22:42 17 November 2018
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    Stahlkocher (Symbolbild)

    Minister: China wird sich hart gegen den Handelskrieg wehren

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    Politik
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    Ein Handelskrieg zwischen China und den USA birgt laut Chinas Minister für Kommerz, Zhong Shan, die Gefahr einer globalen Finanzkatastrophe in sich. „In diesem Krieg wird China kein Aggressor sein, sondern Versuche fortsetzen, einen Dialog mit Washington anzubahnen.“

    So reagierte Zhong auf die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, die Einfuhr von Stahl und Aluminium mit einem Zoll von entsprechend 25 bzw. 10 Prozent zu belegen. Die Regel gilt für alle Länder bis auf Kanada und Mexiko als Unterzeichner des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA). Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass auch diese Länder künftig von den Restriktionen betroffen werden.

    Seinen Beschluss begründete Trump mit dem Wunsch, US-Produzenten zu schützen und Arbeitsplätze in der Branche zu schaffen. Experten befürchten aber einen negativen Effekt dieses Schrittes. Nach Berechnungen der nicht kommerziellen Organisation Tax Foundation, die sich mit Analysen der Steuer- und Budgetpolitik befasst, werden die neuen Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium die US-Wirtschaft jährlich rund neun Milliarden Dollar kosten.

    2017 hatten die USA Stahl im Gesamtwert von 29 Milliarden Dollar importiert. Wäre diese Menge mit dem 25-prozentigen Einfuhrzoll belegt worden, hätte die Gesamtsteuer 7,3 Milliarden Dollar betragen. Bei Aluminium hätte der Einfuhrzoll bei 1,7 Milliarden Dollar gelegen. Im Endeffekt hätten die Verbraucher die gesamte Steuerlast von neun Milliarden Dollar tragen müssen, so Tax Foundation.

    Professor Huang Weiping vom Wirtschaftsinstitut der Volksuniversität Chinas sagte dazu in einem Sputnik-Interview:

    „Ein Handelskrieg zwischen China und den USA wird die Finanzströme kaum gefährden, denn beide Länder sind zwei große Wirtschaften und China weist stabil einen Aktivsaldo der Zahlungsbilanz auf. Vielmehr dürfte diese Situation einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen, da sich die beiden Länder nicht vom Prinzip des freien Handels, sondern vom Prinzip gegenseitiger Sanktionen würden leiten lassen. So könnte ein beliebiges Land künftig beliebige Sanktionen verhängen und die Ordnung im globalen Handel als Ganzes ruinieren. Das würde wohl das Schlimmste sein, was es gibt. Man muss sich darüber klar werden, dass es äußerst kompliziert ist, die Spielregeln zu konzipieren. Dagegen ist es immer leicht, alles zu zerstören… China hat keine Absicht, diese Spielregeln zu verletzen, während die USA gerade das anstreben.“

    Mobilisieren USA nun Kräfte gegen China im Handelskrieg?
    © Sputnik / Vitaliy Podvitskiy
    Mobilisieren USA nun Kräfte gegen China im Handelskrieg?

    Minister Zhong sagte nicht, welche Gegenschritte China unternehmen wird. Dagegen sind einige andere Länder bereits konkreter geworden. Die EU will Einfuhrzölle auf mehrere US-Produkte wie Motorräder, Schnellboote, Jeans, Kosmetika, Whisky, Apfelsinensaft oder Mais verhängen und eine Klage bei der Welthandelsorganisation (WTO) einreichen. Auch Japan plant eine ähnliche Klage, wie Wirtschaftsminister Hiroshige Seko bestätigt hat.

    Die USA und einige andere Länder befürchten einen technologischen Durchbruch Chinas und versuchen nach Kräften, den Transfer hoher Technologien ans Reich der Mitte zu verhindern. Unter dem Vorwand des Schutzes der nationalen Sicherheit blockieren die US-Behörden groß angelegte Deals zur Fusion von US-Unternehmen mit Partnern in China. So hatten die US-Behörden im Oktober 2017 den Verkauf des Chip-Herstellers Lattice Semiconductor für 1,3 Milliarden Dollar an den chinesischen Konzern Canyon Bridge Capital Partners gestoppt.

    Eine tragbare Variante zur Lösung des Problems des Handelsbilanzdefizits wäre für die Administration von Präsident Trump eine Aufstockung der Lieferung von Fertigerzeugnissen wie Autos, Flugzeugen oder Agrarprodukten an China. Aber angesichts des Handelskrieges könnte China ausgerechnet diese Produkte mit Sperrzöllen belegen. In diesem Fall würde die militante Rhetorik früher oder später in eine Sackgasse führen. Dann könnten die Seiten Konsultationen und Verhandlungen über die Beilegung des Handelsstreits wieder aufnehmen.

     

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    Tags:
    Abwehr, Handelskrieg, Zhong Shan, USA, China