00:57 27 April 2018
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    ein Kreuz zum Gedenken an die Opfer der Auseinandersetyungen zwischen Demonstranten und Polizei in Kiew (Archiv)

    „Blut und Lügen“ – so etablierten sich die neuen Machthaber in der Ukraine

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    Politik
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    Vor vier Jahren erreichte der so genannte „Euro-Maidan“ in Kiew seine Schlussphase. Auf den Straßen der ukrainischen Hauptstadt wurde geschossen, wobei mehrere Dutzende Menschen ums Leben kamen. Präsident Viktor Janukowitsch verlor die Möglichkeiten, die Ukraine unter seiner Kontrolle zu behalten.

    Die neuen ukrainischen Machthaber, die später versuchten, Russland für den Gewaltausbruch in Kiew verantwortlich zu machen, etablierten sich durch Blutvergießen.

    Russische Medien veröffentlichten unlängst Fakten, die davon zeugen, dass Scharfschützen auf Menschen schossen, die einen Auftrag der damaligen Oppositionellen hatten. 

    Schüsse auf die Ukraine

    Die Spannungen im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt wuchsen seit Mitte Februar immer mehr, aber am 17. Februar sah die Situation für Präsident Viktor Janukowitsch noch gar nicht so hoffnungslos aus. Doch an den folgenden zwei Tagen änderte sie sich dramatisch. Neue Auseinandersetzungen zwischen den Ordnungskräften und der Opposition führten zu Menschenopfern.

    Die Behörden bemühten sich um eine friedliche Regelung. Präsident Janukowitsch einigte sich mit den Oppositionsführern auf eine Waffenruhe. Der 20. Februar wurde zum Trauertag erklärt. Aber ausgerechnet er sollte als Tag eines Massakers im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt in die Geschichte eingehen.

    Die ersten Schüsse wurden schon am frühen Morgen auf dem Platz der Unabhängigkeit (Maidan), wo ein Lager der Oppositionellen aufgeschlagen war, und in der Institutskaja-Straße abgefeuert. Gegen 09.00 Uhr begann die Gegenoffensive der Oppositionskräfte, die das Unabhängigkeitsdenkmal und den Oktober-Palast unter ihre Kontrolle nahmen. Die Ordnungskräfte mussten sich zurückziehen, und es wurde immer häufiger geschossen. Ums Leben kamen dabei insgesamt 53 Menschen: 49 Protestierende und vier Polizeibeamte.

    Nach ihrem Sieg warfen die Maidan-Aktivitäten den Ordnungskräften das Blutvergießen vor. Nach Angaben der zuständigen Kommission mit General Gennadi Moskal an der Spitze hatten Scharfschützen der territorialen Verwaltung der inneren Truppen von der Krim auf die Menschenmenge geschossen.

    Doch diese Version rief sofort viele Zweifel hervor, und schon im März 2014 wurde die Aufnahme eines Telefonats der damaligen EU-Beauftragten Catherine Ashton mit dem Außenminister Estlands, Urmas Paet, veröffentlicht. Aus diesem Gespräch wurde klar, dass die Scharfschützen im Auftrag der Oppositionellen gehandelt hatten. Und 2018 gelangten neue Beweise dafür an die Öffentlichkeit.

    In Russland wurde ein Interview mit den georgischen Scharfschützen Koba Nergadse und Alexander Rewasischwili veröffentlicht. Beide behaupteten, sie wären von Andrej Parubi und Sergej Paschinski zu der Schießerei beauftragt worden. Parubi ist inzwischen Vorsitzender der Werchowna Rada (ukrainisches Parlament), und Paschinski steht an der Spitze des Parlamentsausschusses für Verteidigung und Sicherheit. Darüber hinaus sollen sie Hinweise von einem ehemaligen US-Militär namens Christopher Brian bekommen haben.

    In das Konservatorium und das Hotel „Ukraina“ sollen Paschinski persönlich und mehrere unbekannte Männer an seiner Seite Waffen gebracht haben. An diesem Tag schoss Paschinski selbst aus einer Maschinenpistole auf die Menschenmenge. Und Wladimir Parasjuk, der damals der so genannte „Hunderten-Kommandeur“ auf dem Maidan war, schoss aus einem Saiga-Gewehr. Später wurde er Offizier des „Dnepr“-Bataillons und Abgeordneter der Werchowna Rada.

    So gab Janukowitsch auf

    Die Ereignisse nach diesem Massaker führten zum Zusammenbruch des ukrainischen Staatssystems. Der in die Enge getriebene Präsident Janukowitsch gab de facto auf: Am 21. Februar unterzeichnete er gemeinsam mit den Oppositionsführern ein Abkommen zur Regelung der politischen Krise, dem zufolge in der Ukraine eine vorzeitige Präsidentschaftswahl stattfinden sollte.

    Der radikale Flügel der „Maidan“-Aktivisten, nämlich die Gruppierung „Rechter Sektor“, ließ sich die Teilkapitulation des Staatschefs jedoch nicht gefallen. Er drohte mit weiterer Gewalt, falls Janukowitsch nicht zurücktreten sollte. Und am 21. Februar erfüllte der Staatschef de facto diese Forderung und verließ Kiew.

    Die Ukraine versank danach im Chaos. Die Oppositionsaktivisten entmachteten willkürlich regionale Behörden und nahmen Häuser ein, in denen diese gesessen hatten. Janukowitsch konnte das Land zwar nicht mehr kontrollieren, weigerte sich aber, seine Niederlage de jure anzuerkennen. Die Macht übernahmen die Führer der „Maidan“-Bewegung, die im Grunde illegal handelten.

    Die Ordnungskräfte verließen das Regierungsviertel in Kiew, das sofort von den Oppositionellen eingenommen wurde. Der Machtwechsel kam zustande. In einer Situation, in der der Aufenthaltsort des Präsidenten unbekannt blieb, während seine Anhänger keinen Widerstand leisteten, erklärte Andrej Parubi, die Opposition hätte Kiew vollständig unter ihre Kontrolle genommen.

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    Tags:
    Macht, Auseinandersetzungen, Demonstration, Spannungen, Massaker, Maidan, Viktor Janukowitsch, Ukraine