06:53 24 April 2018
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    US-Präsident Donald Trump (l. in d. M.) und seine Frau Melania beim Japan-Besuch (Archiv)

    Warum Donald Trump nie Krieg führen kann

    © AFP 2018 / JIM WATSON
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    Bolle Selke
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    Wie chaotisch es im Weißen Haus unter Donald Trump zugeht, erzählt Michael Wolff in seinem Buch „Fire and Fury“. Die deutsche Ausgabe „Feuer und Zorn“ erschien am 16. Februar bei Rowohlt. Zu diesem Anlass stellte der Autor seine Biographie des US-Präsidenten in der Berliner Volksbühne vor.

    Als das Buch „Fire and Fury“ in den Vereinigten Staaten Anfang Januar veröffentlicht wurde, sorgte es für große Aufmerksamkeit. Niemals zuvor war ein Sachbuch innerhalb kurzer Zeit so häufig verkauft worden. In den USA waren es mehr als zwei Millionen Exemplare innerhalb von vier Wochen.

    „Ich wollte die Leser ins Weiße Haus bringen“

    US-Präsident Donald Trump (Archiv)
    © Sputnik / Alexej Witwizki
    An die zweihundert Gespräche hat Wolff mit den engsten Mitarbeitern des Präsidenten geführt. Die Zweifel daran, ob er journalistisch sauber gearbeitet habe, wischt Michael Wolff mit der Bemerkung weg, dass er sich selbst gar nicht als Journalist sehe. Vielmehr würde er sich als Schriftsteller bezeichnen, der alles genau beobachtet – ganz ohne zu bewerten. Der Erzähler selbst taucht so gut wie nie in dem Buch auf. Wie Wolff berichtet, war dies eine kalkulierte Entscheidung für ein literarisches Mittel:

    „Ich bin in Vielem in dem Buch präsent, aber ich entziehe mich dem so. Das habe ich gemacht, weil ich nicht wollte, dass das Buch meine Eindrücke des Präsidenten enthält. Ich wollte, dass es die Geschichte der Leute ist, die ihn umgeben. Ich wollte nicht als Filter wirken. Ich wollte nur die Geschichte erzählen, was im Weißen Haus passiert und die Leser in das Weiße Haus bringen.“

    Unfähig zum Führen von Kriegen

    Vieldiskutiert werden an dem Abend auch die intellektuellen Fähigkeiten Trumps – oder der Mangel daran. Der ehemalige Immobilienunternehmer habe eine Ablehnung gegenüber fast jeglicher Art von Information, die nicht aus dem TV stammt, erzählt Wolff:

    „Lassen Sie uns militärische Aktivitäten anschauen. Dabei handelt es sich um die informationsintensivsten Anstrengungen im modernen Leben. Wenn man da eine Entscheidung treffen muss, wird man mit den ausgeklügeltsten Informationsbriefings und Datenanalysen konfrontiert. Das ist eigentlich die Essenz der modernen Kriegsführung. Nun gut, Trump kann gar nichts davon. Wenn er sich in einem Raum mit Generälen befindet und die Generäle zeigen ihre Power-Point-Präsentationen – drei Minuten später ist Trump dann aus der Tür.“

    Die gute Seite daran sei, dass Trump nie Krieg führen könne, denn er wisse nicht, wie das geht. Man kann nur hoffen, dass sich Donald Trump dessen auch selbst bewusst ist.

    „Ein Idiot, umgeben von Clowns“

    Einer der Mitarbeitern aus dem Weißen Haus bezeichnet den Präsidenten gegenüber Wolff als einen „Idioten, umgeben von Clowns“. Zusätzlich sei er auch noch unausstehlich:

    „Das war einer der Schlüsselpunkte, die ich bei allen seinen Mitarbeitern gesehen habe, die täglich oder sogar im Minutentakt mit ihm zu tun haben. Zusätzlich zu allem anderen, dass er zusammenhangslos ist und unfähig zuzuhören, dass er sich allen Analysen verweigert und im Grunde allen Dingen, die man braucht, um diesen Job zu machen. Obendrein ist er noch ein fieser Kotzbrocken. Er hat Wutanfälle. Er schreit und macht Menschen schlecht. Er erfindet diese provozierenden Spitznamen für Leute. Das passiert nicht nur jetzt, das war schon seine gesamte Karriere so. Das Muster gab es schon immer für die Leute, die für ihn gearbeitet haben und die ihn dann irgendwann gehasst haben – und er sie auch.“

    Die Trump-Doktrin

    Ob Trump bis zum Ende seiner Amtszeit als Präsident durchhalten wird, daran hat Wolff große Zweifel. Bis es soweit ist, gibt er aber den Europäern noch einen Rat mit auf den Weg, wie sie am besten mit dem US-Präsidenten auskommen können:

    „Schmeichelei! Das ist das eine Mittel, was sicher wirkt. Wenn ich europäische Staatsführer beraten würde, würde ich sagen, dass sie sich von allen Bedenken frei machen sollten und ihn einfach mit Schmeicheleien überhäufen sollten. Es gibt keine Art der Schmeichelei, die zu großartig für Donald Trump ist. Im Gegenzug wird er dann zurückschmeicheln, und das könnte einen positiven Kreislauf erzeugen. Das ist möglich. Wenn man etwas will, als Führer einer anderen Nation, dann muss man auch etwas geben. Wenn du etwas hergibst, das Donald Trump gern haben möchte, dann gibt er dir, was du gern möchtest, wenn er das Gefühl hat, dass er bei dem Handel ein bisschen mehr bekommt, als er geben muss. Das ist die Trump-Doktrin.“

    Der Beitrag zur Veranstaltung zum Nachhören:

    Der komplette Mitschnitt der Veranstaltung mit Michael Wolff in der Volksbühne zum Nachhören:

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