05:41 26 April 2018
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    Ermittler am Ort des Attentats in Salisbury

    Mysterium um „Nowitschok“: Das Gift hat keine geografische Herkunft – Experte

    © REUTERS / Henry Nicholls
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    Natalia Pawlowa
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    Laut London soll eine als „tödlichstes je erfundenes Nervengift“ bezeichnete Substanz den Ex-KGB-Agenten Skripal getötet haben. Fast. Russland sei der Schuldträger. Höchstwahrscheinlich. In einem Interview erklärt Anton Utkin, Chemiewaffen-Experte und ehemaliger UN-Inspekteur im Irak, wieso sich die Herkunft des Gifts jedoch nicht bestimmen lässt.

    „Alle Informationen über diesen Stoff haben wir von Massenmedien bekommen. Ich habe kein einziges ernsthaftes Dokument hinsichtlich der Eigenschaften von diesem „Nowitschok“ gesehen. 17 Jahre lang befasste ich mich mit der Vernichtung russischer Chemiewaffen und ich leitete ein Team, das alle Technologien zur Vernichtung von Chemiewaffen in Russland entwickelt hat. Ich kann sicher behaupten, dass Verbindungen wie „Nowitschok“ und ähnliche Stoffe, deren Formeln im Internet zu finden sind, nie im Dienstgebrauch der Russischen Föderation gewesen sind.“

    Der Experte beschrieb, auf welche Art die Analyse einer Substanz erfolgt. Soll bewiesen werden, dass diese Substanz eingesetzt wurde, müsse eine neue Probe synthetisiert werden. Diese werde dann mit der Probe vom Tatort verglichen. Nehmen wir an, dass es den Briten gelungen ist, eine Substanzprobe zu synthetisieren und Schlussfolgerungen zu ziehen. Dies ist allerdings dem Experten zufolge praktisch unmöglich, weil seit dem Vorfall zu wenig Zeit vergangen ist. Trotzdem wurden sofort Vorwürfe gegen Russland laut. Die Frage ist nun: Wie kann die Herkunft der giftigen Substanz festgestellt werden?“

    „Es gibt nur eine Methode, nämlich die Analyse der Verunreinigungen, die bei der Herstellung einer giftigen Substanz oder einer anderen Chemikalie entstehen. Sie geben Aufschluss über die Technologie, mit der diese Chemikalie erzeugt wurde. Es können jedoch keine Rückschlüsse auf die geografische Herkunft dieses Stoffes gezogen werden. Überall auf der Welt kann eine Chemikalie mit derselben Technologie generiert werden und die Verunreinigungen werden zu 99 Prozent ähnlich sein.“

    Britische Experten begründen ihre Schlussfolgerungen folgendermaßen: Da diese „mythische Substanz“ einmal in Russland erfunden wurde, sei Russland für alle Vergiftungen auf der Erde verantwortlich. Genauso gut könnte man Russland für den Tod aller Menschen verantwortlich machen, die mit einem Kalaschnikow-Maschinengewehr erschossen wurden, weil diese Waffe in der Sowjetunion erfunden wurde, so der Experte.

    Laut der britischen Seite steht Russland hinter dem mutmaßlichen Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia in der britischen Stadt Salisbury vom 4.März dieses Jahres. Bis dato sind noch immer keine Beweise für die Beteiligung Russlands an der Vergiftung von Skripal vorhanden.

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    Tags:
    Doppelagent, Gift, Vergiftung, Chemiewaffen, Hauptverwaltung für Aufklärung beim Generalstab der russischen Streitkräfte GRU, Britischer Geheimdienst MI6, Sergej Skripal, Salisbury, Großbritannien, Russland