06:03 26 Oktober 2020
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    Die vergangenen Tage haben abermals gezeigt, dass Großbritannien von allen westlichen Ländern im außenpolitischen Bereich am aktivsten ist – zumindest wenn es um Russland geht, schreibt die Politologin Irina Аlksnis.

    In London äußerte man sich praktisch zu allen Themen, bei denen Russland die Führungsrolle spielt.

    Zunächst wurde ein Beitrag des britischen Außenministers, Boris Johnson, zum Thema Wiedervereinigung Russlands mit der Krim veröffentlicht, in dem er Moskau gewohnheitsgemäß scharf kritisierte.

    Kurze Zeit später bestellte Johnson den russischen Botschafter in London im Zusammenhang mit der Lage in Ost-Ghuta (Vorort von Damaskus), wo die syrischen Regierungstruppen gegen die Terroristen kämpfen, ein. Dieses Vorgehen wird von einer umfassenden antisyrischen (und antirussischen) Rhetorik begleitet, die im Grunde mit der Anti-Assad- (und Anti-Russland-)Kampagne während der Befreiung Aleppos vergleichbar ist. Großbritannien ist aber das einzige von allen westlichen Ländern, das den russischen Botschafter deswegen ins Außenministerium vorgeladen hat.

    Zum Höhepunkt wurde die Auseinandersetzung im UN-Sicherheitsrat am 26. Februar, als Russland den britischen Entwurf der Jemen-Resolution blockierte. Darin hatte London behauptet, der Iran hätte Waffen an die Huthi-Rebellen geliefert. Am Ende verabschiedete der Weltsicherheitsrat die russische Variante der Resolution.

    Dass die britische Diplomatie gegen Russland stänkert, kommt nicht überraschend. Die Ministerpräsidentin Theresa May hatte bekanntlich vor drei Monaten einen wesentlichen Teil ihrer Jahresansprache zum Thema Außenpolitik Russland gewidmet, dem sie alle möglichen Sünden vorwarf – von der „Krim-Annexion“ bis zu Versuchen, die aktuelle Weltordnung zu zerstören.

    Dennoch wirkt der Russland-Kurs der Briten reichlich deplatziert: Es ist im Grunde nachvollziehbar, warum sich Washington ständig antirussische Eskapaden leistet – die USA sind immerhin eine Großmacht, die keinen geopolitischen Konkurrenten braucht.

    Die meisten anderen westlichen Länder verhalten sich eher zurückhaltend, ihre Äußerungen gegen Russland haben eher einen formalen Charakter.

    Es stellt sich also die durchaus logische Frage: Warum ist das Vereinigte Königreich so eifrig darum bemüht, Russland eins auszuwischen? Man sollte nach keinen rationalen, pragmatischen Motiven suchen, obwohl es sicherlich auch solche gibt. Vielmehr liegen dem wohl Eifersucht und Neid auf Russland zugrunde: Der einstige Hegemon muss zuschauen, wie sein ewiger Konkurrent, der erst vor kurzem nahezu begraben worden wäre, wiederauferstanden ist und große geopolitische Spiele führt. Und zwar in Regionen, die vor 200 Jahren noch Großbritannien gehörten.

    Damals hatte London noch die Schlüsselrolle in der globalen Geopolitik gespielt, und jetzt muss es sich mit der Rolle des „Assistenten“ begnügen – und mit ansehen, wie Russland im Nahen Osten, den London so lange für seinen Einflussraum gehalten hatte, zunehmend erstarkt.

    Die unwirschen Reaktionen der Briten auf Moskaus Vorgehen hängen wohl damit zusammen, dass seinem alten Konkurrenten ein „Comeback“ in die internationale Arena gelungen ist – und nicht mit der Tatsache selbst, dass ihr eigener geopolitischer Status geschrumpft ist.

    Das Problem (für die Briten) ist nur, dass solche Eskapaden kaum jemanden beeindrucken und nur Anlass für neue Sticheleien seitens anderer Länder geben. Und das ist nichts als ein weiterer Beweis dafür, dass der britische Löwe nicht mehr der alte ist.

    * Dieser Artikel erschien zuerst auf Russisch bei RIA.ru

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    Tags:
    Internationale Beziehungen, Konflikte, Geopolitik, Konfrontation, Foreign Office, UN, Theresa May, Boris Johnson, Baschar al-Assad, Ost-Ghouta, Ost-Ghuta, England, Aleppo, Jemen, Iran, Großbritannien, Syrien, Russland