16:17 22 April 2018
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    Globaler Wandel: „Der Hauptfehler der Europäer bestand darin, dass…“

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    Politik
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    Die Entwicklungsrichtung der gegenwärtigen Welt unterscheidet sich von den Erwartungen Europas, das in diesem Zusammenhang Rückschläge erlebt. Darauf weist der russische Auslandsexperte Sergej Karaganow hin. Er geht auch auf die Spezifik des europäisch-amerikanischen Verhältnisses ein.

    In einem Interview mit der Zeitschrift „Sowremennaja Jewropa“ sagte Karaganow: „Historisch war Europa 500 Jahre lang das Zentrum der Welt gewesen. Nun hat sich die Situation kardinal geändert. Das Zeitalter Europas, das Zeitalter des Westens, geht zu Ende.“

    Der Experte bescheinigte den Europäern „eine Serie von Fehlgriffen“: „Ihr Hauptfehler bestand darin, dass sie nicht begriffen beziehungsweise nicht begreifen wollten, wo die Welt hinsteuert. Sie verwarfen die Geschichte, indem sie sich selbst für deren Endstation hielten und wähnten, sie hätten die höchste und letzte Entwicklungsphase erreicht. Die Welt steuert indes wieder auf eine ‚normale‘ Politik zu, auf eine Geopolitik. In der Welt finden Vorgänge statt, die Europa vor 200 bis 300 Jahren erlebt hatte. Die Geschichte ist unaufhörlich.“

    Angesprochen auf die Rolle der USA sagte Karaganow, Amerika habe Anfang der 1990er Jahre als „absoluter Hegemon der Welt“ dagestanden, dann aber eine Reihe von Rückschlägen erlebt. Die Kriege in Afghanistan, im Irak und in Libyen seien politisch verloren worden: „Die Finanzkrise 2008 zeigte, dass jenes wirtschaftliche Modell, das die USA der Welt anboten, nicht ganz funktionstüchtig war. Die Erweiterung und die Aufrechterhaltung des US-Imperiums wurden außerdem allzu teuer – sowohl für die US-Elite als auch für einen wesentlichen Teil der US-Bevölkerung.“

    Nun beschäftigen sich die Vereinigten Staaten laut Karaganow mehr mit sich selbst und wenden sich allmählich von Europa ab: „In Europa löst der US-Abgang Panik aus: Jene äußerst komfortable Welt, die die Europäer nicht zuletzt unter dem amerikanischen ‚Schild und Schirm‘ aufgebaut hatten, bricht nun zusammen.“

    „Die zentrifugalen Tendenzen, die in Europa auf gesellschaftlicher Ebene inzwischen zum Vorschein kommen, werden hoffentlich nicht auf einen Zerfall Europas hinauslaufen. Das europäische Projekt hatte lange eine Föderation angesteuert und sich ihr sehr genähert – doch dann waren die Kräfte erschöpft, und zwar wegen der fruchtlosen Erweiterung. Noch dazu sind  manche Mitgliedsländer nicht bereit für einen Integrations-Vorstoß“, so Karaganow.

    „Was die USA und Europa betrifft, gehen die Nähte sowohl militärpolitisch als auch, was am wichtigsten ist, ideologisch-geistig auf. Die USA und die EU bewegen sich in verschiedenen Richtungen. Europa steuert auf mehr Toleranz zu, die Entwicklungsrichtung der Vereinigten Staaten ist anders. Auch die atlantische Welt-Subordnung beginnt offenbar zu bröckeln“, meinte der Experte.

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    Tags:
    Zerfall, Fehler, Krieg, Konflikt, Wandel, Dominanz, EU, Afghanistan, Europa, USA
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