04:51 16 August 2018
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    Britischer Ex-Botschafter in Usbekistan Craig Murray (Archivbild)

    Britischer Ex-Diplomat: Wem der Fall Skripal die meiste Dividende bringt

    © AFP 2018 / Carl Court
    Politik
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    Der Ex-Botschafter Großbritanniens in Usbekistan, Craig John Murray, hat in einem Sputnik-Interview seine Sicht auf den Skandal um die Vergiftung des Ex-Doppelagenten Sergej Skripal geäußert und die Handlungen der Regierung in London eingeschätzt.

    Ihm zufolge kommt diese Geschichte in erster Linie der Spionage-Industrie zugute. Die Reaktion aus London „sieht in Vielem faszinierend aus“. „Wenn Theresa May wirklich daran glaubt, dass Skripal Opfer eines Anschlags russischer Behörden war, ist ihre Antwort darauf sehr schwach und inadäquat“, sagte Murray. Die Ausweisung von 23 Diplomaten werde ja niemandem einen großen Schaden zufügen. 

    London habe von Anfang an zu verstehen gegeben, dass es Russland für den Fall verantwortlich machen wolle, wie auch immer die Beweise dafür sein mögen. „Wir wissen aber bislang nicht, was für Beweise das sind.“

    Dabei verwies der Ex-Diplomat darauf, dass die westlichen Länder daran zweifeln, ob das Nervengas Nowitschok überhaupt irgendwann hergestellt worden sei. Vor zwei Jahren habe der Chef des britischen Forschungsgeländes Porton Down einen wissenschaftlichen Artikel publiziert, in dem geschrieben stehe, dass es keine Beweise für die erfolgreiche Synthetisierung von Nowitschok gebe, und dass es sich womöglich nur um ein theoretisches Konzept auf dem Papier handele. 

    „Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen hat diese Substanz gerade deshalb niemals verboten, weil sie keine Beweise hat, dass Nowitschok irgendwann physisch existierte. Und nun behauptet die britische Regierung, dass das Gift anhand seiner Komponenten aufgefunden wurde, die ihrer eigenen Behauptung vor zwei Jahren zufolge niemals existierten“, sagte Murray.

    Ihm zufolge profitiert von dieser Kampagne zur Anheizung der Russophobie, die mit der angeblichen Einmischung Russlands in die Präsidentenwahl in den USA gestartet wurde, die Militär- und Spionage-Industrie. „Dutzende und Tausende Spione sind in der Regierungskommunikationszentrale, in MI6 und MI5 tätig“, sagt der Ex-Diplomat. Rund 100.000 Menschen bedienen diese Organisationen, und alle hätten ihr Finanzinteresse.

    „Das Budget von Porton Down ist im Zusammenhang mit diesen Anschuldigungen bereits um 85 Millionen Pfund erhöht worden. Ein Parlamentsmitglied der Konservativen hat wesentlich mehr Ausgaben für Waffen gefordert. Sie sehen also selbst, wem das Profite verschafft“, sagt Murray weiter. „In alledem ist der Wunsch zu erkennen, die Russophobie im Interesse der Waffenhersteller, der Sicherheitskonsultanten und Spione anzuheizen.“ 

     

    Tags:
    Nervengift, Spione, Experte, Beweise, Geld, Vergiftung, Porton Down, Craig John Murray, Sergej Skripal, Theresa May, Usbekistan, Großbritannien, Russland
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