02:59 22 Juli 2018
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    „Eurobarometer“: Mehr als die Hälfte der Deutschen zweifelt an EU-Kurs

    © AFP 2018 / ANDREI PUNGOVSCHI
    Politik
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    Alexander Boos
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    Viele EU-Bürger sehen die Europäische Union immer noch eher skeptisch. Das zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag von Brüssel. Das betont aber vor allem die Zustimmung, auch wenn mehr als die Hälfte der Deutschen Zweifel an der EU hat.

    „In Europa sind insgesamt über 47 Prozent der Befragten nicht überzeugt, dass Dinge in die richtige Richtung gehen.“ Das erklärte am Dienstag in Berlin Richard Kühnel, der Vertreter der EU-Kommission in Deutschland. Und er fügte hinzu: Auch 51 Prozent der Deutschen hätten diese Auffassung.

    Kühnel stellte das aktuelle „Eurobarometer“, eine offizielle Studie der Europäischen Union (EU) vor. Danach haben 45 Prozent der Deutschen und 40 Prozent aller EU-Bürger ein „positives bis sehr positives Bild“ von der EU. Trotz der aus EU-Sicht positiven Zahlen gebe es weiterhin immer noch große Gruppen, die der Brüsseler Institution kritisch gegenüberstehen, gestand der EU-Vertreter ein.

    Das „Eurobarometer“ ist eine in regelmäßigen Abständen erscheinende, öffentliche Meinungsumfrage in den Ländern der EU. Sie wird von der Europäischen Kommission in Auftrag gegeben.

    Richard Kühnel, Vertreter der EU-Kommission in Deutschland, stellte das neue „Eurobarometer“ in Berlin vor
    © Sputnik / Alexander Boos
    Richard Kühnel, Vertreter der EU-Kommission in Deutschland, stellte das neue „Eurobarometer“ in Berlin vor

    Für Kühnel ist klar: „Die politische EU-Führung darf sich nicht einfach zurücklehnen und auf den Lorbeeren einer überwundenen Krise ausruhen.“ Nach seinen Angaben bewerten 91 Prozent der Deutschen die wirtschaftliche Lage innerhalb der EU als gut oder sehr gut. EU-weit seien es nur 48 Prozent. Während 87 Prozent der Deutschen laut der Studie der Meinung sind, dass Flüchtlingen geholfen werden sollte, sehen 40 Prozent der Bundesbürger die Einwanderung als größtes Problem innerhalb der EU an.

    Der EU-Kommissionsvertreter bezeichnete auf Sputnik-Nachfrage die globale Sicherheitslage als „äußerst besorgniserregend“. Aber ein Kontinent leiste diesem Negativtrend Widerstand: „Und das ist Europa“, behauptete er. Außerdem warf Kühnel einen sicherheitspolitischen Blick voraus auf die Münchner Sicherheitskonferenz am kommenden Wochenende. „2018 ist und wird das Jahr der großen Entscheidungen über Europas Zukunft“, verkündete Kühnel.

    Er meinte, das Verhalten der Visegrád-Staaten sei derzeit eine direkte Herausforderung für die EU. „Zum Teil haben diese Länder in einigen Fragen unterschiedliche Auffassungen, was zukünftige Integrationsschritte in die EU betrifft. In anderen Bereichen aber nicht. Aber es gab jetzt die Zusage der meisten Visegrád-Staaten, den EU-Haushalt in Zukunft anzuheben.“ In anderen Fragen seien diese Staaten „untereinander auch nicht so geschlossen.“ Sie seien jedoch „ein wichtiger Teil Europas“.

    Kühnel bezeichnete das EU-Mitglied Polen als weitere Aufgabe für Brüssel. Gegen Warschau läuft derzeit ein EU-Verfahren. „Wir hoffen, dass hier die polnische Regierung einlenkt.“ Dennoch hätten die Menschen in den Visegrád-Staaten „oft ein sehr positives Europa-Bild.“ Laut der Studie würden etwa 66 Prozent der Polen die EU positiv sehen – „klar höher als der EU-Durchschnitt.“

    Die Radio-Reportage zum „Eurobarometer 2018“ zum Nachhören:

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    Tags:
    Studie, Angaben, Vertrauen, Kurs, Bevölkerung, EU, Polen, Deutschland
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