15:48 17 Juli 2018
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    „Nato bereitet sich auf Krieg mit Russland vor“ – Experten zu Reformen der Allianz

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    Politik
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    Natalia Pavlova
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    Die Kommandostruktur der Nato soll erstmals seit dem Kalten Krieg „optimiert“ werden. Es soll nun unter anderem mehr Wert auf die maritime Sicherheit, Logistik und Cyber-Abwehr gelegt werden. Bei einem Rundtischgespräch erörterten Militärexperten in Moskau die Ergebnisse des jüngsten Nato-Treffens in Brüssel und die Auswirkungen für Russland.

    Die von den Nato-Verteidigungsministern gebilligten Veränderungen wurden von den USA initiiert und zielen darauf ab, die Konfrontation mit Russland zu verstärken, ist der Militärexperte Wladimir Jewsejew überzeugt. Er verwies darauf, dass sich die Finanzierung des Pentagon-Programms zur Abschreckung Russlands verdoppelt habe und auch die US-Nukleardoktrin verändert worden sei.

    „Die Nukleardoktrin senkt die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen erheblich, die aus zweifelhaften Gründen eingesetzt werden können. Unter den Bedingungen der Entwicklung von Atomwaffen mit geringer Sprengkraft hat sich die Möglichkeit für den Einsatz von Atomwaffen erweitert. Die USA drängen die Nato dazu, die militärische Infrastruktur in der Nähe der russischen Grenze auszubauen, die unter besonderen Bedingungen funktionieren soll. Aufklärungsflüge an der russischen Grenze im Schwarzen Meer nehmen zu. Es gibt Beweise einer militärischen Gegenwirkung in Bezug auf Syrien. Die USA sind an dem Rand angelangt, wo militärische Zwischenfälle möglich sind“, so Jewsejew.

    Der Aufbau militärischer Infrastruktur der Nato an der russischen Grenze zwinge Russland dazu, eventuelle offensive Militäraktionen zu erwägen, was bisher nicht der Fall gewesen sei. Im Endeffekt werde Russland dann die Entfesselung des Wettrüstens und Aggression vorgeworfen, fügte der Experte hinzu.

    Dass in Europa ein Zentrum für Cyberkriegsführung gegründet werde, geschehe nach Ansicht des Militärexperten Konstantin Siwkow, um näher am Kriegsschauplatz zu sein. Ihm zufolge wird außerdem ein einheitliches Kommando geschaffen, um Waffen und Militärfahrzeuge von Nordamerika nach Europa zu verlegen. Es handele sich um eine praktische Aufgabe, die in allernächster Zeit erfüllt werden soll. Aber auch russische Häfen wecken scheinbar Interesse bei den Amerikanern.

    „Anfang vorigen Jahres wurden die russischen Häfen Wladiwostok, Bolschoj Kamen und Nachodka in das Verwaltungssystem der Versorgung der US-Kriegsmarine eingetragen. Es liegt klar auf der Hand, dass Russland der US-Marine seine Häfen nicht freiwillig zur Verfügung stellen wird. Hier kann man wohl selbst Schlüsse ziehen. Generäle des US-Marine-Corps sagen ihren Untergeordneten in Norwegen ganz deutlich, dass sie in der nächsten Zeit auf einen Krieg gefasst sein sollten. Die Zeitung ‚The New York Times‘ berichtete, dass sich die Offiziere unauffällig auf einen Krieg vorbereiten und dabei hoffen, dass er nicht stattfinden wird. In den USA gibt es Mobilisierungszentren, die Soldaten nach Europa verlegen sollen. Die Tatsache, dass ‚Military Schengen‘ geschaffen wird, deutet darauf hin, dass nicht nur die alliierten Streitkräfte der Nato, sondern auch nationale Streitkräfte beteiligt werden sollen.“

    Der Experte verwies auf Militärübungen 2016, bei denen die Bundeswehr osteuropäische Bürger mit guten Russischkenntnissen gegen Entlohnung als Statisten engagieren wollte. All dies sei eine Vorbereitung der Nato auf einen Krieg gegen Russland, so Siwkow. Das nukleare Potential Russlands schließe direkte militärische Aggression aus. Man werde also versuchen, einen Hybridkrieg zu führen, also eine soziale Explosion von innen hervorzurufen. Heute werde sehr aktiv daran gearbeitet, betonte der russische Militärexperte.

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    Tags:
    Sicherheit, Cyber-Attacke, Vorbereitung, Bundeswehr, NATO, USA, Russland
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