19:15 05 Dezember 2019
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    US-Präsident Donald Trump beim Treffen mit Kongress-Mitglieder

    US-Elite vs. Russland: „Der einzige Weg, die Beziehungen zu verbessern, wäre…“

    © AFP 2019 / Mandel NGAN
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    Nach dem Misserfolg mit Donald Trumps Wahlsieg will die US-Elite die Kontrolle zurückgewinnen und instrumentalisiert das Thema Russland. Diese Meinung äußert der russische Auslandsexperte Sergej Karaganow – und sieht deshalb vorerst kaum besondere Chancen auf eine Verbesserung der Beziehungen mit den USA.

    In einem Interview mit der Wochenzeitung „Argumenty i Fakty“ sagte Karaganow im Hinblick auf das innenpolitische Zerwürfnis zwischen Trump und der US-Elite: „Trump gewinnt. Es ist schon klar, dass man ihn nicht niederreißen wird; dass er beginnt, seine Agenda sowohl innen- als auch außenpolitisch durchzusetzen.“

    „Diese Agenda gefällt einem wesentlichen Teil der Amerikaner. Trumps Zustimmungswerte, die zu einem gewissen Zeitpunkt abgestürzt waren, nahmen dann wieder zu und stabilisierten sich – trotz der wilden Hysterie in den US-Medien. Ich denke, er hat alle Chancen darauf, nicht nur seine erste Amtszeit glimpflich hinter sich zu bringen, sondern auch die zweite anzutreten“, prognostizierte Karaganow.

    Angesprochen auf die US-Militärpräsenz im Ausland, erläuterte er: „Ich würde sagen, die Amerikaner bevorzugen nun eine begrenzte Involvierung ohne Verpflichtungen. Es geht um Spezialeinsätze und gezielte destabilisierende Operationen, um den Verbündeten zu helfen oder den Rivalen Probleme zu bereiten – dabei aber ohne langfristige Präsenz. Das hatten die Militärs von Trump gefordert – und er geht gern darauf ein, weil dies sozusagen flott und preiswert ist.“

    Nach Ansicht des Experten sind die USA und Russland zwar Konkurrenten, aber keine Gegner: „Obwohl ein wesentlicher Teil der alten liberalen US-Elite uns eben als Feinde betrachtet, hält Trump an einem vernünftigeren Konzept fest.“

    „Trump hatte die Beziehungen mit uns verbessern wollen, dann aber eingesehen, dass ihm dies hinsichtlich seiner innenpolitischen Lage immens viele Nachteile und sehr wenig Vorteile bringen würde. Deshalb schob er diese Sache auf“, so Karaganow weiter.

    „Andererseits sollten wir begreifen: Als Gegenleistung für eine Verbesserung der Beziehungen hätte Trump von uns wahrscheinlich gefordert, zu China auf Distanz zu gehen. Da muss man nachdenken und verstehen. Jedenfalls sind die Beziehungen mit China für uns derzeit viel wichtiger als die mit den USA“, meinte Karaganow.

    „Die US-Elite hatte die Kontrolle über ihre Bevölkerung verloren – im Ergebnis kam Trump an die Macht. Sie wollen auf jede Weise diese Kontrolle zurückgewinnen – vor allem die Kontrolle über soziale Medien. Russland ist da ein Instrument, ein Schreckgespenst von außen. Was auch immer wir tun, es wird sich nichts ändern. Der einzige Weg für Russland, die Beziehungen mit Amerika drastisch zu verbessern, bestünde darin, zu zerfallen und zu verschwinden. Doch da wir dies nicht vorhaben, gibt es vorerst keine besonderen Aussichten auf eine Verbesserung“, postulierte der Experte.

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    Tags:
    Kontrolle, Einfluss, Macht, Beziehungen, Amt, Präsenz, Donald Trump, China, Russland, USA