19:50 20 Oktober 2018
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    „Das ist Doping!“ – Experte zu Asthma-Mitteln bei gesunden Athleten

    © REUTERS / Brian Snyder
    Politik
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    Ilona Pfeffer
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    Meldonium ist verboten, Asthma-Mittel aber sind völlig legal? Für den Sportrechtler Michael Lehner klingt die Anti-Doping-Politik von IOC und WADA weder transparent noch fair. Wenn ein gesunder Sportler ein Medikament einnimmt, das ihm erlaubt, freier zu atmen und dadurch ausdauernder und schneller zu laufen, dann ist das Doping, sagt der Experte.

    Faire und saubere Spiele wollte das IOC gewährleisten. Es folgten die Sperrung des russischen Verbandes, Klagen vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS, Nicht-Einladungen entlasteter russischer Athleten und Urteile des Ad-hoc-Gerichtshofs kurz vor Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Nun sind auch diese Spiele Geschichte. Die Medaillen sind verteilt. Und es stellt sich die Frage: Waren die Wettkämpfe fair?

    Das sei von außen schwer zu beurteilen, sagt der Heidelberger Sportrechtler Dr. Michael Lehner. Transparent seien die Entscheidungen des IOC jedenfalls nicht gewesen, gerade im Hinblick auf den Umgang mit dem russischen Verband. Auch die Verfahrensweise, nach der bestimmte Mittel als Doping klassifiziert werden und deren Gebrauch sanktioniert wird, sei undurchsichtig.

    Dem russischen Curler Alexander Kruschelnizki wurde seine Bronzemedaille aus dem Teamwettbewerb nachträglich aberkannt, weil er positiv auf das Herzmittel Meldonium getestet worden ist. Andererseits hat die Nummer 1 des Medaillenspiegels, Norwegen, nach eigenen Angaben 6000 Einheiten von Asthma-Medikamenten für rund 100 Athleten zu den Spielen mitgebracht – ganz legal. Ein Widerspruch?

    Dass Meldonium seinerzeit auf die Verbotsliste gekommen sei, sei ihm merkwürdig vorgekommen, so Lehner.

    Als Meldonium draufgekommen ist, habe ich das persönlich so kommentiert: Eine Falle, vielleicht auch ein Racheakt gegenüber dem russischen Verband. Andere Dinge, wie Cortison mit Freigabegenehmigung, werden massenhaft gebraucht. Natürlich nehmen die Sportler alles, was irgendwie geht, was nicht auf der Verbotsliste steht. Ein Asthma-Mittel hat dort nichts zu suchen. Es ist eindeutig ein Medikament, das gegen eine Krankheit, nämlich Asthma, ist. Es hat aber die Wirkung, dass man freier atmen kann, und man ist deswegen auch ausdauernder, kann besser und schneller die Wettbewerbe absolvieren. Das ist Doping, und deswegen die Frage an das IOC und an die WADA: Warum verfolgt ihr das nicht richtig?“

    Aus Sicht des Sportjuristen muss ein Mittel nicht zwangsläufig auf der Liste der verbotenen Substanzen stehen, damit sein Gebrauch durch einen gesunden Sportler als Doping bewertet werden kann.

    „Fakt ist: Wenn ich kein Asthma habe und trotzdem ein Asthma-Mittel nehme, dann ist es Doping. Aus meiner rechtlichen Sicht muss es auch gar nicht auf der Liste der verbotenen Mittel stehen, sondern es ist ein Medikament, das gegen den eigentlichen Verwendungszweck zur Leistungssteigerung verwendet wird. Da können Sie schon peinliche Fragen an das IOC stellen. Das klingt nicht transparent, das klingt nicht fair. Es klingt auch danach, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.“

    Für künftige Wettkämpfe wünscht sich Michael Lehner von IOC und WADA vor allem eines: Größtmögliche Transparenz und Gleichbehandlung aller Athleten.

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Asthma-Mittel, Meldonium, Verbotsliste, Asthma, Doping, Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang, IOC, WADA, Südkorea