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    Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hält ein angebliches Stück einer abgeschossenen iranischen Drohne auf der Münchner Sicherheitskonferenz

    Netanjahu droht Iran – Teheran angeblich verantwortlich für Krisen in Nahost

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    Politik
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    Münchner Sicherheitskonferenz 2018 (24)
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    Für Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist der Iran „allein schuldig und verantwortlich“ für die derzeitigen Krisen im Nahen Osten. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSK) hat er Teheran gewarnt, es „notfalls militärisch“ aufzuhalten. Dabei hat er ein angebliches Stück einer abgeschossenen iranischen Drohne hochgehalten.

    „Wir können dieses gefährliche Regime aufhalten, wir können das tun“, sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sonntag in München mit Blick auf den Iran. „Und falls wir das schaffen, schaffen wir eine friedliche Region und sichern auch unsere Zukunft.“ Er zeigte eine Karte, die beweisen sollte, „dass der Iran sich in der Region ausbreitet“, vor allem im Nachbarland Irak, in Syrien, im Libanon und im Gaza-Streifen. Teheran wolle die Region dominieren und auch „Israel auslöschen“. Das sei Teil der Staatspolitik der schiitisch geprägten Islamischen Republik.

    Der Iran versuche derzeit, „den Status Quo zu ändern“, behauptete Netanjahu: „In Syrien und im Libanon, in der gesamten Region.“ Das geschehe auch durch schiitische Stellvertreter, die angeblich „im Auftrag Irans“ agieren, darunter die Huthi im Jemen, die Hisbollah im Libanon oder schiitische Milizen im Irak. Nur wenn Teheran seine angeblichen regionalen Machtambitionen nicht umsetze, könne der Frieden im Nahen Osten erhalten bleiben.

    „Falls aber der Status verändert wird, dann halte ich es so, wie die früheren Zionisten, weil sie sagen: ‚Man muss böse Dinge im Keim ersticken.‘“, warnte der Regierungschef Israels, auch mit Blick auf die anwesende iranische Delegation im Saal.

    Der Wink mit dem Drohnen-Stück

    Netanjahu hielt ein Stück einer angeblichen iranischen Drohne publikumswirksam während seiner Rede hoch und zeigte sie der iranischen Delegation. Israel behauptet, eine Drohne der Iraner habe es angeblich am 10. Februar geschafft, in den israelischen Luftraum einzudringen. Die Luftwaffe der Israelis fing die Drohne laut Tel Aviv ab. Diesen Vorfall hatte Israel umgehend dazu genutzt, verschiedene Ziele in Syrien, die angeblich unter der Kontrolle iranischer Kräfte gestanden haben, anzugreifen.

    In der nachfolgenden Diskussionsrunde erinnerte der libanesische Verteidigungsminister Jacoub Riad Sarraf daran, dass seit 15 Jahren täglich israelische Drohnen den Luftraum seines Landes verletzen. Doch der Libanon würde darauf nie wie Israel mit einem aggressiven Akt antworten – nicht nur weil Beirut weniger Geld für seine Streitkräfte ausgibt, sondern weil es ihm um Frieden geht.

    Netanjahu unterstellte dem Iran, die Ausgangslage in Syrien zu verändern. „Wir werden das nicht zulassen“, drohte der Isreali und bekräftigte: „Wir werden unseren Worte Taten folgen lassen.“ Falls der syrische Präsident Baschar al-Assad den Iran als Partner einladen sollte, werde Tel Aviv reagieren – auch militärisch.

    Kritik am internationalen Atom-Abkommen mit dem Iran

    „Es mag in weniger als einem Jahrzehnt zu einem kampffähigen, nuklearen Arsenal im Iran kommen.“ Diese Analyse hätten ihm seine Geheimdienste geliefert, so Netanjahu, der das Atom-Abkommen mit dem Iran als nicht nützlich bezeichnete. Bis dahin gelte es, nicht den Iran zu beschwichtigen, sondern zu erkennen: „Er ist immer noch eine große Gefahr.“ Die derzeitige Krise im Nahen Osten liege also „nur am Iran.“ So appellierte er an die Teilnehmer: „Unterstützen Sie die in der Region, die sich für den Frieden einsetzen. Unterstützen Sie uns.“

    Er hob einen historischen Blick hervor: „Hier in München möchte ich mich dafür aussprechen, dass die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden.“ Er erinnerte an die Ermordung israelischer Sportler bei den Olympischen Spielen 1972. „Das hatte zu tun mit dem Aufstieg des internationalen Terrorismus, den wir seitdem bekämpfen.“ Auch an die Vernichtung der Juden im Zweiten Weltkrieg erinnerte der israelische Regierungschef: „Wir werden nicht vergessen, wir werden nicht verzeihen, und wir werden immer um die Wahrheit kämpfen.“

    Netanjahu nahm das erste Mal an der Münchner Sicherheitskonferenz teil. Aktuell steht der Likud-Politiker in seiner Heimat heftig unter Kritik aufgrund eines Korruptionsskandals. Die Polizei in Israel ist laut Medienberichten für eine Anklage gegen ihn. Er selbst weist die Vorwürfe als „absurd“ zurück.

    Alexander Boos

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