02:38 20 Oktober 2018
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    US-Truppen in Bagdad unmittlbar nach der Eroberung irakischer Hauptstadt (Archivbild)

    15 Jahre Irak-Invasion: „Mehrere verdeckte Ziele“

    © AFP 2018 / Patrick Baz
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    Der US-Einmarsch im Irak jährt sich am Dienstag zum 15. Mal. Die wahren Ziele der Vereinigten Staaten unterschieden sich damals laut russischen Experten von den deklarierten Motiven.

    Die USA warfen dem damaligen irakischen Herrscher Saddam Hussein vor, Massenvernichtungswaffen zu besitzen und Terrornetzwerk Al-Qaida zu unterstützen. Kirill Semjonow, Experte der russischen Denkfabrik IIR, geht aber davon aus, dass sich die US-Regierung damals hauptsächlich von geopolitischen Kalkulationen leiten ließ.

    „Hatte man die Afghanistan-Invasion zuvor damit motiviert, dass dort Osama bin Laden und die Al-Qaida präsent seien, so war die Invasion im Irak weniger begründet. Doch diese beiden Invasionen sind als Glieder einer Ereigniskette zu betrachten, und zwar als Versuche der USA, eine imperiale Politik im Nahen Osten zu betreiben“, sagte Semjonow dem russischen Auslandssender RT.

    Er meinte, die US-Regierung habe die strategische Lage des Irak berücksichtigt. Dank der US-Truppenpräsenz im Irak und in Afghanistan sei der Iran in die Zange genommen worden. Vom Irak aus sei bei Bedarf auch ein Militäreinsatz gegen Syrien möglich.

    Boris Dolgow, Experte des russischen Orientalistik-Instituts, sagte der Zeitung „Argumenty i Fakty“: „In Wirklichkeit hatten die USA mehrere verdeckte Ziele. In erster Linie ging es darum, einen der mächtigsten arabischen Staaten, die sich den USA und Israel entgegensetzten, niederzuringen und zu zerstören. Die irakische Armee galt damals als eine der stärksten in der Region. Der Irak unterstützte alle palästinensischen Bewegungen, darunter auch die radikalen.“

    „Bei den weiteren Zielen handelte es sich um eine Kontrolle über Erdöl und andere irakische Rohstoffe, aber auch um eine Spaltung der arabischen Welt nach dem Teile-und-herrsche-Prinzip“, so Dolgow.

    Er betonte: „Dabei beschlossen die Amerikaner nicht bloß, Chaos zu stiften und dann im Trüben zu fischen, sondern agierten nach einem konkreten Plan. Dieser sah unter anderem den Aufbau eines schwachen pseudodemokratischen Staates auf den Ruinen des bisherigen Irak vor. Der neue Staat hätte gegenüber den USA völlig loyal und für Israel nicht bedrohlich sein sollen.“

    In Bezug auf die Situation um den Irak sagte der Experte: „Vor allem brauchten sie Baschar Assad zu beseitigen und Syrien als einen Verbündeten des Iran zu vernichten. Eine Machtergreifung durch die sogenannten gemäßigten Islamisten im Irak und dann auch in Syrien hätte den Amerikanern und den Israelis ermöglicht, gegen Teheran erfolgreicher vorzugehen. Geplant war auch eine Fortbewegung des Dschihad in Richtung der mittelasiatischen Staaten und des russischen Südens.“

    Dolgow skizzierte auch die faktischen Ergebnisse des US-Einsatzes: „Der Staat von Saddam Hussein ist vernichtet. An seiner Stelle wurde ein anderer Staat geschaffen, der angeblich demokratisch ist, in facto aber bewusst geschwächt. Offiziell gibt es im Irak Institutionen einer demokratischen Ordnung, doch in Wirklichkeit ist das nur eine Fiktion.“ Der Experte wies auch auf die soziale und Wirtschaftskrise im Irak sowie auf die wuchernde Korruption hin.

    Er sagte weiter, eine maßgebliche Folge des Irak-Kriegs sei eine Stärkung des radikalen Islamismus gewesen. Außerdem sei die Schwächung des Irak auf eine Stärkung des Iran hinausgelaufen. Dessen Einfluss im mehrheitlich schiitisch geprägten Irak habe zugenommen.

    „Im Gegensatz zur Saddam-Zeit ist der Irak kein regionales Machtzentrum mehr. Dies hat die Kräftekonstellation im ganzen Nahen Osten geändert“, schlussfolgerte der russische Orientalist.

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    Tags:
    Islamismus, Einsatz, Invasion, Irak-Krieg, Al-Qaida, Baschar al-Assad, Saddam Hussein, Israel, Nahost, Afghanistan, USA, Iran, Irak