02:54 16 November 2018
SNA Radio
    Britische Premierin Theresa May (r.) trifft Mitarbeiter des Ermittlungsteams

    Causa Skripal: London setzt seine Forscher unter Druck – Ex-Diplomat

    © AFP 2018 / Pool/ Toby Melville
    Politik
    Zum Kurzlink
    161917

    Die britische Regierung hat laut dem ehemaligen Diplomaten Craig Murray das Wissenschaftlerteam, das das Nervengift A234 untersuchte, unter Druck gesetzt. Darüber schreibt die russische Zeitung „Iswestija“ am Mittwoch.

    Murray zufolge wurden die Experten gezwungen, in ihrem Bericht anzugeben, dass die Substanz, mit der der Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter vermutlich vergiftet wurden, aus russischer Produktion stammt. Es habe dafür aber keine Beweise gegeben, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Murrays Interview mit dem Auslandssender RT. Gerade deswegen würden britische Beamte nun die Formulierung „die Substanz einer Klasse, die in Russland entwickelt wurde“ nutzen. 

    „Penizillin wurde in Schottland erfunden. Das bedeutet jedoch nicht, dass das ganze Penizillin dort hergestellt wird“, betonte Murray. 

    Die Formel der Substanz A-234 ist dem Ex-Diplomaten zufolge sogar in einem Buch zu finden, das auf Amazon bestellt werden könne. Demnach würden viele das Nervengift herstellen können, was den Kreis der möglichen Ausführer des Anschlags wesentlich erweitere. 

    Am 4. März wurden der 66-jährige Skripal und seine Tochter Julia in der britischen Stadt Salisbury bewusstlos aufgefunden und mit Anzeichen einer Vergiftung in ein Krankenhaus gebracht, wo beide ins Koma fielen. Medienberichten zufolge sollen 21 Personen in Mitleidenschaft gezogen worden sein, darunter auch ein Polizist.

    Die britischen Behörden vermuten einen Anschlag mit dem Nervengift А234, auch bekannt als „Nowitschok“.

    Die genauen Umstände sind noch unklar. Doch Premierministerin Theresa May erklärte, dass hinter dem mutmaßlichen Giftanschlag „höchstwahrscheinlich“ Russland stecke. Moskau weist den Vorwurf zurück. Bereits zuvor hatten Medien berichtet, dass May Russland die Schuld in die Schuhe schieben wolle.

    Russland erklärte sich bereit, an den Ermittlungen zur Causa Skripal teilzunehmen. London verweigert Moskau allerdings ohne Angabe von Gründen den Zugang zu Ermittlungsmaterialien und verstößt dadurch nach russischen Angaben gegen die Chemiewaffenkonvention.

     

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    „Skripal können auch Briten vergiftet haben“ – Nervengift-Erschaffer
    Causa Skripal: Polen erwägt Ausweisung russischer Diplomaten
    Vergiftet über Autolüftungssystem? – Neue Version im Fall Skripal
    MdB Alexander Neu: Skripal-Fall nutzt Westen – Vorwürfe gegen Moskau unlogisch
    Tags:
    Schuld, Druck, Forscher, Vergiftung, A-234, Nowitschok, Sergej Skripal, Craig Murray, Großbritannien, Russland