13:53 23 Juli 2018
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    Rückkehr der CIA zur Folter? – Politologe über neue US-Geheimdienstchefin

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    Die Ernennung von Gina Haspel zur neuen CIA-Chefin hat für großes internationales Aufsehen gesorgt. Laut Dr. Thomas Whalen von der Boston University kann dieser Schritt nicht weniger als „eine Rückkehr der CIA zur Folter“ bedeuten.

    In einem Interview für Sputnik erklärte der Bostoner Professor, die Nachricht über die Beförderung von Haspel zur CIA-Chefin sei durch die Ernennung Mike Pompeos zum US-Außenminister und von Skandalen in der Trump-Administration in den Hintergrund gerückt worden. Deshalb sei diese Tatsache in gewissem Sinne ein Anhang zu einem großen politischen Bild gewesen.

    Man dürfe aber nicht vergessen, dass Haspel sich die meiste Zeit ihrer Karriere an geheimen Operationen im Ausland beteiligt habe. Die Geheimdienstoffizierin sei CIA-Vizechefin gewesen und habe ein Geheimgefängnis in Thailand geleitet, wo anscheinend die Folter angewandt wurde. Und dies sei wichtig, weil Trump offenbart habe, er wolle in den USA wieder die Wasserfolter sowie die Folter insgesamt einführen, so Whalen.

    „Im politischen Sinne sieht die Ernennung einer Frau zur CIA-Chefin nicht schlecht aus und durchbricht eine gläserne Decke in der US-Regierung. Gleichzeitig hat Haspel ein hohes Ansehen im Geheimdienst. Trump verfügt momentan über kein Vertrauen in der Regierung und ihren Agenturen und das könne ein Schritt zur Bildung dieses Vertrauens sein, was der Trump-Administration, ehrlich gesagt, fehlt“, ist Whalen sicher.

    Bezüglich der Tatsache, dass Haspel ein Geheimgefängnis geleitet hatte, merkte Whalen an, dass diese Geschichte jetzt langsam ans Tageslicht käme. Sie habe dieses Gefängnis in Thailand geleitet und sei dafür verantwortliche gewesen, dass zwei Insassen einer Wasserfolterung unterzogen wurden. Einer von ihnen sei anscheinend über 50 Mal im Gefängnis auf diese Weise gequält worden. Er habe ein Auge verloren, weil er mit dem Kopf gegen eine Wand geschlagen worden sei. Über diese Anwendung von Foltermethoden hätten Videoaufnahmen existiert, die Haspel jedoch zerstört haben soll. Sie behauptete, dass dies unabsichtlich passiert sei.  So werde das berichtet und das sei sehr beunruhigend, so der US-Politologe weiter.

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    © Foto : danieleganser.ch/ Christoph Hardt
    Zu den Hemmnissen, die Haspels Bestätigung im Amt verhindern könnten, zählen laut Whalen ihre Leitung des Geheimgefängnisses sowie Meinungsunterschiede in Bezug auf den Abu-Ghuraib-Folterskandal unter Präsident George W. Bush. Es gebe auch ein Problem mit denAnhörungen vor der Bestätigung. Es würden Fragen gestellt, Menschen würden etwas ausschnüffeln und das könne die Trump-Administration in eine unangenehme Lage bringen. Whalen vertritt die Meinung, es könne ein schwerer Kampf sein, um eine Bestätigung und Ernennung dieser Kandidatin zu erreichen.

    „Die Ernennung von Haspel kann eine Rückkehr der CIA zu einer harten Verhandlungspraxis oder zu dem, was die anderen als gewöhnliche Folter bezeichnen, bedeuten. Das zeigt, dass Trump versucht, die CIA anscheinend  nach seinem eigenen Bild zu stärken“, so Whalen.

    Während seines Wahlkampfs habe Trump offen gesagt, die CIA habe ihre Stärke für das Foltern verloren und dies habe ihre Kapazitäten zur geheimdienstlichen Informationssammlung beeinträchtigt. Das sei eine sehr widersprüchliche Behauptung und sie werde viele Diskussionen bei der Anhörung zur Amtsbestätigung entfachen, fasste Whalen zusammen.

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    Tags:
    Anhörungen, Kapazitäten, Verhandlungen, Kampf, Skandal, Bestätigung, Video, Vertrauen, Regierung, Gefängnis, Ausland, Ernennung, Geheimdienst, Politologe, Folter, US-Regierung, CIA, George H. W. Bush, Donald Trump, Mike Pompeo, Boston, Irak, Thailand, USA
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