02:28 16 August 2018
SNA Radio
    Atomexplosion (Symbolbild)

    Algerien: Menschen sterben weiter an Spätfolgen französischer Atomtests - VIDEO

    CC0 / Pixabay
    Politik
    Zum Kurzlink
    0 368

    Frankreich hat am 13. Februar 1960 im Kreis Reggane im Süden seiner Kolonie Algerien einen ersten Atomtest durchgeführt. In den nächsten sechs Jahren wurden im Land offiziellen Statistiken zufolge insgesamt 17 nukleare Sprengladungen gezündet.

    Reggane bleibt immer noch radioaktiv verseucht. Ein normales Leben in der Region ist kaum möglich. Örtliche Wissenschaftler sprechen von genetischen Mutationen und unumkehrbaren Veränderungen unter allen Lebewesen in dieser Region.

    ​Offizielle Statistiken nennen keine Zahl der Betroffenen. Ein Vertreter der französischen Kirche dokumentierte, dass rund 42.000 Menschen den nuklearen Experimenten von Paris zum Opfer gefallen waren. Vor drei Jahren bezifferte das französische Verteidigungsministerium die Zahl der Todesopfer mit 27.000. Dabei handelt es sich sowohl um französische Soldaten als auch um Ortsbewohner.

    Allerdings sind von der Zahl zu früh gestorbene Nachkommen dieser Menschen nicht erfasst, die an Krebs und sonstige durch die Strahlung verursachte Krankheiten gelitten haben oder leiden. Die kontaminierten Gebiete bleiben für Leben und Gesundheit immer noch gefährlich.

    Atomexperte Ammar Mansuri teilte dem Blatt „Al-Arabi al-Jadeed“ mit, dass die Zahl der französischen Atomtests in Algerien deutlich höher ist. „Frankreich hatte 13 unterirdische und vier überirdische Kernladungen gezündet, vier Experimente mit Plutonium und 35 sonstige atomare Erprobungen angestellt.“ Dem Experten zufolge wurden mit den Atomtests zusammenhängende Dokumente erst vor zehn Jahren der algerischen Regierung übergeben. Ein Teil davon bleibt weiterhin geheim.

    ​Aus diesem Grund wurden in der betroffenen Region im vergangenen Jahrhundert keine systematischen Beobachtungen und keine Forschungsarbeiten durchgeführt. Dementsprechend wurden auch keine rechtzeitigen Schritte zur Senkung des negativen Einflusses der Experimente auf die Umwelt getan. Es ist schwer abzuschätzen, wie sich der Grad der Verschmutzung in den zurückliegenden Jahrzehnten geändert hat und womit man künftig rechnen kann.

    Die algerische Regierung spricht von etwa 100 Quadratkilometern radioaktiv verseuchter Fläche, schreibt die „Al-Arabi al-Jadeed“ weiter. Aber Probleme gebe es auch über die Grenzen dieser Zone hinaus. Die Region werde von der Wüste dominiert, die Winde transportierten verseuchte Partikel auf formal reine Territorien. Jetzt komme es darauf an, den Grad der radioaktiven Verseuchung der Wüste zu messen, um die Grenzen der Kontamination präzise zu bestimmen, hieß es.

     

    Tags:
    Todesopfer, Spätfolgen, Atomtests, Frankreich, Algerien
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren