19:27 21 Juli 2018
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    Estnische Übungen Kuldne labidas (Goldschaufel)

    Eine „Goldschaufel“ gegen Panzer: Nato-Estland macht sich gefasst auf Abwehrkampf

    © Foto: Verteidigungsministerium Estlands
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    Estnische Infanteristen trainieren gemeinsam mit anderen Nato-Truppen den Verzögerungskampf. Unter dem Codenamen „Kuldne labidas“ (Goldschaufel) üben die Verbände an Russlands Grenze, Kampfpanzer des Gegners aufzuhalten. Zuvor hatte Moskau erklärt, Russland werde niemals ein Nato-Land angreifen.

    „Goldschaufel“ ist ein für die Ausbildung der Soldaten sehr wichtiges Manöver, sagt Oberleutnant Toomas Tyniste. Er befehligt die Übung auf dem zentralen Truppenübungsplatz der estnischen Armee, keine 100 Kilometer von der russischen Grenze entfernt.

    Fast 700 estnische Infanteristen sind am Manöver beteiligt, auch Nato-Kräfte sind vertreten: Für das Anlanden der Fußsoldaten werden Black Hawks eingesetzt, die Transporthubschrauber der US-Armee; britische Truppen simulieren den Gegner. Erstmals in ihrer Ausbildung trainieren die Verbände unter Kampfbedingungen, gemeinsam koordiniert vorzugehen, erklärt der Übungsleiter Tyniste. Der Schwerpunkt liege darauf, möglichst nahtlos mit den Pioniertruppen zusammenzuarbeiten.

    Ihr größtes Manöver hat Estlands Armee indes noch vor sich. Im kommenden Mai wird die Nato eine Großübung mit 13.000 Kräften in Estland unter dem Codenamen „Igel“ abhalten. Daran sollen nicht nur estnische und andere Nato-Soldaten beteiligt sein, auch Freiwillige und Reservisten werden zu dieser Feldübung herangezogen. Deren Gefechtsbereitschaft soll geprüft sowie das Zusammenwirken der einzelnen Truppenteile geübt werden.

    Das Ausmaß der Truppenübungen in Estland nimmt parallel zur nie dagewesenen Verstärkung des Nato-Kontingents in den baltischen Staaten ständig zu. Die Nato hat im Sommer 2016 auf ihrem Gipfel in Warschau wegen einer angeblichen Bedrohung vonseiten Russlands beschlossen, Truppen in Polen und im Baltikum zu stationieren.

    Dabei erklärte Moskau mehrmals, an einer Konfrontation mit der Nato weder im Baltikum noch in irgendeiner anderen Region interessiert zu sein. Russland werde niemals ein Nato-Land angreifen, hieß es aus Moskau immer wieder.

    Russlands Außenminister, Sergej Lawrow, sagte: Dass Moskau keine Angriffspläne habe, wisse die Nato sehr wohl. Die Allianz brauche einfach einen Vorwand, um noch mehr Technik und Truppen unweit der russischen Grenze zu stationieren.

    „Im vergangenen Vierteljahrhundert hat Russland seinen Teil des Wegs zur Überwindung der Folgen des Kalten Krieges – trotz allen Prüfungen – in Würde zurückgelegt“, so der russische Außenminister. Die Länder des Westens würden derweil durch die Ausweitung der Nato in den Osten „Instabilität auf dem postsowjetischen Raum“ provozieren und eine „Anti-Russland-Stimmungen“ schüren.

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    Tags:
    Konfrontation, Grenze, Übungen, Abwehr, NATO, Sergej Lawrow, Russland, Estland
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