02:15 26 April 2018
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    KGB-Oberst zu Fall Skripal: „Töten im Ausland ist seit der Stalin-Zeit Tabu“

    © Sputnik / Kirill Braga
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    Skripal-Gate: Britischer Doppelagent in London vergiftet (103)
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    Der pensionierte KGB-Oberst Michail Ljubimow zeigt sich erstaunt über den Vorwurf aus London, der im Koma liegende Doppelagent Sergej Skripal sei von den Russen vergiftet worden. Nach den Worten des 83-Jährigen, der viele Jahre in London gearbeitet hatte, ist das Töten im Ausland für den russischen Nachrichtendienst seit den 1950ern tabu.

    „Als Oberst der Auslandsaufklärung des KGB und ehemaliger Abteilungschef kenne ich keinen einzigen Fall, dass wir jemanden getötet haben“, sagte Ljubimow, der in den 1960ern und 1970ern in Großbritannien und in Dänemark als Mitarbeiter der sowjetischen Residentur tätig war, in einem Gespräch mit Sputnik. „Das war sogar direkt verboten.“ 

    Nach den Worten des Geheimdienstveteranen gibt es bei den russischen Nachrichtendiensten seit Mitte des 20. Jahrhunderts keine Abteilung, die sich mit solchen Aktionen befasst. „Sie wurde nach dem Tod Stalins aufgelöst.“

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    Den Vorwurf der britischen Premierministerin Theresa May wies Ljubimow als eine „absurde Erfindung der Engländer“ zurück.

    „Ich wundere mich, dass es immer noch Menschen gibt, die so etwas glauben“, sagte der Ex-KGB-Agent. „Bislang wurde kein einziger Verräter im Ausland umgebracht. Ich kenne persönlich etwa fünf solche Menschen. Sie sind am Leben und rufen mich sogar ab und zu an.“

    Sergej Skripal, einst Oberst des russischen Militärnachrichtendienstes GRU, war 2004 als Agent des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 entlarvt und von einem Militärgericht wegen Hochverrats zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Sechs Jahre später wurde Skripal mit drei weiteren westlichen Spionen gegen zehn vom FBI verhaftete russische Agenten ausgetauscht.

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    Am 4. März dieses Jahres wurden der 66-jährige Skripal und seine Tochter Julia in der britischen Stadt Salisbury bewusstlos aufgefunden und mit Anzeichen einer Vergiftung in ein Krankenhaus gebracht, wo beide ins Koma fielen. Medienberichten zufolge sollen 21 Personen in Mitleidenschaft gezogen worden sein, darunter auch ein Polizist.

    Die britischen Behörden vermuten einen Anschlag. Die genauen Umstände sind noch unklar. Doch Premierministerin Theresa May äußerte am Montag, dass hinter dem mutmaßlichen Giftanschlag „höchstwahrscheinlich“ Russland stehe. May ordnete an, 23 russische Diplomaten binnen einer Woche aus Großbritannien auszuweisen. Schon davor hatten Medien berichtet, dass May Russland die Schuld in die Schuhe schieben wolle.

    Russland weist den Vorwurf zurück. Die russische Regierung erklärte sich bereit, mit den britischen Ermittlern bei der Aufklärung zusammenzuarbeiten, wie dies die Chemiewaffenkonvention vorschreibt. Doch London verweigert Russland aus unklaren Gründen die Einsicht in die Ermittlungsakte. Auch halten die britischen Behörden die Proben der Substanz, mit der Skripal vergiftet sein soll, vor Russland geheim.

    Der britische Außenminister, Boris Johnson, erklärte am Donnerstag, sein Land werde auf Anfrage aus Russland nicht reagieren und keine Proben zur Verfügung stellen. Der russische Außenminister, Sergej Lawrow, rief Großbritannien dazu auf, seinen Verpflichtungen aus der Chemiewaffenkonvention nachzukommen.

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    Tags:
    Militärnachrichtendienst GRU, KGB, Russlands Auslandsgeheimdienst SWR, London, Großbritannien, Russland