03:57 21 Juli 2018
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    US-U-Boot im Rahmen der arktischen Militärübung ICEX 2018

    „Gewisser Vorteil“ für Russlands Militär in der Arktis

    © AP Photo / MC 2nd Class Micheal H. Lee/U.S. Navy
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    Obwohl weder die USA noch Russland einen Konflikt in der Arktis wollen, bauen sie ihre militärischen Möglichkeiten dort aus, wie ein russischer Analyst feststellt. Den russischen Streitkräften bescheinigt er dabei einen Vorteil in Sachen Infrastruktur.

    Im Hinblick auf die arktische Militärübung ICEX 2018, bei der Atom-U-Boote aus den USA und Großbritannien zum Einsatz kommen, schreibt Analyst Ilja Kramnik in einem Kommentar für die Zeitung „Iswestija“, der Kontext sei ziemlich klar: „Die USA und ihre Verbündeten haben Reichtümer der arktischen Meere im Visier – sowohl in ihrer eigenen Wirtschaftszone als auch in neutralen Gewässern. Dass sich die Arktis allmählich vom Eis befreit, schürt das Interesse an der Erschließung dieser Ressourcen – ebenso wie an den zunehmenden Transit-Möglichkeiten der arktischen Meere.“

    Wie der Experte betont, ist die Arktis auch rein militärisch für die USA und Russland von Bedeutung, denn ausgerechnet über diese Region verlaufen die kürzesten Luftrouten zwischen Russland und dem Kernland der Vereinigten Staaten.

    „Die USA und ihre Verbündeten wurden ab Mitte der 2000er Jahre hinter dem Polarkreis aktiver, als die allmähliche Schrumpfung der Eisdecke zu einer langfristigen Tendenz wurde. Russland begann 2011, seine Militärpräsenz in der Region wiederaufzubauen“, stellt der Analyst fest.

    Ein wichtiges Anliegen der russischen Arktis-Militärbasen bestehe darin, eine eventuelle militärische Bedrohung aus dem Norden abzuwenden: „Atom-U-Boote der US-Navy, die in Polarmeeren operieren, sind derzeit bei Bedarf in der Lage, wichtige Wirtschafts- und Militäranlagen in der Region und in Kernrussland mit Marschflugkörpern anzugreifen.“

    Aber auch für die russischen Atom-U-Boote sei die Arktis ein bewährter und sehr bequemer Stellungsraum, um das US-Territorium mit Raketen anzuvisieren. Die US-Navy versuche deshalb, die russischen Untersee-Kräfte in der Region im Auge zu behalten, hieß es.

    „Die beiden Seiten stocken ihre Möglichkeiten in der Region auf“, so Kramnik. Russland habe aber einen „gewissen Vorteil“, denn seine Arktis-Infrastruktur sei derzeit besser entwickelt – sowohl dank der sowjetischen Hinterlassenschaft als auch dank der gegenwärtigen intensiven Arbeiten. Russland habe ein breiteres Netzwerk von Stützpunkten und die weltstärkste Eisbrecher-Flotte. All dies ermögliche sowohl eine Kontrolle über die eigenen Arktis-Gewässer als auch die Fähigkeit, sich dem Gegner bei Bedarf entgegenzusetzen.

    „Die geographische Lage der russischen Inseln hinter dem Polarkreis – vom Franz-Josef-Land bis hin zur Wrangelinsel – ermöglicht überlappende Kontrollzonen und reduziert drastisch die Wahrscheinlichkeit, dass es jemandem gelingt, unbemerkt in die russischen Arktis-Küstengewässer zu gelangen, um dann eventuell einen plötzlichen Angriff von dort aus zu starten“, schreibt Kramnik weiter.

    Allerdings seien die demonstrativen militärischen Arktis-Aktivitäten auf den beiden Seiten eher ein Beleg dafür, dass man keinen Konflikt in der Region wolle: Man hoffe darauf, dass der jeweilige Opponent das Signal richtig deuten und auf eine weitere Eskalation verzichten werde, so der Kommentar.

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    Tags:
    Vorteile, Konflikt, Übungen, Flotte, Eisbrecher, Armee, UdSSR, Arktis, Großbritannien, USA, Russland