00:11 21 April 2018
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    RT-Studio in Moskau

    „Vorteile nicht vermittelt“: Warum Soros-Lobbyisten „Kreml-Medien“ verteufeln

    © Sputnik / Ilya Pitalyow
    Politik
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    Wieder ein Skandal wegen Schuldzuweisungen an Moskau, wieder in Großbritannien: Eine PR-Agentur wirft „RT“ und „Sputnik“ vor, das Wahlverhalten der Briten beim Brexit-Referendum beeinflusst zu haben. Britische Abgeordnete fordern unverzüglich Maßnahmen gegen Russlands angebliche Einmischung.

    Steckt Putin hinter dem Brexit? Eine Studie der britischen PR-Agentur „89up“ will genau das glauben machen. Mit „Putins Brexit? Der Einfluss der Kreml-Medien beim UK-EU-Referendum 2016“, betiteln die PR-Spezialisten ihre sogenannte Untersuchung.

    Darin heißt es: Die Tweets von „Sputnik“ und „RT“ mit einer „Anti-EU-Ausrichtung“ hätten im Zeitraum von Januar bis Juni 2016 ganze 134 Millionen Menschen erreicht. In einem halben Jahr hätten der Sender und die Medienplattform 261 Artikel veröffentlicht, die den Brexit befürwortet hätten.

    Die beiden offiziellen britischen Pro-Brexit-Kampagnen – „Vote Leave“ und „Leave.EU“ – hätten nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit bekommen, heißt es in der PR-Studie weiter. Deren Tweets hätten nur 33 respektive 11 Millionen User gesehen.

    „Die Propagandakanäle des Kremls haben drei Mal so großen Einfluss über Twitter erzielt als die beiden offiziellen Kampagnen für den EU-Austritt“, heißt es in einer Mitteilung des 89up-Direktors, Mike Harris.

    Dies sei eine „klare und absichtliche“ Einmischung einer „autoritären ausländischen Macht“ in die britische Demokratie, sagt der PR-Spezialist und fordert: Das Parlament müsse die Sache aufklären.

    Mehr noch: Laut Harris haben die russischen Medien angeblich falsche Meldungen verbreitet – etwa den Bericht darüber, dass die CIA an der Gründung Europas beteiligt gewesen sei.

    Der Sender „RT“ konterte darauf, dass die Quellen dieser Berichte größtenteils britische Medien selbst gewesen seien – beispielsweise die Zeitung „Daily Telegraph“, die den Austritt Großbritanniens aus der EU ausdrücklich befürwortete.

    Der britische Außenminister, Boris Johnson, hatte laut „RT“ im Dezember 2017 erklärt, er habe für Russlands erfolgreichen Einfluss auf das Brexit-Referendum „keinerlei Beweise“ gesehen. Und Twitter hat erst letzten Monat ein Schreiben an den Medien- und IT-Ausschuss des britischen Parlaments gerichtet, in dem es ebenfalls heißt, es gebe „keine überzeugenden Beweise“ für Russlands angeblichen Einflussversuch.

    „Die Vorwürfe an ‚Sputnik‘ und ‚RT‘ kommen immer wieder auf. Das ist eine inzwischen normale Situation, verursacht durch die Verteufelungspolitik, die gegen Russland gerichtet ist“, sagt die Politikexpertin Natalia Jeremina, Dozentin an der Sankt-Petersburger Staatsuniversität. Im Grunde gehe es dabei nicht um russische Medien: „Der Westen nutzt jede Gelegenheit, siehe die Olympischen Spiele“, so die Wissenschaftlerin laut dem Sender.

