11:51 21 April 2018
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    USA-Russland-Beziehungen (Symbolbild)

    Schlechter geht es nicht: Katastrophe USA-Russland vermeiden – Expertenrunde

    © Sputnik / Konstantin Chalabov
    Politik
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    Nikolaj Jolkin
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    Die Zusammenarbeit mit Washington ist bereits so schlecht, dass es kaum schlimmer werden kann. Es ist ja unmöglich, tiefer als bis auf den Boden zu fallen. So kommentierte Kremlsprecher Dmitri Peskow die eventuelle Verschlechterung der russisch-amerikanischen Beziehungen unter dem künftigen Außenminister Mike Pompeo.

    Andrej Kokoschin, Dekan der Fakultät für Weltpolitik an der Lomonossow-Universität in Moskau wies während einer Expertenrunde in der Nachrichtenagentur Rossija Segodnja darauf hin, dass es auch schlimmere Zeiten gab. Er erinnerte an die Kubakrise, bei der die damalige Sowjetunion und die USA nahe daran waren, Atomwaffen einzusetzen. „Dabei wären nicht weniger als 100 Millionen Menschen umgekommen."

    Heute sei sich in den USA die überwiegende Mehrheit der Politiker, so der Experte, und vor allem der Militärs durchaus bewusst, „dass, ist einmal ein großer Krieg zwischen Russland und den USA ausgebrochen, er mit der allgemeinen Vernichtung und dem Untergang der menschlichen Zivilisation enden muss. Zwar sind unsere Beziehungen schlecht, und sie können sich noch verschlechtern, aber beide Länder müssen ihr Bestes tun, damit es nicht so weit kommt."

    US-Kongress (Archiv)
    © AFP 2018 / MANDEL NGAN

    Es gebe Aussichten auf eine Verbesserung des Verhältnisses, behauptet Kokoschin. „Dazu wird es allerdings einer längeren Zeit und sehr großer Anstrengungen bedürfen. Wenn man in der Geschichte Beispiele sucht, so mag die Sowjetunion in den 1960er und Anfang der 1970er Jahre noch so stark über den amerikanischen Imperialismus wegen des Vorgehens in Vietnam geschimpft haben, unter der Hand wurde aber an einem Vertrag über strategische Waffen gearbeitet."

    Was aber Pompeos Ernennung anstelle Tillerson betrifft, will Trump nun laut Andrej Sidorow, dem Leiter des Lehrstuhls für internationale politische Prozesse an der Moskauer Lomonossow-Universität, die Außenpolitik selbst in die Hand nehmen. „Tillerson ist nämlich für ein gewisses Projekt gewählt worden, das Trump und eine kleine Gruppe derjenigen im Sinne hatten, die eine Übereinkunft mit Russland für möglich hielten. Tillerson passte Trump für diese Zwecke. Daraus ist aber nichts geworden."

    Mike Pompeo sei dagegen ein Mann Trumps, fährt der Politikwissenschaftler fort, und zu seinen Aufgaben gehöre jetzt die Vorbereitung des Treffens zwischen Trump und Kim Jong-un, da Trump das Verhältnis zu ihm als seinen Sieg ansehe. Anschließend solle dann eine Brücke zu China geschlagen werden. Pompeo habe mehrmals geäußert, Russland sei zwar für Amerika gefährlich, aber China sei die Hauptgefahr.

    Der Politologe prophezeit in nächster Zukunft eine wirtschaftliche Kollision zwischen den USA und China. Was aber Russland angeht, weist der Experte auf die Gefahr seines Zusammenstoßes mit Amerika in Syrien hin — wegen der Absicht der USA, einen Schlag gegen Damaskus zu führen aufgrund der Beschuldigung, Assad würde chemische Waffen einsetzen. Dabei hat ein Sprecher des russischen Generalstabs erklärt, in diesem Fall würde die Reaktion Russlands nicht nur im Abschuss amerikanischer Raketen bestehen, sondern auch in einem Schlag gegen ihre Träger. Dabei sollten Flugzeuge und eventuell auch Schiffe angegriffen werden.

    „Dies wäre aber bereits der Beginn eines Krieges", so der Leiter des Zentrums für politisch-militärische Studien, General Jewgeni Buschinski. Er ist der Meinung, dies sei durchaus ernst zu nehmen, und hofft, es werde doch nicht so weit kommen. „Mich beruhigt der Umstand, dass es in der amerikanischen Administration viele Militärs gibt. So seltsam es klingen mag, ist die ausgeprägteste Taube darin der Verteidigungsminister Mattis, auf den Trump hört und der die eifrigen Politiker in der Administration und im Nationalen Sicherheitsrat immer wieder zügelt, wenn sie dazu auffordern, Russland in seine Schranken zu weisen und zu bestrafen, und Amerikas Stärke und Führerschaft zu demonstrieren."

    Im jüngsten Gespräch von Russlands Generalstabschef Valeri Gerassimow mit seinem amerikanischen Amtskollegen Dunford über Syrien wurde eingehend erläutert, so der Militärexperte, „was Russland unternehmen will, falls sich die Amerikaner zu einem Schlag gegen Damaskus entscheiden. Trotz allem verstehen die Militärs besser als die Politiker, was ein Krieg ist. Viele US-Generäle verfügen über die Erfahrung von Verlusten, welche die erhitzten Gemüter beschwichtigt."

    Die von Putin vorgeführten Muster von zukunftsträchtigen russischen Waffen wurden laut General Buschinski für die Amerikaner zu einer Offenbarung, darunter auch die Unterwasserdrohne, die über dem Atlantik und im Pazifischen Ozean einen Tsunami auslösen kann und fähigist, die Ost- wie die Westküste der USA blank zu fegen. „Nun beruhigen sie ihre Bevölkerung, ihr Sonarsystem (Tactical Towed Array Sonar — Anm. d. Red.) würde alles erkennen, alles verhindern, alles abfangen, während solide Leute aber verstehen, wie ernsthaft dieses Signal ist."

    Die Experten waren sich darüber einig, dass eine Kollision in Syrien für beide Seiten unerwünscht wäre, und dass man sich mit den Amerikanern darauf einigen wird, sie auszuschließen.

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    Tags:
    Unterwasser-Drohne, Atomkrieg, Rex Tillerson, Mike Pompeo, Donald Trump, Syrien, USA, Russland
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