11:01 18 Oktober 2018
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    „Bild“ aufgebracht: Schalke macht Werbung für „Putins Pipeline“

    © AFP 2018 / Odd Andersen
    Politik
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    Während des Bundesliga-Spiels Schalke 04 gegen Hertha BSC Berlin am Samstag sind an mehreren Stellen in der Arena Werbebeiträge für die Gaspipeline Nord Stream 2 gezeigt worden. Eine Tatsache, über die sich die „Bild“ förmlich aufgeregt hat: Am Sonntag titelte das Blatt vielsagend „Schalke macht Werbung für umstrittene Putin-Pipeline“.

    „Der Schalke-Hauptsponsor schaltete bereits zum vierten Mal Werbung für die Ostsee-Pipeline – hinter den Toren und auf den Seitenbanden der Arena auf Schalke“, schreibt die Zeitung. Der Verein selbst sehe darin kein Problem, heißt es weiter. „Das Engagement von Gazprom auf Schalke bleibt davon gänzlich unberührt“, wird ein Schalke-Vertreter zitiert.

    Die Autoren des Artikels behaupten, Russlands Präsident Wladimir Putin könnte bei Inbetriebnahme von Nord Stream 2 „halb Ost-Europa im Winter die Heizungen abdrehen“. Besonders stören sich die Autoren an dem Werbespruch „Sichere Energie für Europa“. Das sei „reiner Zynismus“, weil Gazprom ja erst zwei Tage zuvor das Gegenteil bewiesen habe. Damit meinen sie den jüngsten Gaslieferstopp an die Ukraine durch den russischen Energieversorger und behaupten, Gazprom lasse nun Kinder an ukrainischen Schulen frieren.

    Dabei wird aber mit keinem Wort erwähnt, dass Petro Poroschenko schon seit mehreren Jahren behauptet, sein Land sei vom russischen Gas komplett unabhängig und könne auch ohne gut auskommen. Wenn man die Äußerungen des ukrainischen Staatschefs liest, ergibt diese ganze Aufregung kaum noch Sinn.

    „Heute sind wir unabhängig, was Energie betrifft. Denn als Russland versucht hat, uns den Gashahn abzudrehen, haben wir gesagt: Wir kommen auch ohne euer Gas aus“, so Poroschenko im Januar 2016.

    Und im Dezember 2017: „Was ist in den letzten zwei Jahren passiert? Wir sind energetisch gesehen unabhängig geworden. Sie (die Russen – Anm. d. Red.) klopfen an: Wollt ihr unser Gas nehmen? Nein, uns geht es gut.“

    Das schrieb der ukrainische Präsident Anfang Januar 2018 auf seiner Facebook-Seite „Wir gehen selbstbewusst in das Jahr 2018 – das Jahr der Energie-Unabhängigkeit der Ukraine.“ Und zwei Wochen später sagte er beim Wirtschaftsforum in Davos: „Die Ukraine kauft seit mehr als zwei Jahren kein russisches Gas mehr. Genau deshalb haben wir beim Stockholmer Schiedsgericht gewonnen.“

    Als Gazprom dann vor wenigen Tagen die Aufkündigung der Verträge mit dem ukrainischen Konzern Naftogaz ankündigte, rief Poroschenko seine Bürger überraschend auf, in ihren Wohnungen die Heizung um ein Grad herunterzudrehen, um so Gas zu sparen und das „von Russland ausgeheckte Szenario zum Scheitern zu bringen“. Mit diesem Aufruf handelte sich Poroschenko einen regelrechten Shitstorm auf Facebook ein.

    Das Schiedsgericht der Handelskammer Stockholm hatte am 28. Februar einer Klage von Naftogaz gegen Gazprom stattgegeben und den russischen Energiekonzern dazu verpflichtet, Naftogaz 2,56 Milliarden US-Dollar zu zahlen. Das russische Energieunternehmen ist mit diesem Beschluss kategorisch nicht einverstanden. Gazprom-Chef Alexej Miller zufolge verletzte das Gericht das Gleichgewicht der Interessen und richtete sich nach Doppelstandards, als der Beschluss mit „der schweren Wirtschaftslage in der Ukraine“ erklärt wurde. „Wir sind kategorisch dagegen, wenn die Wirtschaftsprobleme der Ukraine auf unsere Kosten gelöst werden“, sagte Miller.

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