    Die wahre Ursache liege darin, dass Russland im Westen als ein Konkurrent wahrgenommen werde. „Die Einmischungsvorwürfe fügen sich ein in die westliche Verdrängungsstrategie. Russland soll von der Weltbühne verschwinden. Insofern ist die Veröffentlichung der PR-Agentur keine Überraschung. So etwas wird immer und immer wieder kommen.“

    Diese Ansicht bestätigt der Politologe Nikita Danjuk, Direktor des Instituts für Strategieforschung und Prognosen. Im Gespräch mit „RT“ sagte er: „Dieser Anti-Russland-Trend wird im Westen dafür benutzt, um die Gesellschaft zu konsolidieren und von inneren Problemen abzulenken.“

    Schön und gut. Aber wer oder was ist eigentlich diese PR-Agentur? Finanziert wurde „89up“, wie die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet, unter anderem von der NGO „Best for Britain“, die sich für den Verbleib Großbritanniens in der EU starkgemacht und ihrerseits im vergangenen Jahr 400.000 Pfund vom US-Milliardär George Soros erhalten hatte. Mike Harris, der Direktor von „89up“, unterstützte Soros wiederrum durch Beiträge in britischen Medien.

    Das sei schon ein „peinlicher Augenblick“, schreibt die russische Botschaft in London, wenn „eine vom ausländischen Oligarchen großzügig bezahlte PR-Firma“ sich wegen „angeblicher russischer Einmischung“ bei einer britischen Zeitung beschwert.

    Es ist in der Tat verblüffend. Die Nichtregierungsorganisation „Best for Britain“, vom US-Oligarchen Soros finanziert, wird nicht als Einmischung in die inneren Angelegenheiten Großbritanniens gewertet – obwohl sie offen Propaganda betrieb und die britischen Bürger dazu aufforderte, besser für den Verbleib Großbritanniens in der EU zu stimmen.

    „Aus meiner Sicht ist das Heuchelei“, sagt der Politologe Danjuk.

    Die Politikexpertin von der Sankt-Petersburger Staatsuniversität, Natalia Jeremina, bemerkt:

    „Es ist doch klar, dass Soros zu den transatlantischen Eliten gehört. Für sie ist er einer von ihnen. Die britischen Medien und Politiker erlauben sich eine sehr bequeme Position. Sie ignorieren einfach die Propaganda des Milliardärs und suchen stattdessen nach russischem Einfluss. So funktioniert das System.“

    Demonstranten verzögern Rede des Londoner Bürgermeisters Sadiq Khan
    © REUTERS / Simon Dawson
    Die Chef-Redakteurin von „RT“, Margarita Simonjan, sieht einen weiteren Grund für die Kampagne gegen russische Medien. Die britischen PR-Spezialisten hätten den Bürgern „die Vorteile vom Verbleib in der EU“ nicht hinreichend vermittelt. „Diesen Misserfolg schieben sie jetzt auf ‚Sputnik‘ und ‚RT‘. Sie können sich einfach nicht damit abfinden, dass ihre Mitbürger selbstständig denken und wählen können, wie es ihnen gefällt. Und dass sie etwas anderes lesen können als die Leitmedien“, so die Chef-Redakteurin.

    Der Bericht von „89up“ ist jedenfalls beim Medien- und IT-Ausschuss des britischen Parlaments eingegangen, wie „RT“ berichtet. Dessen Vorsitzender habe erklärt, er erwarte von Twitter, dass die Nutzer des Kurznachrichtendienstes informiert würden, Opfer russischer Propaganda geworden zu sein. Ähnliches hatte der Online-Dienst bereits in den USA tun müssen.

    Der Politologe Danjuk kommentierte dies wie folgt: „Dies könnte als Vorwand für weitere Sanktionen dienen, wie es in den USA bereits der Fall war.“ Auf den Austritt aus der EU werden die britischen Bürger aber sicherlich nicht verzichten. „Man wird höchstens – nur so zum Schein – eine weitere Untersuchung vornehmen, wegen angeblicher Einmischung von ‚RT‘ und ‚Sputnik‘ in die Brexit-Abstimmung. Die Ergebnisse des Referendums bleiben unangetastet“, ist die Politikexpertin Natalia Jeremina überzeugt.

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