habe.

    Meine Kollegen meinten dazu, dass der Botschafter da wohl auf einer anderen Veranstaltung war. Das stimmt schlichtweg nicht. Ich halte es auch für fragwürdig, wenn man das so unterschiedlich wiedergibt. Das war ein Gedankenaustausch und unsere Fraktion hat stets betont, dass sich die AfD-Mitglieder auf der Krim-Reise ein eigenes Bild machen und dies voll unterstützenswert sei.

    Die Ukraine bezeichnet Ihren Krim-Besuch als Verbrechen und droht Ihnen mit bis zu acht Jahren Haft. Was sagen Sie als Anwalt dazu?

    Darüber bin ich doch erstaunt – und doppelt froh, dass wir nicht über die Ukraine eingereist sind, was ja angeblich auch kein Problem wäre. Mit diesem völlig Unverhältnismäßigen und dieser Drastik schneiden sie sich ins eigene Fleisch. Wir haben nichts gegen die Ukraine oder die Ukrainer, aber wer so verbal auf die Pauke haut, der soll sich nicht wundern, wenn Gespräche schwierig werden.

    Was haben Sie noch für Feedback auf Ihre Krim-Reise aus Deutschland bekommen – nicht nur aus Ihrer Partei, sondern auch darüber hinaus? Was denken die Deutschen in Bezug auf die Krim?

    Ich denke, die meisten haben keine richtige Vorstellung von der Situation auf der Krim. In der Presse liest man ja nur, dass die Krim jetzt von Russland besetzt ist. Wir hoffen, dass durch die Reise von uns oder auch von anderen, die hoffentlich noch kommen werden, das Thema ausgewogener dargestellt wird. In unserer Partei hatten wir sehr viel Zuspruch. Es gab aber auch kritische Stimmen. Aber so oder so kann man nur jedem raten, selbst auf die Krim zu fahren.

    Besuch der deutschen Delegation auf die Krim
    © Sputnik / Alexej Malgawko
    Besuch der deutschen Delegation auf die Krim

    Wie sehen Sie die Zukunft der Krim?

    Wir hoffen, dass sich die Verhältnisse normalisieren und andere Leute, nicht nur Politiker, sondern auch Geschäftsleute auf die Krim fahren. Mitte April findet in Jalta ein Wirtschaftsforum statt. Und wir haben so viele verschiedene Stimmen gehört, was die Menschen dort an Produkten und Dienstleistungen brauchen. Da warten ganz viele auf Deutschland. So wäre es schön, wenn die Zukunft der Krim auch mit deutscher Hilfe zustande käme. So kann man nur allen Menschen sagen, wie schön die Krim ist und raten, sich selbst vor Ort ein Bild zu machen, ob als Tourist oder als Geschäftsmann. 

    Also sollten Deutsche dort auch mal Urlaub machen?

    Definitiv. Wir haben dort zwar jetzt eine wunderbare Woche verlebt, aber ich denke, ab Mai bis Oktober ist es noch viel schöner auf der Krim. Das ist ja eine Urlaubsregion schlechthin.

    Werden Sie noch einmal auf die Krim fahren oder sind Sie jetzt eingeschüchtert?

    Ich bin nicht eingeschüchtert. Im Gegenteil, ich fühle mich deutlich ermutigt, sehr bald, sehr gern wieder auf die Krim zu fahren und andere Leute dazu zu ermutigen, weil es sich wirklich lohnt.

    Reisen Sie dann beim nächsten Mal über die Ukraine ein?

    Wenn die Ukraine mich lässt und ihre Drohungen nicht wahrmacht, dann reise ich gern über die Ukraine ein. Hauptsache, ich komme auf der Krim an.

    Das komplette Interview mit Roger Beckamp zum Nachhören:

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    Tags:
    Eindruck, Menschen, Besuch, Sanktionen, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Krim, Deutschland, Russland, Ukraine
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