01:43 23 April 2018
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    Mit Gerichtsurteil im Rücken: Naftogaz fordert von Gazprom weitere 20 Milliarden USD

    © AFP 2018 / Sergey Bobok
    Politik
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    Rund 20 Milliarden US-Dollar sollen dem ukrainischen Energielieferanten Naftogaz seit 2009 wegen der angeblichen Unterbewertung des Preises für den Gastransit aus Russland entgangen sein. Das sagte Unternehmenschef Juri Vitrenko am Dienstag.

    „Der Preis für den Transit über das ukrainische Territorium wurde um etwa die Hälfte geringer eingeschätzt“, wird Vitrenko von der ukrainischen Nachrichtenagentur Unian zitiert.

    Wie er vorige Woche mitgeteilt hatte, wird Naftogaz sich in der nächsten Zeit mit dem Vorschlag an den russischen Staatskonzern Gazprom wenden, den Tarif für den Gastransit zu revidieren. Sollte Gazprom damit nicht einverstanden sein, droht Naftogaz mit dem Handelsgericht in Stockholm.

    Der ukrainische Versorger hatte sich bereits in Schweden um Tarifrevidierung bemüht. Das Gericht hatte die Ansprüche von Naftogaz damals zurückgewiesen. Das Unternehmen erklärte diese Entscheidung mit der „Nichtübereinstimmung mit den formellen Forderungen des Gerichts“. Die aktuelle Klage werde allen Formalitäten entsprechen, so Vitrenko.

    Das Handelsgericht in Stockholm hatte am 28. Februar einer Klage von Naftogaz gegen Gazprom stattgegeben und den russischen Energiekonzern verpflichtet, Naftogaz 2,56 Milliarden US-Dollar als Ausgleich zu zahlen – Russland habe weniger Gas durchgeleitet als vereinbart.

    Zudem müsse Gazprom ab März wieder Erdgas zu dem im Dezember festgelegten Preis an die Ukraine liefern. Das Gericht verpflichtete die Ukraine, 2018 mindestens fünf Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas zu kaufen.

    Der russische Konzern kritisierte das Gerichtsurteil als „asymmetrisch“ und beschloss, alle seine Verträge mit dem ukrainischen Versorger Naftogaz vor dem Internationalen Schiedsgericht in Stockholm zu kündigen. Daraufhin weigerte sich Gazprom, Naftogaz kurzfristig wieder Gas zu verkaufen, und überwies eine Vorauszahlung aus Kiew für März zurück. Es fehlten die nötigen Zusatzverträge, begründete Gazprom die Entscheidung. Gazprom-Vorstandschef Alexej Miller erklärte am vergangenen Freitag, dass der Konzern die ökonomischen Probleme der Ukraine nicht auf seine Kosten lösen werde.

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    Tags:
    Preis, Klage, Gastransit, Kompensationen, Gasstreit, das Stockholmer Schiedsgericht, Naftogaz, Gazprom, Russland, Ukraine