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    „Rechts gewinnt, weil Links versagt“: Warum wir keine linke Alternative haben

    © REUTERS / Axel Schmidt
    Politik
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    Bolle Selke
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    Die AfD liegt in der neusten Umfrage des Instituts YouGov bei 16 Prozent. Gleichauf mit der SPD. Passend dazu heißt das neue Buch von Roberto De Lapuente: „Rechts gewinnt, weil Links versagt.“ Die Linke vergeudet zu viel Energie damit, ständig den Systemwechsel ausrufen zu wollen, meint der Autor.

    „Wir leben in einer Zeit, in der wir linke Politik brauchen. Wir brauchen einen Linksschwenk“, sagt De Lapuente im Sputnik-Interview. Leider würde Links auf zwei Ebenen versagen, so der Mitherausgeber des Weblogs „Neulandrebellen“. Die SPD habe versagt, weil sie sich ins neoliberale Lager verabschiedet habe und eigentlich klassisch linke Vorstellungen aufgegeben habe. Wenn man aber das gesamte Spektrum der politischen Linken sehe, dann würde sich diese in „moralische Rigorosität und in den Narzissmus verirren, eigentlich die Welt besser zu verstehen, als es der Rest der Menschheit tut“.

    Damit schrecke man die Bürger davor ab, links zu wählen. De Lapuente erklärt: „Tatsächlich würde ich nach wie vor die SPD als normative linke Partei sehen, zumindest was die Herkunft betrifft. Den Namen der Linkspartei sehe ich ein bisschen als eine Bürde. Für mich ist die Linkspartei eigentlich ursächlich eine sozialdemokratische Partei. Das Problem mit der Linkspartei ist heute, dass man da einen Streit der Richtungen hat, der zwischen so einer Art Realos und Fundis herrscht. Da gibt es einerseits die mehr sozialdemokratischen Linken und dann gibt es jene, die dann im ‚Fundi-Lager‘ wildern gehen. Die dann Parolen aus dem Antifa-Lager, bei den Antideutschen, bei Esoterikern und so weiter verwenden. Diese letztere Gruppe ist, auch wenn sie eigentlich relativ klein im linken Segment ist, doch sehr laut. Ich würde nicht sagen, dass sie eine große Deutungshoheit haben. Sie beeinflussen aber auch Leute in der Linkspartei. Das alles macht Links aus. Und ich glaube, dass diese letztere Gruppe die Linke runterzieht und dafür sorgt, dass wir keine Linksalternative in dieser Gesellschaft haben, obwohl wir sie jetzt dringend bräuchten.“

    Am Aufstieg der AfD sei im Wesentlichen die Sozialdemokratie schuld. Die SPD habe sich über Jahre verweigert, die Alternative für Deutschland sein zu wollen. „Deswegen haben wir jetzt eine Alternative für Deutschland, und zwar eine falsche.“

    In seinem Buch „Rechts gewinnt, weil Links versagt“ bezieht sich De Lapuente einige Male auf die Figur Jürgen, einen ehemaligen Arbeitskollegen des Autors. Jürgen habe eigentlich in allen möglichen Dingen links getickt und sei auch immer der Meinung gewesen, dass man den Arbeitsmarkt für Arbeitnehmer angenehmer ausgestalten müsse:

    „Also wieder klassische sozialdemokratische Politik machen. In letzter Instanz hat er eben nie die Linken gewählt, weil er sie ständig mit der Antifa, den Antideutschen und diesen sehr radikalen Leuten verwechselt hat. Damit hat er nicht ganz Unrecht. Natürlich distanziert die Linkspartei sich auch nicht wirklich von diesen Leuten. Manche schon, aber im Wesentlichen: Nein. Wenn man sich anguckt, wie viele Leute letztes Jahr die Randale in Hamburg gerechtfertigt haben, dann muss man sich nicht wundern, dass man mit diesen Leuten verwechselt wird.“

    Für den gelernten Industriemechaniker De Lapuente geht es bei linker Politik darum, die Lebensrealität der arbeitenden Menschen zu verbessern. Links heiße massiv die soziale Frage innerhalb des kapitalistischen Systems zu stellen. „Das halte ich immer noch für sehr wichtig. Ich glaube, die Linke vergeudet viel Energie damit, hier ständig den Systemwechsel ausrufen zu wollen“, betont er.

    „Wir brauchen eine Ökonomie, die sich wieder mehr an den Arbeitnehmern ausrichtet. Es ist fast nicht nachvollziehbar, dass dann die AfD gewählt wird, die von ihrer ökonomischen Aufstellung doch völlig neoliberal ist. Die bei Rentnern, Arbeitslosen und Ausländern sowieso sparen will. Das ist natürlich kein Konzept für die Zukunft. Die Linken müssen aufhören, so moralinsauer zu sein. Sie müssen aufhören, ständig zu glauben, dass sie die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Sie müssten viel entspannter sein. Dann wird es über kurz oder lang auch so aussehen, dass die Menschen durchaus linke Alternativen wählen würden“, fasst der Autor abschließend zusammen.

    Das Buch „Rechts gewinnt, weil Links versagt“ ist im Westend Verlag erschienen.

    Das komplette Interview mit Roberto De Lapuente zum Nachhören:

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    Tags:
    Alternative, Neoliberalismus, Kapitalismus, Fundis, Antifa, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Die LINKE-Partei, SPD, Roberto De Lapuente, Westend, Deutschland
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