19:08 18 November 2018
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    Teststart des Raketensystems S-400 (Symbol)

    Neuentwicklung S-500: Luftabwehr mit „spezifischen russischen Erfahrungen“

    © Sputnik / Ruslan Kriwobok
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    Das Luftabwehrsystem S-500, dessen Produktion in Russland beginnt, hat laut Experten keine direkten Pendants weltweit und ist auch seinen russischen Vorläufern deutlich überlegen.

    Der Analyst Ilja Kramnik schreibt in einem Kommentar für die Zeitung „Iswestija“: „Die angekündigten Parameter des S-500-Systems sind ziemlich hoch. Dazu zählen unter anderem die Reichweite von bis zu 600 Kilometern und die Möglichkeit, ballistische Mittelstreckenraketen und Wiedereintrittskörper von Interkontinentalraketen in der Endphase ihres Flugs abzuschießen.“

    Wie Kramnik unterstreicht, soll es möglich sein, das S-500-System in eine einheitliche Struktur mit anderen Luftabwehrwaffen zu integrieren, um konzentrierte Gebiete der Luft- und Raketenabwehr aufzubauen.

    Der Experte erläutert, es sei aus geographischen Gründen „unmöglich und sinnlos“, einen lückenlosen Raketenschild für ganz Russland aufzubauen. Das Ziel des geplanten S-500-Einsatzes sei anders. Es gehe eben darum, Gebiete mit kritisch wichtigen Infrastruktur- und Militäranlagen vor einem plötzlichen Angriff sicher zu schützen. Mit dem S-500-System könne zum Beispiel die Raketenabwehr Moskaus effizienter werden. Möglich sei auch ein besserer Schutz für landgestützte Standorte russischer Atomraketen sowie für Marinestützpunkte und Industriegebiete.

    Laut Kramnik hat das S-500-System vorerst keine direkten Pendants im Ausland: „Manche seiner Parameter ermöglichen einen Vergleich mit THAAD, einige weitere mit Aegis oder mit dem israelischen Arrow. Generell finden die spezifischen russischen Luftabwehr-Entwicklungserfahrungen im S-500-System ihren Ausdruck. Seit Mitte der 1940er Jahre wurde hierzulande vom Postulat eines möglichen Kriegs mit einem Gegner ausgegangen, der eine ernsthafte Luftüberlegenheit hat. Dies lässt deutlich mehr Wert auf die Luftabwehr legen.“

    Zusätzlich weist Kramnik auch auf mögliche Exportaussichten hin: „Luftabwehrsysteme – von S-400 bis hin zu tragbaren Boden-Luft-Raketen und kleinkalibrigen Flaks – machen stabil einen wesentlichen Teil der russischen Waffenexporte aus. Die S-500-Produktion wird das Interesse für das russische Angebot auf diesem Markt wahrscheinlich weiter schüren. Allerdings wird diese Waffe nicht billig sein.“

    Der russische Militärexperte Viktor Baranez hatte zuvor gegenüber Sputnik gesagt: „Ist der Vorläufer S-400 in der Lage, Ziele in der Atmosphäre (also in einer Höhe von weniger als 100 Kilometern) abzuschießen, so kann das S-500-System bereits in den erdnahen Weltraum ‚greifen‘. Nach Angaben ausländischer Analytiker, die mit Hilfe von Satelliten unsere Teststarts beobachten, sei das S-500-System bereit, ballistische Interkontinentalraketen eines Gegners in einer Höhe von bis zu 600 Kilometern abzufangen. Es ist auch fähig, Hyperschall-Ziele abzuschießen, die mehr als fünfmal so schnell wie der Schall fliegen. Das S-500-System soll außerdem fähig sein, gegnerische Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen zu zerstören.“  

    „Eigentlich kann man sagen: Sobald die Armee das S-500-System in Dienst stellt, wird es zu einem der maßgeblichen Elemente der russischen Raketenabwehr“, prognostizierte Baranez. Russlands stellvertretender Luftwaffenchef Viktor Gumenny hatte im Oktober angekündigt, die S-500-Lieferung an die Streitkräfte beginne voraussichtlich ungefähr gegen 2020. Vizepremier Dmitri Rogosin sagte der Zeitung „Kommersant“ Ende Februar, die S-500-Produktion habe bereits begonnen.

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    Tags:
    Waffenexporte, Vergleich, Produktion, Rüstung, Sicherheit, Luftabwehrsystem THAAD, Luftabwehr-Raketensystem S-500, Russland