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    Mitarbeiter des afghanischen Nachrichtendienstes über der Kämpfer-Leiche (Archiv)

    „Geheimnisvolle Hand“ in Afghanistan: Terror und Drogenhandel nehmen seit 2001 zu

    © AFP 2018 / SHAH MARAI
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    Der iranische Generalstabschef Mohammad Baqeri verbindet die gestiegene Terroraktivität in Afghanistan mit der Verlegung von IS-Kämpfern durch die USA in dieses Land. Dies meldet die Nachrichtenagentur Tasnim am Mittwoch. Kabul dementiert diese Angaben. Experten sprechen von einer „geheimnisvollen“ Kraft, die die Terroristen stärkt.

    „Als die Amerikaner begriffen, dass die Terrormiliz Daesh (Islamischer Staat) und andere organisierte Terrorgruppierungen die zuvor eroberten Territorien im Irak und Syrien verloren, brachten sie sie auf verschiedenen Wegen nach Afghanistan“, zitiert die Agentur Baqeri. „Wir sind Zeugen von Explosionen, Terror und neuen Verbrechen in Afghanistan.“

    Doch der Pressesprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums Dawlat Waziri hat die Angaben über die angebliche Verlegung der IS-Kämpfer durch die USA nach Afghanistan in einem Gespräch mit Sputnik zurückgewiesen. „Die Amerikaner helfen uns, die IS-Terroristen und Terroristen von anderen Gruppierungen in Afghanistan zu vernichten“, sagte Waziri. 

    Dank den US-Luftstreitkräften seien vier IS-Anführer getötet worden. Die US-Präsenz in Afghanistan sei eine Notwendigkeit.

    „Sie erfüllen hier zwei Aufgaben: Erstens helfen sie bei der Ausbildung und mit Konsultationen in Fragen der Militärplanung. Und zweitens unterstützen die US-Truppen uns in der Luft sowie bei Bodeneinsätzen gegen den Terror“, so der afghanische Sprecher.

    Doch die Experten weisen auf gewisse „geheimnisvolle“ Kräfte hin, die in Afghanistan Geschäfte unter der Hand treiben und die einerseits Parolen zur Terror-Bekämpfung skandieren, andererseits die Terroristen unterstützen.

    Laut dem bekannten afghanischen Politologen und Publizisten Ahmad Wahid Mozhda glaubt man in Afghanistan an eine „geheimnisvolle Hand“, die die IS-Terroristen stärkt. Viele Parlamentsabgeordnete und einfache Bürger sagen ihm zufolge, dass die IS-Terroristen mit unbekannten Hubschraubern gebracht werden, wofür es auch zahlreiche Beweise gebe.

    Die USA haben Mozhda zufolge im Laufe von 17 Jahren Terrorbekämpfung in Afghanistan erhebliche materielle und menschliche Verluste getragen, konnten die Terroristen jedoch nicht besiegen. Die Zahl der Terrorgruppierungen im Land sei vielmehr gestiegen.

    „Man sollte nicht vergessen: Als die USA 2001 ihre Truppen nach Afghanistan schickten, war die Vernichtung von Al-Qaida ihr Hauptziel, die damals die einzige Terrorgruppierung im Land war.“ 17 Jahre später agieren in Afghanistan Mozhda zufolge mehr als 20 Terrorgruppierungen. „Wie konnte es passieren, dass die USA so viele Jahre gegen den Terror kämpften und diese Erscheinung nicht nur seltener geworden ist, sondern die Zahl der Terrorgruppierungen von einer auf 20 gestiegen ist?“, empört sich der afghanische Publizist.

    „Warum haben die USA eine Billionen Dollar für diesen Krieg ausgegeben, die internationale Koalition hat etwa 4000 Militärs verloren, und der Krieg ist immer noch nicht zu Ende?! Warum konnte dieses 150.000 Mann starke Kontingent der internationalen Koalition keine Sicherheit in Afghanistan gewähren?“

    Der Experte macht auch auf ein mehrfaches Wachstum der Drogenproduktion in Afghanistan seit 2001 aufmerksam. Der Drogenhandel unterstütze die Existenz der Terroristen. Dies hätten auch die USA zugegeben.

    „Im Laufe der vergangenen 17 Jahre gab es keinen ernsthaften Kampf gegen die Drogenproduktion und den Drogenhandel in Afghanistan, obwohl dieses ernsthafte Problem existiert. Demnach stellen sich einige Fragen zur Terrorbekämpfung, die in Afghanistan keinen Erfolg hatte.“ Das alles zeuge davon, dass „die USA bei der Terrorbekämpfung in Afghanistan eine Niederlage erlitten haben“.

    Wie Mozhda weiter erläuterte, zielen die IS-Terroristen im Gegensatz zu den Taliban, die kein internationales Programm hatten, auf eine Destabilisierung der Lage in den Nachbarländern Afghanistans – wie China und die zentralasiatischen Länder.

    „Ziel der Terror-Unterstützung in Afghanistan ist die Schaffung von Gefahren für den Iran, Russland, China, für die Länder, die komplizierte Beziehungen zu den USA haben“, sagte Mozhda.

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    Tags:
    Terror, Präsenz, Truppen, Terrorbekämpfung, Drogenhandel, IS, Syrien, USA, Afghanistan
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