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23:18 23 Oktober 2019
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    Gefährdete Gebäude in Ost-Ghuta

    Ost-Ghuta: Wie die Waffen täglich schweigen – auf Putins Befehl

    © REUTERS / Bassam Khabieh
    Politik
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    Russlands Präsident Waldimir Putin hat die russische Armee angewiesen, die vereinbarten humanitären Pausen einzuhalten, damit Zivilisten das gefährliche Gebiet am Rand von Damaskus verlassen können. Putins Anordnung geht auf die kürzlich verabschiedete UN-Resolution zurück.

    Schon in Aleppo haben Waffenruhen das Leben von Zivilisten gerettet. Jetzt sollen auch in Ost-Ghuta Feuerpausen dafür sorgen, dass friedliche Bürger das umkämpfte Gebiet verlassen können, schreibt die Onlinezeitung „Gazeta.ru“. Ab dem 27. Februar stellen die russischen und syrischen Truppen ihre Angriffe auf die Dschihadisten in Ost-Ghuta ein – täglich für fünf Stunden.

    „Das kleine Bisschen in so ernster Lage“

    Solche humanitären Zeitfenster seien wohl auch die beste Möglichkeit, Zivilisten zu schützen, sagte die Politologin Jelena Suponina vom Russischen Institut für strategische Forschung im Gespräch mit der Onlinezeitung: „Humanitäre Korridore haben in Aleppo tausenden Menschen das Leben gerettet. Doch man muss realistisch bleiben. Denn das zeigt die Erfahrung von Aleppo auch, dass man die Kampfhandlungen auf beiden Seiten trotz der UN-Resolution nicht gänzlich einstellen wird. Insofern ist Russlands Vorschlag mit den humanitären Pausen das kleine Bisschen, das man in so einer ernsten und dramatischen Lage vorschlagen kann“, so die Expertin.

    Bislang konnte tatsächlich kein einziger Zivilist die umkämpfte Gegend verlassen, weil die sogenannten oppositionellen Kämpfer in Ost-Ghuta bereits gegen die Feuerpause verstoßen haben. „Die Kämpfer lassen momentan, um 14:30 Uhr Ortszeit, niemanden raus. Die Lage ist schwierig, von der anderen Seite wird geschossen. Alles steht zum Abzug der Zivilisten bereit, Busse und Rettungswagen. Aber die Kämpfer lassen niemanden gehen“, sagte Generalmajor Wladimir Solotuchin, Sprecher des Russischen Versöhnungszentrums für Syrien, der Zeitung.

    Provokationen alle 30 Minuten

    Laut dem Sprecher fanden die Provokationen vonseiten der Kämpfer während der Feuerpausen alle 30 Minuten statt. Die russischen und syrischen Truppen halten die Waffenruhe dennoch ein. „Die Regierungstruppen ergreifen keine Gegenmaßnahmen.“

    Auch bei der Befreiung Aleppos Ende 2016 verhängten russische und syrische Truppen humanitäre Pausen. Damals wurden acht Korridore eingerichtet, die es sowohl Zivilisten als auch Dschihadisten ermöglichten, die Stadt friedlich zu verlassen. Auf dem selben Wege gelangten auch Hilfskonvois mit Lebensmitteln und Medikamenten nach Aleppo.

    Koordinierte Missachtung der Feuerpause

    Ob diese positiven Erfahrungen in Ost-Ghuta wiederholt werden können, ist jedoch fraglich, sagte der Militärexperte Viktor Murachowski im Gespräch mit „Gazeta.ru“: „Die radikalen Gruppen in Ost-Ghuta haben überhaupt nicht vor, die Gegend zu räumen. Die Vertreter dieser Gruppen nahmen am Kongress für den nationalen Dialog in Sotschi nicht teil, sie wollen keine Verhandlungen aufnehmen. Auch haben sie keine offizielle Zusage gegeben, die Waffenruhe während der humanitären Pausen einzuhalten“, so der Analyst.

    Dass die Lage in Ost-Ghuta sich trotz der UN-Resolution weiter zuspitzt, sagte am 26. Februar der Leiter des Versöhnungszentrums, Generalmajor Juri Jewtuschenko. Es seien mehrere Kampfgruppen, die die Feuerpausen missachten: Liwa al-Islam, Haiʾat Tahrir asch-Scham (hervorgegangen aus der Al-Nusra-Front) und Ahrar al-Scham. Diese Kräfte würden koordiniert vorgehen, unter gemeinsamem Oberkommando. „Dabei halten sie Geiseln, auch Frauen und Kinder. Und sie hindern friedliche Bürger daran, die gefährliche Enklave zu verlassen“, sagte Jewtuschenko.

    Nach Angaben des Versöhnungszentrums wird die syrische Hauptstadt weiterhin aus Granatwerfern beschossen – von dem Gebiet in Ost-Ghuta aus, das von Liwa al-Islam kontrolliert wird. Diese Terrormiliz hatte vorher der Feuerpause zugestimmt. Innerhalb der letzten Wochen hat die Terrorgruppe über 200 Geschosse auf Damaskus abgefeuert. Vier Menschen sind gestorben, 50 wurden verletzt, darunter 16 Kinder.

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    Tags:
    Medikamente, Zivilisten, Verletzte, Beschuss, Provokationen, Feuerpause, UN, Wladimir Putin, Ost-Ghuta, Russland, Syrien