01:17 21 November 2018
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    Putin spricht vor dem Parlament zur Lage der Nation am 01. März 2018

    „Wie man in dieser neuen Welt weiterlebt“: Experte über Realität nach Putins Rede

    © AFP 2018 / Yuri Kadobnov
    Politik
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    Seit Donnerstag wird über die Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin an die Nation aktiv diskutiert. Eine Sache kann man mit Sicherheit feststellen: Die Medien sind in Aufruhr. Doch aus Sicht des russischen Politikwissenschaftlers Geworg Mirsajan haben diese die wichtigste Botschaft Putins missverstanden.

    So betitelte die norwegische „Aftenposten“ einen Artikel mit „Putin präsentiert neue Waffe des Jüngsten Gerichts“. Auch die „Scottish Sun“ entschied sich für eine dramatische Überschrift: „Der Finger auf dem Knopf“. Bei der französischen Zeitung „Paris Match“ lautete der Titel: „Putin brüstet sich mit seinen neuen Waffen“.Die „Washington Post“ bewertete Putins Rede wiederum als „Botschaft an die USA“, besonders vor dem Hintergrund der neulich angekündigten Pläne der Trump-Administration, neue Kernwaffen zu entwickeln. Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass manche Medien das neue Atomprogramm Washingtons als wichtigsten Grund für eine verschärfte Rhetorik aus Russland betrachten.

    Diese Meinung teilt auch der russische Politikwissenschaftler von der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation, Geworg Mirsajan. „Die neuen US-amerikanischen Doktrinen zur Atom- und Nationalsicherheit wurden buchstäblich in den letzten zwei Monaten verabschiedet“, sagte er gegenüber Sputnik. „Darin machen die USA keinen Hehl daraus, dass sie ihre geopolitischen Partner zu Handlungen zwingen wollen, die sie selbst für richtig halten.“ Putin habe mit seiner Rede jedoch deutlich gezeigt, dass jeglicher Druck auf Russland inakzeptabel sei.

    Fast kein ausländischer Journalist hat aus Sicht von Mirsajan die wichtigste Botschaft Putins verstanden. Denn bei der Vorstellung neuer Waffen habe der russische Staatschef mit Nachdruck betont: „Unsere Politik wird niemals auf Ansprüchen auf Einzigartigkeit beruhen. Wir schützen unsere Interessen, achten aber auch die Interessen anderer Länder.“

    Die weitere Entwicklung der Lage liege also an der US-Regierung. „Das erste Szenario: Die USA geben weiterhin Riesensummen für die Entwicklung von Waffen aus. Oder Washington begreift, dass es zukunftsfähiger ist, das wiederherzustellen, was die Welt in den 70ern und den 80ern hatte. Und zwar ein System der strategischen Stabilität, welches auch von Putin vorgeschlagen wurde.“

    Doch die traurige Realität sehe so aus, dass die USA diese dringende Notwendigkeit wohl kaum einsehen würden. „Putin hat eine neue Realität dargelegt. Psychologen unterscheiden zwischen mehreren Reaktionen auf neue Gegebenheiten. Die erste ist immer Wut und Ablehnung“, so der Experte weiter. Gerade diese Phase sei momentan bei den ausländischen Medien zu beobachten. Russland müsse das nur ruhig und ohne Gegenhysterie verkraften, damit sich die Analytiker beruhigen könnten. „Und später wird es bestimmt eine vernünftigere Einschätzung dessen geben, wie wir in dieser neuen Welt weiterleben sollen. Die USA werden das natürlich nicht schnell einsehen, da die US-Politiker heute tief in Mythen über die ‚russische Gefahr‘ und den ‚neuen Kalten Krieg‘ mit Russland feststeckt.“

    Washington hatte im Februar eine neue Atomdoktrin verabschiedet. Das Dokument sorgte in Russland für Aufsehen. Die Doktrin, die unter anderem den Bau von kleineren Atombomben vorsieht, sei konfliktgeladen und gegen Russland gerichtet, hieß es aus Moskau.

     

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    Tags:
    Atomprogramm, Realität, Waffen, Rede, Wladimir Putin, USA, Russland