16:12 24 April 2018
SNA Radio
    US-Soldat in Bagdad, Irak

    15 Jahre US-Invasion im Irak – Ursachen und Folgen

    CC BY 2.0 / The U.S. Army / iraq
    Politik
    Zum Kurzlink
    5857

    Am 20. März jährt sich die Invasion des Iraks durch die US-Truppen zum 15. Mal. Der Einmarsch im Jahr 2003 wurde von Washington auf die Notwendigkeit zurückgeführt, gegen das Terrornetzwerk Al Qaida zu kämpfen und eine demokratische Ordnung im Irak herzustellen.

    Nach den verheerenden Terroranschlägen vom 11. September 2001 erklärten die USA, dass in der Sphäre ihrer nationalen Interessen jetzt die ganze Welt liegt. Die Amerikaner gingen davon aus, dass das Terrornetzwerk persönlich vom irakischen Präsidenten Saddam Hussein unterstützt wird. Später stellte sich heraus, dass Al Qaida im Irak nicht präsent war. Mehr noch. Die Zahl der Terroranschläge nahm nach der Invasion um ein Mehrfaches zu. Experten glauben, dass ausgerechnet die US-Invasion die Entstehung der Terrormiliz Daesh (Islamischer Staat) und eine Zuspitzung der Lage im Land zur Folge hatte.

    „Bei der Invasion des Iraks 2003 wurde den Sicherheitskräften, der Aufklärung und der Armee des Landes ein schwerer Schlag versetzt“, sagte Riyad Saidawi, Leiter des Arabischen Forschungszentrums in Genf, in einem Sputnik-Interview. „An ihrer Stelle bildete sich ein Vakuum. Zur Abwehr der Okkupanten wurde im Irak eine Widerstandsbewegung ins Leben gerufen. Extremisten nutzten die Gelegenheit, mehr Anhänger in ihre Reihen anzuheuern und Waffen zu beschaffen.“

    Der Experte fügte hinzu, dass die Amerikaner extrem starke Spannungen und Konfrontation in der irakischen Gesellschaft provoziert hatten, vor allem auf konfessioneller Ebene. Gewalt sei ausgeufert, was die Extremisten zu ihrem Gunsten genutzt hätten. Eine ähnliche Situation habe es später in Tunesien, Libyen, Syrien und Ägypten gegeben, sagte Saidawi.

    Ahmed Ban – ägyptischer Experte für Extremistengruppierungen – teilte mit, dass die amerikanische Invasion eine Annäherung zwischen der Widerstandsbewegung, Teilen der irakischen Armee sowie salafistischen und dschihadistischen Gruppierungen zur Folge hatte. Im Ergebnis entstand die berühmt-berüchtigte Organisation Daesh, die einen Großteil des Iraks unter ihre Kontrolle brachte und auch über die Grenzen des Landes hinaus aktiv wurde.

    „Verbrechen der Amerikaner im Irak inspirierten Daesh zu Racheakten. Gerade die Rache wurde zu einer Plattform für die Gründung der Daesh-Miliz“, sagte der ägyptische Experte.

    Dem irakischen Politiker Mahmud Anwar zufolge sind die USA offizieller Sponsor des Terrorismus im Irak und in aller Welt. „Sie tun das direkt oder über ihre Verbündeten. Wir haben die Worte von Ex-US-Außenministerin Hillary Clinton nicht vergessen, wonach die US-Regierung Kontakte zu Daesh gehabt habe und es jetzt an der Zeit sei, diese Zusammenarbeit einzustellen“, sagte er.

    Als zweiter Grund für die US-Präsenz im Irak gelten Massenvernichtungswaffen: Der damalige US-Außenminister Colin Powell „bewies“ im Weltsicherheitsrat, dass der Irak in Verletzung entsprechender UN-Resolutionen Atom- und Chemiewaffen besitzt.

    „(Präsident Donald) Trump hatte während seiner Wahlkampagne darauf hingewiesen, dass die Irak-Operation (für die USA) eine Niederlage war“, fuhr Mahmud Anwar fort. „Mehrfach wurde erklärt, dass Hussein keine Massenvernichtungswaffen hatte. Aber die Amerikaner haben auch nicht nach diesen Waffen gesucht. Sie brauchten einen Vorwand, nur um den Irak zu vernichten.“

    Dritter Grund für die Invasion waren der Krieg gegen die Tyrannei und die Durchsetzung der Demokratie. Gerade auf dieser Basis wurde eine umfassende Medienkampagne unter den US-Bürgern zur Unterstützung der Invasion gestartet. Dabei verschwiegen die Medien die Tatsache, dass der Einmarsch im Hinblick auf das Völkerrecht gesetzwidrig war.

    Der irakische Außenpolitiker Abdel Salam al Hatimi sagte in einem Sputnik-Interview, die USA hätten erklärt, dass der Irak Massenvernichtungswaffen weiter produziere, wenngleich eine Gruppe von Inspekteuren nichts gefunden habe. „Dies lief der UN-Resolution 1441 zuwider“, sagte er.

    Riyad Saidawi stellte mit Bedauern fest, dass sich die internationale Gemeinschaft nicht von der Macht des Gesetzes, sondern vom Gesetz der Macht leiten lässt. „Das spielt den Amerikanern nur in die Hände und ermöglicht ihnen weitere Verbrechen. Aber mit zunehmender Rolle Chinas und Russlands ist jetzt eine schrittweise Änderung der Kräftekonstellation in der Welt zu verzeichnen.

    Dank ihrer Invasion des Iraks konnten die USA die Kontrolle über den globalen Ölmarkt ausbauen. Eine Kette von Kriegen und die Destabilisierung der Lage im Nahen Osten drängte das israelisch-palästinensische Problem in den Hintergrund. Tausende Amerikaner bleiben immer noch im Irak. Bagdad weiß noch nicht, was es mit den Eindringlingen macht. Das Dilemma „Freundschaft oder Vertreibung“ bleibt weiterhin aktuell. Jede politische Bewegung im Irak schlägt einen eigenen Modus für die Lösung des Problems vor. Wer dabei unterstützt wird, zeigten die zum Mai dieses Jahres angesetzten Parlamentswahlen.

    Zum Thema:

    „Chinas Streitkräfte sind dagegen“: Peking protestiert gegen Einmischung aus USA
    Schlechter geht es nicht: Katastrophe USA-Russland vermeiden – Expertenrunde
    USA verhindern Regierungskontrolle über Deir ez-Zor und UN-Bewertungsmission in Rakka
    Tags:
    Vernichtung, Bekämpfung, Terrorismus, Sicherheit, Invasion, Folgen, 9/11, Donald Trump, Irak, USA
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren