05:21 13 November 2018
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    der deutsche Außenminister Heiko Maas in Brüssel

    Berlin lässt London im Stich: Den Briten bleiben nur noch Oligarchen

    © AFP 2018 / JOHN THYS
    Politik
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    Iwan Danilow
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    Dass die Bundesregierung deutsche Wirtschaftsinteressen nicht opfern würde, um die Umfragewerte von Theresa May aufzupäppeln, war absehbar. Etwas ganz Neues in Großbritannien ist aber, dass die Londoner City auf die Politik der britischen Premierministerin unverfroren pfeift. Aber es gibt ja noch die russischen Schwerreichen.

    Was hat der mutmaßliche Giftmord an dem Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und seiner Tochter mit dem Bau der Ostsee-Gasleitung Nord Stream 2 zu tun? Gar nichts – so sieht es offenbar der neue deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD). Auf die Frage, ob Deutschland den Bau der Pipeline wegen des mutmaßlichen Anschlags auf Skripal verhindern werde, sagte er auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem polnischen Amtskollegen Jacek Czaputowicz, die Vergiftung und die Gasleitung seien zwei Paar Schuhe. Mehr noch: Nord Stream 2 sei ein Vorhaben von Firmen, ein rein wirtschaftliches Projekt.

    Außenminister Maas hat also deutlich zu verstehen gegeben, dass die neugebackene Bundesregierung für Theresa Mays politische Ambitionen nicht geradestehen will. Und dies vor dem Hintergrund, dass US-Senatoren erst letzte Woche das US-amerikanische Finanz- und Außenministerium erneut aufgefordert hatten, Nord Stream 2 zu stoppen.

    Auffällig ist aber etwas anderes: Auch die mächtigen Finanzeliten scheinen sich auf die Anti-Russland-Propaganda Londons und Washingtons nicht einzulassen – sie ignorieren diese geradezu. Denn gerade dann, als die antirussische Hysterie in Großbritannien ihren Höhepunkt erreicht hat, hat der russische Staat Eurobonds ausgegeben.

    Die Überraschung: 49 Prozent dieser Staatsanleihen sind von britischen, 20 Prozent von US-amerikanischen Investoren erworben worden, wie die russische Staatsbank VTB (zuständig für die Emission der Wertpapiere) mitteilt. Mit ihrem Geld zeigen die Anleger, wo sie stehen. Und ihre Position unterscheidet sich offensichtlich von den Interessen jener Kreise, die die russlandfeindliche Hysterie im Westen immer weiter vorantreiben.

    An Russlands totale Isolation durch mögliche weitere Sanktionen glauben die Finanzinvestoren offenbar auch nicht – das zeigt deren Interesse an den russischen Staatsanleihen auch. Sonst müssten die Eurobonds eine ganz andere Rendite abwerfen, auch hätten nicht so viele britische und amerikanische Anleger die Wertpapiere erworben.

    Wenn es so weitergeht, wird die britische Regierung die Geschichte mit der Vergiftung Skripals höchstens dafür ausnutzen können, von den drohenden Milliardenverlusten abzulenken, die wegen des Brexits anstehen. Nur gut, dass den Politikern in London noch das britische Vermögen bestimmter Geschäftsleute bleibt – jener mit einem russischen Pass, einer dubiösen Vergangenheit und einem goldenen Konto. Die entsprechende Liste mit Schlössern, Villen und Luxushäusern kursiert jedenfalls schon durch die britischen Medien.

    Wenn schon Theresa May keinen Zugriff zur russischen Wirtschaft oder Nord Stream 2 erhält, dann kann sie die Causa Skripal doch wenigstens dafür nutzen, das britische Budget mit dem Geld russischer Oligarchen aufzufüllen. Großbritanniens Ruf als einem sicheren Hafen für jedwedes Vermögen mit einer schwierigen Herkunft würde dies zwar ordentlich schaden – wie auch dem britischen Immobilienmarkt. Aber man wird den Verdacht nicht los, dass die britische Regierung in ihrer Sackgasse, in die sie sich selbst geführt hat, nur noch nach schnellem Geld und PR-Erfolg lechzt, ohne Rücksicht auf langfristige Folgen, wie auch immer diese sein mögen.

    *Die Meinung des Autors muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen

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    Tags:
    nationale Interessen, Stopp, Hysterie, Zugriff, Vergiftung, Sanktionen, Nord Stream 2, EU, Sergej Skripal, Theresa May, Heiko Maas, Deutschland, USA, Russland